Von allen Bauten, Häusern und sonstigen Immobilien ist hierzulande vielleicht keines so identitätsstiftend wie die gute alte Burg. Das zeigt sich schon an den vielen Orten und Städten, die ohne ihre Burg nicht denkbar wären, allein deshalb, weil sie sonst ein Namensproblem hätten: Wasserburg und Burglengenfeld zum Beispiel, oder Neuburg und Burghausen, das von Burgenfans besonders verehrt wird. Dort steht die längste Burg der Welt, Gesamtlänge: 1051 Meter. Wie viele Burgen es im Freistaat gibt, weiß keiner so genau, Schätzungen gehen von einigen Hundert aus. Bayern ist Burgenland, wie Ministerpräsident Markus Söder vermutlich sagen würde.Söder darf grundsätzlich als Sympathisant der ritterlichen Sache gelten. 2016 hat ihm der Aachener Karnevalsverein den „Orden wider den Tierischen Ernst“ verliehen und ihn damit offiziell zum „Ordensritter“ geschlagen – auf Lebenszeit. Darüber hinaus erwarb er sich große Verdienste um den Burgenbestand seiner fränkischen Heimat. Als Finanzminister ließ Söder die Nürnberger Kaiserburg für viel Geld aufpolieren. Außerdem kämpfte er für ein Burgmuseum im nahen Cadolzburg.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Trotz dieser ehrenhaften Bemühungen muss man allerdings feststellen: Burgen üben auf die Bevölkerung offenbar nicht mehr den gleichen Reiz aus wie im Mittelalter, als ihre hohen Mauern Sicherheit versprachen vor dem heranrückenden Feind. Trotz des allseits beklagten Wohnraummangels erweisen sich Burgen für Immobilienmakler tendenziell als Ladenhüter. „Der Markt für Ruinen ist schwierig“, meldete gerade erst der Bayerische Rundfunk. Anlass ist die Nachricht, dass die Halser Burgruine bei Passau zum Verkauf steht.Das Objekt besticht mit einem herrlichen Blick über das Ilztal, einer Grundstücksfläche von 6375 Quadratmetern und einer Historie, die bis ins elfte Jahrhundert zurückreicht. Die Ruine ist ein Wahrzeichen der Stadt. Es gibt jedoch ein paar kleine Haken: Der neue Eigentümer darf weder Anbau- noch Umbaumaßnahmen vornehmen, wegen des Denkmalschutzes. Er darf dort auch kein Café für Touristen betreiben, laut BR sind nicht einmal Übernachtungen erlaubt. Und das erklärt dann womöglich auch, warum der Ruinenmarkt gerade so schwierig ist: Man darf zwar eine Burg besitzen, darf sich also Burgherr nennen. Nur entscheiden darf ein Burgherr im Jahr 2026 praktisch nichts mehr.
Die Tücken des Denkmalschutzes: Warum Burgherren der Ruin droht
Bayern schmückt eine große Anzahl an Burgen. Der Kauf einer solchen Immobilie sollte gut durchdacht sein.






