Münchens IT-Geschichte ist ein dramatisches Wechselspiel aus Pioniergeist und politischem Rollback. Nach dem weltweit beachteten LiMux-Projekt und der 2017 von CSU und SPD über die Bühne gebrachten Rückkehr in die Microsoft-Welt schlägt die bayerische Landeshauptstadt ein neues Kapitel auf. Die frisch geschmiedete „Mango-Koalition“ aus Grünen/Rosa Liste, SPD und der Fraktion FDP/Freie Wähler hat in ihrem Koalitionsvertrag für die Jahre 2026 bis 2032 eine neue Marschrichtung festgelegt: Open Source soll zum Standard der städtischen Software-Beschaffung werden.

Damit manifestiert sich ein politischer Wille, der digitale Souveränität ins Zentrum der Verwaltungsmodernisierung rückt. Das soll den jahrelangen Zick-Zack-Kurs beenden. Herzstück der Strategie ist das Bekenntnis zum Prinzip „Public Money, Public Code“: In dem Papier stellen die Partner klar, dass mit Steuermitteln finanzierte Software künftig der Allgemeinheit zur Verfügung stehen muss.

Um diesen Anspruch in der komplexen Verwaltungswelt umzusetzen, soll das Anfang 2024 im Rahmen eines grün-roten 5-Punkte-Plans gegründete Open Source Program Office (OSPO) dem Vernehmen nach aufgewertet werden. Es fungiert als zentrale Steuerungseinheit, die Projekte sichtet, Zusammenarbeit mit der Community koordiniert und rechtliche Hürden bei der Veröffentlichung städtischer Eigenentwicklungen abbaut. Ziel ist eine IT-Infrastruktur, die frei von den Fesseln proprietärer Anbieter agiert und stattdessen konsequent auf offene Schnittstellen und herstellerunabhängige Standards setzt.