Deutschland war der Angstgegner der Eishockey-Schweiz – doch jetzt könnte ein Rollenwechsel anstehenDeutschland war in den letzten Jahren immer wieder so etwas wie die Schweizer Nemesis. Aber 2024 hat sich das Team mit einem Viertelfinalsieg von seinem deutschen Trauma befreit. In Zürich ist der Gastgeber am Montag der klare Favorit.18.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBefreiender Sieg in Ostrava: Dem Stürmer Nico Hischier gelingt im WM-Viertelfinal von 2024 der Siegtreffer gegen Deutschland.www.imago-images.deAm 23. Mai 2024 trifft die Schweiz in Ostrava auf Deutschland. Es ist der WM-Viertelfinal – und es geht um viel. Für die Schweizer nach einer Reihe von brutalen Niederlagen in K.-o.-Spielen trotz klarer Favoritenrolle gegen diesen Gegner um die Ehre. Und für den Nationaltrainer Patrick Fischer und seinen Vorgesetzten Lars Weibel um ihre Jobs: Bei einer Niederlage wären beide entlassen worden. Das groteske Schauspiel dieses Frühjahrs hätte es mutmasslich nie gegeben, jedenfalls nicht in diesem Ausmass. Für ein gefälschtes Corona-Zertifikat eines ehemaligen Nationaltrainers hätte der SRF-«Club» jedenfalls keine Sondersendung einberufen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch die Schweiz gewann, 3:1, Fischer sagte später, er habe nach dem Sieg im Hotelzimmer geweint, so emotional sei das alles gewesen. Für einmal hatten die Nerven seines Teams gehalten. Nachdem es 2021 und 2023 jeweils an der WM in Riga und 2018 an den Olympischen Spielen in Pyeongchang an diesem Gegner gescheitert war. Weil es mit der ruppigen Gangart des spielerisch limitierten, aber physisch überlegenen Widersachers nicht klargekommen war.In den Gruppenspielen 2025 liess die Schweiz im Nachbarschaftsduell den nächsten Sieg folgen – beim 5:1 im dänischen Provinzort Herning erzielte Sven Andrighetto vier Treffer. Es war ein bedeutender Etappensieg auf dem Weg zur jüngsten Finalqualifikation.Draisaitl und Stützle als grosse AbwesendeVor dem neuerlichen Duell in Zürich befinden sich die Schweizer einmal mehr klar in der Favoritenrolle. Deutschland mag zehnmal so viele Einwohner haben wie die Schweiz, doch was die Anzahl lizenzierter Eishockeyspieler inklusive Junioren angeht, sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Die Schweiz kommt auf knapp 21 000 Aktive, Deutschland auf 9500. Am Montag aber ist ein anderer Aspekt entscheidend: die Absenzen auf deutscher Seite: Vier der acht NHL-Exporte stehen dem Trainer Harold Kreis nicht zur Verfügung, unter ihnen die Weltklassestürmer Leon Draisaitl und Tim Stützle.Deutschland tut sich bei seinen Spitzenspielern schwerer damit, die WM als Pflichttermin zu etablieren. 2027 dürfte das anders sein, wenn das Turnier in Düsseldorf und Mannheim stattfinden wird. Eine Weltmeisterschaft in der Arena eines lokalen Zweitligisten, das gab es lange nicht mehr.Aber der Traditionsklub Düsseldorfer EG stieg 2025 ab. Und verlor in diesem Winter in der DEL 2 unter anderem gegen Bad Nauheim, Crimmitschau und Weiden. Der Zusammenbruch schmerzt auch den Nationaltrainer Kreis, der die DEG von 2021 bis 2024 coachte. Immerhin: Der Zuschauerschnitt lag bei mehr als 7000, er war höher als der von Davos, Genf/Servette oder Lugano.Der fünffache Meistertrainer Berlins wechselt ins Schweizer MittelmassEs ist ein bisschen, als würde der SC Bern plötzlich in der Swiss League spielen und gegen Arosa und Chur verlieren. Die Realität ist eine andere: Der seit Jahren serbelnde SCB, ein Team, das seit 2019 keine Play-off-Serie mehr gewinnen konnte, hat mit dem Kanadier Serge Aubin gerade den fünffachen Meistertrainer des DEL-Dominators Eisbären Berlin aus einem langfristigen Vertrag heraus abgeworben.Das sagt etwas aus über die Anziehungskraft dieser beiden Ligen: Die DEL ist eine prächtig funktionierende, attraktive Liga. Aber die National League ist der europäische Goldstandard, sportlich und vor allem finanziell. Die Salärstruktur für Spieler und Trainer ist hierzulande mit grossem Abstand die höchste in Westeuropa.Aubin, 51, wirkte an den letzten beiden Weltmeisterschaften und auch an Olympia als Assistent von Kreis. Für diese Austragung hat der Bundestrainer einen anderen Coach mit Schweizer Vergangenheit auf diesen Posten gehievt: Mark French, einen Kanadier, der zwischen 2017 und 2019 Gottéron coachte und an der Launenhaftigkeit seines Kaders damals fast verzweifelte.Vielleicht schafft es dieses prominente Trainergespann, eine Taktik auszuknobeln, mit der es den Gastgeber in die Bredouille bringen kann. Aber das dürfte schwierig werden: Die Schweiz ist mit Siegen über die USA (3:1) und Lettland (4:2) makellos gestartet und hat zudem den Vorteil eines zusätzlichen spielfreien Tages. Es könnte sein, dass am Montag ein Rollenwechsel vollzogen wird. Und die Schweiz zum Angstgegner Deutschlands wird.Passend zum Artikel