Die Via Emilia im norditalienischen Modena ist eine Straße mitten in der Innenstadt, man kommt zum Shoppen her, zum Spazierengehen oder zum Sightseeing. Am Samstagnachmittag ist hier ein Mann mit einem Auto in eine Gruppe von Fußgängern und Radfahrern gerast. Acht Menschen wurden dabei verletzt, vier von ihnen schwer. Unter ihnen sind eine deutsche Touristin und eine Person aus Polen, sagte der Bürgermeister von Modena, Massimo Mezzetti.Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Bürgermeister Mezzetti zufolge handelt es sich um einen etwa 30 Jahre alten Mann nordafrikanischer Herkunft, der in Italien geboren ist. Zu seinem Motiv war zunächst nichts bekannt. Der Mann wohnte demnach seit Längerem in der Provinz Modena, hat einen Universitätsabschluss, aber derzeit keine Arbeit. Er sei nicht vorbestraft und in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung gewesen. Medienberichten zufolge konnten bei dem Mann weder Alkohol- noch Drogeneinfluss nachgewiesen werden.„Er wurde regelrecht durch die Luft katapuliert.“Auf Aufnahmen von Videokameras vor Ort ist zu sehen, wie das Auto mit hoher Geschwindigkeit auf den Gehsteig und die Passanten zufährt und dann mehrere Menschen erfasst. Die Schwester eines der Schwerverletzten sagte der Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag, ihr Bruder im Krankenhaus erinnere sich an alles: „Er wurde regelrecht durch die Luft katapuliert.“Vor dem Schaufenster eines Geschäftes kam das Auto schließlich zum Stehen. Der Fahrer stieg aus und versuchte zu fliehen, er habe ein Messer in der Hand gehalten, wie Augenzeugen italienischen Medien berichteten. Mehrere Passanten konnten ihn festhalten und überwältigen. Einer von ihnen sagte italienischen Medien, der Mann habe unverständlich vor sich hin geredet.Bürgermeister Mezzetti dankte den Helfern am Samstagabend. Unter ihnen seien zwei Ägypter gewesen, sagte er, weswegen es unangemessen sei, den Fall auszuschlachten, wie das auf Social Media passiere.Der Vorfall erinnert an islamistisch motivierte Anschläge wie in Nizza und am Berliner Breitscheidplatz im Jahr 2016 oder auch an die Amokfahrt in Leipzig Anfang Mai. Italien hat bislang noch keinen gesichert islamistischen Terroranschlag erlebt.Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete den Vorfall als „sehr schwerwiegend“. In den sozialen Medien sprach sie den Verletzten und ihren Familien ihre Anteilnahme aus und bedankte sich bei den Bürgern, die den Mann gestoppten. Der Mann müsse nun zur Rechenschaft gezogen werden. Meloni sagte andere Termine ab, um nach Modena zu reisen, auch Staatspräsident Sergio Mattarella wurde in der Stadt in der Emilia-Romagna erwartet. In einem Telefonat mit dem Bürgermeister habe Mattarella bereits seine Nähe ausgedrückt, teilte der Quirinalspalast mit, und gebeten, seinen Dank an die Bürger auszurichten „die mutig den Schuldigen gestellt“ hätten.In eine ganz andere Richtung zielte Matteo Salvini, Parteichef der rechten Lega und Melonis Vizepräsident. In einem Post auf X betonte er die Herkunft des mutmaßlichen Täters. Er benutzte den noch nicht abschließend geklärten Vorfall, um eines seiner Hauptthemen voranzutreiben, die seiner Meinung nach gescheiterte Integration der sogenannten „zweiten Generation“, also der in Italien geborenen Kinder von Einwanderern. Seine Partei kündigte an, prüfen lassen zu wollen, wie man Ausländern, die Straftaten begehen, die Aufenthaltsgenehmigung entziehen kann.
Modena in Norditalien: Auto fährt in Fußgängergruppe – acht Verletzte
In Modena rast ein Mann mit einem Auto in eine Menschengruppe. Acht Personen werden verletzt, darunter eine Touristin aus Deutschland.











