PfadnavigationHomeSportFußballArtikeltyp:MeinungNationalmannschaftNeuer als Nummer eins zur WM – es wäre Nagelsmanns beste EntscheidungStand: 11:35 UhrLesedauer: 4 MinutenKehrt Manuel Neuer zur WM ins Tor der deutschen Nationalmannschaft zurück? Julian Nagelsmann hätte bei seinem TV-Auftritt im ZDF-Sportstudio Klarheit schaffen können. Doch der Bundestrainer entschied sich zur Mauertaktik - und heizte damit die Spekulationen nur noch mehr an. Für Oliver Baumann wäre es ein harter Schlag.Der Bundestrainer erwägt offenbar, Manuel Neuer als Stammtorwart mit zur WM zu nehmen. Für die Mannschaft wäre es die beste Lösung, ihr fehlen Anführer. Inhaltlich macht Julian Nagelsmann es richtig. Doch der Bundestrainer hat ein Timing-Problem.Es wäre die beste Entscheidung seiner bisherigen Amtszeit. Julian Nagelsmann sollte Manuel Neuer unbedingt zur Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft machen und mit zur WM nehmen. Sofern der Bundestrainer dies beschlossen hat, wie berichtet wird, hätte er den absolut richtigen Entschluss gefasst.Manuel Neuer ist weiterhin einer der besten Torhüter der Welt. Ja, es stimmt, was viele Experten und Fans sagen: Mindestens gefühlt sind die Fehler über die Jahre etwas mehr geworden, die Konstanz in Sachen absolute Höchstleistungen nicht mehr ganz so ausgeprägt. Er ist nicht unfehlbar, was er um 2014 zu sein schien. Hinter ihm liegt eine schwere Verletzung, gerade wurde Neuer 40 Jahre.Doch Manuel Neuer ist mehr als ein Torwart. Er ist ein Führungsspieler, an dem sich die ganze Mannschaft aufrichten kann. Gerade nach Rückschlägen, gerade in schwierigen Partien. Und die kommen bei einer WM, gerade in der K.-o.-Runde.Die Nationalmannschaft braucht genau so eine Persönlichkeit. Sie hat nicht viele davon, ihr mangelt es an Anführern. Joshua Kimmich und Neuer würden dieses Team führen. Für Neuer wäre es die fünfte (!) WM. Mit all seiner Erfahrung und Ausstrahlung würden die Chancen der deutschen Mannschaft auf ein erfolgreiches Turnier in den USA, Kanada und Mexiko deutlich steigen. Dieser Faktor muss im Vordergrund stehen. Neuer ist immer noch in der Lage, große Spiele zu entscheiden. Der Unterschiedsspieler zu sein, wenn es drauf ankommt, wenn der Druck immens ist.Für Oliver Baumann wäre es extrem bitterJa, er war zuletzt immer mal wieder verletzt. An diesem Wochenende ließ er sich beim Sieg gegen den 1. FC Köln wegen einer Wadenblessur auswechseln. Doch es lohnt sich, dieses Risiko für eine aus deutscher Sicht starke WM einzugehen.Lesen Sie auchFür Oliver Baumann wäre es natürlich extrem bitter, die Position als Nummer eins der Auswahl zu verlieren. Seit Neuers Rücktritt aus der Nationalelf vor zwei Jahren war er verlässlich. Doch es ist Nagelsmanns Recht, diese Entscheidung zu treffen. Wenngleich es bis zur WM nur noch rund drei Wochen sind. Es ist sogar seine Pflicht, das Beste für die Mannschaft zu tun. Deutschland braucht auf jeder Position die besten Spieler, die zur Verfügung stehen. Im Tor ist das Neuer. Daher darf Nagelsmann keine Rücksicht darauf nehmen, was die Entscheidung bei Baumann auslösen würde. Er muss in der Sache richtig entscheiden. Mit Toni Kroos holte Nagelsmann vor der EM 2024 bereits einmal einen zurückgetretenen Spieler zurück. Lesen Sie auchDass Neuer der entscheidende X-Faktor für eine Mannschaft sein kann, bewies er zum Beispiel im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League mit dem FC Bayern bei Real Madrid. Baumann bestritt sein bislang letztes Spiel in der Königsklasse vor acht Jahren. Bei einem großen Turnier mit Deutschland hat der 35-Jährige noch nie gespielt. Er kommt bislang auf elf Länderspiele – Neuer auf 124. Der fünfmalige Welttorhüter hat immer noch eine enorme Aura und beeindruckt sogar Superstars wie Reals Kylian Mbappé und Vinícius Júnior im Eins-gegen-Eins vor seinem Tor. Es wäre keine Entscheidung gegen Baumann, sondern für Neuer.Inhaltlich hätte Nagelsmann alles richtig gemacht, sollte Neuer wieder die deutsche Nummer eins werden. Doch der Bundestrainer hat in diesen Tagen ein Timing-Problem. Samstagabend trat er im ZDF-Sportstudio auf. Eigentlich hätte er dort über seinen WM-Kader sprechen sollen – den hatte er ursprünglich am 12. Mai verkünden wollen. Da hätte der Auftritt einige Tage danach viel Sinn ergeben. Doch Nagelsmann verschob die Verkündung im April auf den kommenden Donnerstag (13 Uhr). Er wollte bei verletzten Wackelkandidaten wie Felix Nmecha von Borussia Dortmund abwarten und generell letzte Eindrücke gewinnen.Dass er seine Zusage an das ZDF trotz der Dynamik der vergangenen Tage einhielt, spricht für ihn. Doch Nagelsmann tat sich damit keinen Gefallen. Er konnte und wollte am vergangenen Samstagabend nichts Konkretes zur Causa Neuer sagen. Und muss nun mit der Kritik von Experten wie Lothar Matthäus leben, dass er den Kader lediglich zwei Tage vor dem DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart verkündet. Möglicherweise also einigen nicht nominierten Spielern kurz vor diesem wichtigen Spiel ihren Traum von der WM-Teilnahme nimmt.Argument für Nagelsmann: In Anbetracht des engen Terminplans ist es schwierig bis unmöglich, den perfekten Zeitpunkt für die Kadernominierung zu finden. Wenige Tage nach dem Pokalfinale beginnt bereits die WM-Vorbereitung. Dennoch wirkt das Timing des Bundestrainers aktuell nicht gerade optimal.Sollte Baumann aus den Medien erfahren haben, dass Neuer auf einmal die Nummer eins für die WM ist, wäre es menschlich ganz bitter. Im Sportstudio dementierte Nagelsmann die Neuer-Meldung zumindest nicht. Der Bundestrainer betonte, jeder Spieler solle die Entscheidung von ihm erfahren.An diesem Satz werden die Spieler ihren Bundestrainer jetzt messen.Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er reist im Juni als Reporter zur WM in die USA.
Nationalmannschaft: Manuel Neuer als Nummer eins zur WM – es wäre Julian Nagelsmanns beste Entscheidung - WELT
Der Bundestrainer erwägt offenbar, Manuel Neuer als Stammtorwart mit zur WM zu nehmen. Für die Mannschaft wäre es die beste Lösung, ihr fehlen Anführer. Inhaltlich macht Julian Nagelsmann es richtig. Doch der Bundestrainer hat ein Timing-Problem.












