Die Sache mit dem neuen Grill beginnt auf einer Geburtstagsfeier beim Nachbarn. Kaum liegt das Fleisch auf dem Rost, versammeln sich sechs Erwachsene um den Grill herum wie früher um einen frisch polierten Rennwagen. Erst vor wenigen Tagen hat der Besitzer sich einen neuen Gasgrill gekauft, und schon beginnt die Fachsimpelei: Deckel auf, Deckel zu, einer checkt die Temperatur auf dem Thermometer, ein anderer lobt die dunkelgraue Optik, jemand fragt nach der Leistung, ein anderer erzählt von seiner Sizzle Zone. Frei nach dem Motto: Mein Haus, mein Auto, mein Grill.Am Morgen danach fällt der Blick auf den eigenen Gasgrill auf dem Balkon. Acht Jahre ist das gute Stück alt, eigentlich hat er uns stets gute Dienste geleistet. Aber jetzt, nach dem Erweckungserlebnis am Vorzeigegrill des Nachbarn, werden die Zweifel größer. Denn ehrlich gesagt verteilt sich die Hitze auf dem Rost eher zufällig, ist der Deckel verkratzt, fehlt der Zündknopf bereits seit zwei Jahren und sind manche Teile im Innenleben ziemlich verrostet.Bei einem Blick ins Internet wirken die Preise für einen neuen, anspruchsvollen Gasgrill ambitioniert, unter 500 Euro geht für unsere Zwecke gar nichts, eher 800 bis 1200 Euro. So viel Geld, nur fürs Grillen? Wir sind zwei Erwachsene mit zwei Kindern, grillen gern mit Freunden. Wir wollen keinen Smoker für 18-Stunden-Rinderbrust, keinen übertriebenen Schnickschnack, sondern einen Grill, der zuverlässig heiß wird, genug Platz bietet, leicht sauber zu halten ist und lange hält. Also: Worauf kommt es wirklich an?Qual der Wahl: Bei der Suche nach einem Gasgrill sind Qualität und Langlebigkeit entscheidend.dpaDie wichtigsten Grundsatzfragen beantwortet Dirk Zander, Grillspezialist im Sunflower Gartencenter in Frankfurt. Lektion eins ist einfach: „Grillen können sie mit allem, was angeboten wird.“ Ein Steak bekommt man auch mit einem Discountergrill mit nur einem Brenner auf den Teller, aber: „Bei der Qualität und Haltbarkeit gibt es enorme Unterschiede.“Fangen wir mit den individuellen Bedürfnissen an: die Größe des Gasgrills. Grundsätzlich gilt, wer ein wenig Qualität ins Grillen bringen will, braucht mindestens zwei Brenner, denn nur so lässt sich in unterschiedlich heißen Zonen brutzeln. Wer nur gelegentlich und meist nur für den Eigenverbrauch Fleisch und Gemüse auflegt, sollte damit auskommen. Zwei Brenner bieten sich auch für kleine Balkone oder Terrassen an. In unserem Fall aber reicht das nicht, denn: Wenn Freunde kommen, braucht es mehr Platz, ebenso, wenn man nicht nur Wurst und Steaks anbieten will, sondern auch mal indirekt grillen, eine Pizza backen oder Beilagen und Hauptgang gleichzeitig fertigstellen will.Aus welchem Material sollte ein Gasgrill sein?Auf einem Grill mit vier Brennern lassen sich Fleisch, Gemüse und Beilagen parallel zubereiten – gerade wenn Freunde kommen, macht das vieles entspannter. Bei den Brennern selbst empfiehlt Dirk Zander Edelstahl, „die billigen Grills haben Gussbrenner, denen kann man beim Rosten zusehen“, sagt er.Überhaupt ist das Material wichtiger als die Optik. Edelstahl oder Alu-Druckguss bei Grillkammer und Deckel gelten als langlebig und robust. Zander selbst nutzt seit 13 Jahren denselben Grill: „Steht draußen und hält auch noch zehn Jahre.“ Qualität zahle sich langfristig aus. „Das muss nicht heißen, dass man vierstellige Summen investieren muss.“ Aber zwischen einem 250-Euro-Angebot und solider Mittelklasse liegen oft Welten.Dabei geht es auch um den Rost. Gusseisen besitzt die bessere Hitzeleitfähigkeit, erzeugt die intensiveren Brandings auf dem Fleisch und ist günstiger, dafür aber pflegeaufwendiger. Edelstahl dagegen besitzt bei ausreichender Materialstärke – Dirk Zander empfiehlt mindestens neun Millimeter – ebenfalls gute Hitzeeigenschaften, ist aber vor allem pflegeleichter und noch robuster, dafür aber etwas teuer.Welche Extras lohnen sich beim Gasgrill?Apropos teurer. Jedes Extra kostet natürlich Aufpreis, also sollten sich Nutzer die Frage stellen: Brauche ich das wirklich, oder ist das nur Spielerei oder gar Statussymbol? Weit verbreitet sind inzwischen sogenannte Sizzle- oder Sear-Zonen, die extreme Temperaturen zum scharfen Anbraten von Fleisch erzeugen. Das ist beeindruckend, aber nicht zwingend nötig. „Sear- oder Sizzle-Zonen sind eher schon was für Profis, da geht es bei der Frage, ob das Steak zart-rosa ist oder bitter schmeckt, teilweise um Sekunden“, sagt Zander. Auch Heckbrenner, die vor allem mit guten Ergebnissen bei Fleisch auf Drehspießen beworben werden, hält er für nicht zwingend notwendig: „Ein guter Grill schafft das auch so.“Tatsächlich sinnvoll können digitale Thermometer mit App sein. Sie messen die Garraum- oder Kerntemperatur des Fleisches und melden auf das Smartphone, wenn der gewünschte Gargrad erreicht ist. Gerade bei größeren Fleischstücken oder indirektem Grillen kann das helfen. Schön ist der zusätzliche Gaskocher an der Seite: Auch der kostet extra, aber wenn der Grillmeister oder die Grillmeisterin damit auch zum Beispiel Beilagen oder Soßen im Garten zubereiten können, kann die Küche drinnen womöglich gänzlich kalt bleiben.Ein Punkt, nach dem viele Kunden häufig fragen, ist der Aufwand für das Saubermachen. Feuer und Fett erzeugen meist schmierige, nervige Reste innerhalb des Grills, deren Reinigung aufwendig ist. Herausnehmbare Auffangschalen, gut erreichbare Brenner und möglichst wenige Ecken und Kanten machen einen Unterschied. Edelstahl ist meist einfacher zu reinigen als empfindliche Oberflächen oder Gusselemente.Wobei auch hier die Ansprüche unterschiedlich sind. „Ja, Pflege ist wichtig, aber Grills brennt man aus, zehn bis 30 Minuten, bürstet Reste weg, dann sind sie ausreichend sauber“, sagt Zander. „Sieht jeder anders, mir reicht es so.“Am Ende der Beratung im Sunflower Gartencenter wirbt der Fachmann noch mal für Markengrills. „Daran haben Sie einfach mehr und länger Spaß.“ Persönlich haben wir nach langer Recherche zuerst Modelle favorisiert, die etwas mehr Extras und etwas weniger Qualität bringen, uns dann aber doch für einen Standard-Markengrill entschieden, der für gute Materialien und Verarbeitung bekannt ist. Die Version mit vier Brennern gibt es derzeit inklusive Drehspieß für 900 Euro, bei drei Brennern wären (ohne Spieß) 600 Euro fällig. Ältere Modelle werden sogar etwas günstiger. Das zeigt: Für viele Familien reichen Gasgrills zwischen 500 und 800 Euro absolut aus, hier gibt es inzwischen sehr solide Produkte mit guter Verarbeitung und vernünftiger Haltbarkeit.Nach oben ist die Preis-Skala auch bei Gasgrills weit offen. Manch ein Gerät kostet einen fünfstelligen Betrag, doch die, sagt Dirk Zander, würden eher selten gekauft. Und am Ende geht es gar nicht darum, den größten oder teuersten Grill zu besitzen. Sondern darum, dass man an einem Sommerabend gern drum herumsteht. Und am besten noch lange sitzen bleibt, wenn längst alles aufgegessen ist.
Marke oder Billigmodell: Worauf es beim Kauf eines Gasgrills ankommt
Neun von zehn Verbrauchern entscheiden sich beim Kauf eines Grills in Deutschland für Gas. Worauf es dabei ankommt, erklärt ein Grillexperte.







