PfadnavigationHomePolitikAuslandTransatlantische Beziehungen„Wenn der Kauf von Tomahawks nur eine Frage des Preises wäre, dann wäre Trump sofort dabei“Stand: 16:43 UhrLesedauer: 4 MinutenUS-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf einem Treffen in WashingtonQuelle: Guido Bergmann/Presse- und Informationsamt der/dpaTrotz des Zwists zwischen Kanzler Merz und US-Präsident Donald Trump glaubt die Bundesregierung weiter an den Kauf von Tomahawk-Raketen aus Washington. Der Transatlantik-Koordinator Metin Hakverdi sieht bereits eine Gelegenheit, bei der Merz das Verhältnis zu Trump reparieren könnte.Vor bald einem Jahr trat Metin Hakverdi sein Amt als Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit an. In dieser Zeit haben sich die Beziehungen zwischen Berlin und Washington stark verändert. Nach zahlreichen kritischen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz über die USA und Präsident Donald Trump ist dieser nicht mehr gut auf den deutschen Regierungschef zu sprechen.Trumps folgenschwere Reaktion auf Merz‘ Kritik Anfang des Monats werde grundsätzlich „in Washington als eine persönliche Sache gewertet, dass Trump persönlich enttäuscht war“, sagte Hakverdi im Gespräch mit WELT. „Das ändert aber nichts daran, dass Deutschland aus US-Sicht sicherheitspolitische Anforderungen erfüllt oder sogar übererfüllt“, so der SPD-Politiker. Der Nato-Gipfel Anfang Juli in Ankara sei „die nächste gute Gelegenheit, um auf den deutschen Beitrag hinzuweisen“. Grundsätzlich dürften Trumps Gesprächspartner aber nicht vergessen, „dass der amerikanische Präsident es sechs Monate vor den Midterms nicht gut findet, wenn irgendjemand ihn nicht grenzenlos lobt“.Lesen Sie auchDie jüngsten Kommentare des Bundeskanzlers zu Trumps Strategielosigkeit im Nahen Osten und die Demütigung durch den Iran stellen das anfänglich gute Verhältnis auf eine harte Probe. Die Kritik löste nach Recherchen von WELT und „Politico“ das Vorziehen von Plänen für einen teilweisen US-Truppenabzug aus Deutschland und die Nicht-Stationierung von Mittelstreckenwaffen aus. Und damit eine gravierende Schwächung der deutschen und europäischen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit.Zwar telefonierte Merz vergangenen Freitag mit Trump. Dem Kanzler zufolge sei es „ein gutes Telefonat“ gewesen, man habe Fragen zu Iran, der Ukraine und dem Nato-Gipfel erörtert. Am selben Tag wetterte Merz aber erneut gegen Trumps Regierung. Er würde seinen Kindern „heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten“, wie er beim Katholikentag sagte.Niemand weiß, wohin die Reise gehtBundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte parallel zur geplanten und jetzt abgesagten US-Stationierung von Tomahawks vergangenen Sommer den Kauf von Typhon-Launchers beantragt. Das Raketenstartsystem dient auch für Tomahawks. Der SPD-Politiker Hakverdi, der in der vergangenen Woche zu Gesprächen nach Washington gereist war, glaubt weiterhin an den Erwerb dieser Abschreckungsfähigkeit. „Wenn der Kauf von Tomahawks nur eine Frage des Preises wäre, dann wäre Trump sofort dabei“, sagte Hakverdi. Er habe dazu in Washington unterschiedliche Stimmen gehört: „Dass die Absage der Stationierung eine emotionale Entscheidung des Präsidenten gewesen sei. Oder aber auch, dass Trump das Thema als Verhandlungschip benutze, bis hin zum Argument, dass die Lager leer und die Produktionskapazitäten erschöpft seien.“Lesen Sie auchDeutschlands Investitionen in die eigene Verteidigung würden in Washington trotz der aktuellen Spannungen weiter wohlwollend wahrgenommen. Etwa auch die Entscheidung, ein Minenjagdboot ins Mittelmeer zu verlegen, das nach Ende des Kriegs im Iran in der Straße von Hormus eingesetzt werden könnte. „Es wird in Washington klar wertgeschätzt, dass wir bereits Maßnahmen getroffen haben, unsere Minenräumkapazitäten in Richtung Südosten zu bewegen, in unserem legalen Raum, also ins Mittelmeer. Das wird von US-Seite sehr genau beobachtet“, so Hakverdi.Lesen Sie auchDer SPD-Politiker, der als Jugendlicher ein Jahr eine kalifornische Highschool besuchte und später in Indiana Jura studierte, spricht bei seinen US-Besuchen auch regelmäßig mit deutschen Unternehmen und Investoren. Dabei steht das Thema Handelskrieg hoch auf der Agenda. Bisher zeichne sich nicht ab, dass Trumps Plan aufgeht, durch hohe Zölle massenhaft deutsche Firmen zur Ansiedlung von Produktionsstätten anzuziehen. „Sicherlich sind die USA attraktiv wegen niedriger Energiepreise, oder wenn Firmen strategischen Marktzugang wollen. Aber nach wie vor ist es ein riesiges Problem, qualifizierte Fachkräfte in den USA zu finden.“ Es herrsche „komplette Unsicherheit, wo die Reise insgesamt hingeht. Am Ende ist gar nicht so die Frage, wie hoch die Zölle genau sind, sondern dass sich alle daran orientieren können.“Stefanie Bolzen berichtet für WELT seit 2023 als US-Korrespondentin aus Washington, D.C. Zuvor war sie Korrespondentin in London und Brüssel.
Transatlantische Beziehungen: „Wenn der Kauf von Tomahawks nur eine Frage des Preises wäre, dann wäre Trump sofort dabei“ - WELT
Trotz des Zwists zwischen Kanzler Merz und US-Präsident Donald Trump glaubt die Bundesregierung weiter an den Kauf von Tomahawk-Raketen aus Washington. Der Transatlantik-Koordinator Metin Hakverdi sieht bereits eine Gelegenheit, bei der Merz das Verhältnis zu Trump reparieren könnte.







