PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:Meinung„Reiche, weiße Nazis“Die AfD sollte Sarah Bosetti endlich die Ehrenmitgliedschaft vergebenStand: 12:38 UhrLesedauer: 3 MinutenZDF-Moderatorin Sarah Bosetti sorgte bereits während der Corona-Pandemie für verbale Fehltritte. Jetzt beschimpft sie die AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt als „reiche weiße Nazis“. „Mit so einer Aussage tut man sich keinen Gefallen“, sagt WELT-Autor Dennis Sand.Sarah Bosetti provoziert mal wieder. Die AfD-Wähler sind zu dumm für die Demokratie? Quatsch. Wir sind nur alle zu dumm für Bosetti! Ein Erklärungsversuch.Deutschland hat ja bekanntermaßen die bemerkenswerte Begabung, die größten Künstler des Landes zuverlässig kleiner zu machen, als sie eigentlich sind. So hat man erst im vergangenen Jahr die Poetry-Slammerin, Lyrikerin (?) und äh, Kabarettistin (?) Sarah Bosetti bereits zum zweiten Mal mit dem sogenannten Kleinkunstpreis des Landes abgespeist. Wie bitte? Kleinkunst? Also wirklich, Deutschland, shame on you. Mal wieder gar nichts verstanden! Denn das, was Bosetti zuverlässig nicht mehr bloß für die Stadthallen der bundesrepublikanischen Provinz, sondern auch für das Hauptprogramm des ZDF (was ehrlicherweise dasselbe ist) auf die Monitore dieses Landes spielt, das ist sehr viel mehr als nur Kleinst- oder Kleinkunst. Nein, das ist richtig großes Kino.Lesen Sie auchBosetti wird den meisten Menschen wohl über ihre Social-Media-Videos bekannt sein, in denen die Kamera ganz nah auf ihrem Gesicht liegt und sie in diesem moralisierenden, passiv-aggressiven Tonfall (erstklassige biodeutsche Helikopter-Mutti-Vibes aus der Waldorfschule) über den Zustand des Landes doziert. Größere Bekanntheit erlangte sie während der Corona-Pandemie, als sie die Überlegung formulierte, Ungeimpfte verhielten sich zum gesellschaftlichen Organismus ungefähr wie ein Blinddarm zum menschlichen Körper. Nicht zwingend überlebensnotwendig, weshalb man ihn entsprechend ja auch, nun, was denn eigentlich? Entfernen könnte? Irgendwie sowas halt.Zu dumm für die Demokratie? Nein, zu dumm für BosettiJetzt staunt Bosetti über die aktuellen Umfragewerte der AfD in Sachsen-Anhalt, bei denen die AfD bei 42 Prozent steht. „Die AfD zu wählen ist vieles – zum Beispiel moralisch so mittel. Aber es ist auch einfach dumm. Denn wenn man kein reicher, weißer Nazi ist – mit Betonung auf reich –, tut man sich selbst keinen Gefallen damit“, sagt sie. Eine fantastische Analyse. Bosetti hat verstanden, dass offenbar 42 Prozent der Befragten in Sachsen-Anhalt einfach zu dumm sind, die Demokratie zu verstehen. Nein, nein, nicht die Leute, relativiert sie, nur die Handlung der Leute sind dumm. Ach ja, na klar, sorry. Die Wahrheit ist eine andere. Die Deutschen sind tatsächlich gar nicht zu doof, die Demokratie zu verstehen. Die Deutschen sind nur zu doof, Bosetti zu verstehen. Denn es kann ja gar nicht anders sein, so simpel kann ja höchstens ihr Vintage-Trade-Fair-Pullover, aber doch nicht Bosetti selbst gestrickt sein.Die große und vielfach missverstandene Rolle der Bosetti, davon bin ich überzeugt, ist die Rolle der wütenden, ultradoofen Linken, die jedes noch so abstruse und stereotype Klischee erfüllt. Bosetti wirkt manchmal wie eine seltene Form politischer Mathematik. Je komplexer die Wirklichkeit, desto einfacher ihre Antworten und desto größer die Sicherheit, mit der sie präsentiert werden. Der menschgewordene Dunning-Kruger-Effekt. Eigentlich, daran glaube ich fest, weil ich an die Kunst glaube, ist Bosetti ein U-Boot der AfD. Mit ihren linken „Gesellschaftsanalysen“ mobilisiert sie die AfD-Wähler, wie es kein Spitzenpolitiker besser könnte.Und was ist der Dank dafür? In sozialen Medien wird sie von rechter Seite beschimpft. Traurig! Deutschland hat ja bekanntlich die bemerkenswerte Begabung, die größten Künstler kleiner zu machen, als sie eigentlich sind. Vielleicht sollte man Bosetti irgendwann doch noch angemessen würdigen. Nicht mit einem Kleinkunstpreis. Eher mit einer Ehrenmitgliedschaft der AfD. Aber vielleicht will man damit auch noch abwarten, bis man in Sachsen-Anhalt dann tatsächlich die absolute Mehrheit hat. Bosetti gibt dafür ihr Bestes. Dennis Sand schreibt über Popkultur und Zeitgeist. Seine Bücher mit Bushido, Jan Ullrich und dem YouTuber Montanablack hielten sich monatelang auf Spitzenpositionen in den Bestsellerlisten. Kleinkunst verachtet er zutiefst.