Revolut will ins Private Banking einsteigen. Bereits mit ihrem heutigen Angebot bedrängt die Smartphone-Bank herkömmliche GeldhäuserMehr als eine Million Menschen in der Schweiz nutzen die Neobank Revolut. Nun deuten Stelleninserate und bestätigte Private-Banking-Pläne darauf hin, dass die Briten einen Gang höherschalten.17.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenWeltweite Ambitionen: der Revolut-Hauptsitz in London.RevolutJeder achte Schweizer geht fremd. Finanziell gesprochen. Er oder sie unterhält eine Beziehung zu einer ausländischen Smartphone-Bank wie Alpian aus Italien, N26 aus Deutschland oder Wise aus Grossbritannien.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Über fast schon unwiderstehliche Verführungskünste verfügt offenbar die britische Neobank Revolut. Sie hat gemäss eigenen Angaben eine Million Kunden in der Schweiz. Als solche gelten alle, die die Revolut-App herunterladen, sich registrieren und eine Identitätsprüfung über sich ergehen lassen.Bankriese ohne Schweizer BanklizenzDas sagt zwar noch nichts über die effektive Nutzung des Angebots aus, ist aber trotzdem bemerkenswert: Denn Revolut verfügt nicht einmal über eine hiesige Banklizenz. Kunden erhalten zwar eine Schweizer Bankadresse – also eine IBAN, die mit «CH» beginnt. Diese ist aber rein virtuell und wird vom Partner Postfinance ausgestellt. Die Kunden der Neobank kommen nicht in den Genuss des Einlagenschutzes von 100 000 Franken.Würde Revolut eine Schweizer Banklizenz beantragen, hätte sie wohl noch viel mehr Anziehungskraft für hiesige Kunden. Und es gibt Indizien dafür, dass die Briten genau das anstreben: Sie suchen in der Schweiz, die sie als «Schlüsselmarkt» bezeichnen, unter anderem einen Treasury-Manager, einen Leiter der Rechtsabteilung sowie mehrere Fachleute für Strategie und Prozesse, Steuern oder Compliance.Das sollte den hiesigen Banken zu denken geben. Denn Revolut ist nicht nur eines der am schnellsten wachsenden Finanzinstitute der Welt, es konnte allein letztes Jahr 15 Millionen Neukunden gewinnen.Revolut schreibt trotz der rasanten Expansion satte Gewinne: Umgerechnet knapp 1,8 Milliarden Franken waren es letztes Jahr. Noch beeindruckender ist die Eigenkapitalrendite. Diese für Bankmanager so zentrale Kennzahl liegt bei den Briten bei 35 Prozent und ist somit drei- bis viermal so hoch wie bei herkömmlichen Banken.Vor allem bestätigt sich genau das Szenario, vor dem Branchenexperten gewarnt hatten, als vor etwas über zehn Jahren die ersten Neobanken auf der Bildfläche erschienen: dass deren Angebot im Bereich Zahlungsverkehr und günstiger Devisenkurse bloss ein Einfallstor für weitere Dienstleistungen darstelle.Revolut hat heute eine Vielzahl von Angeboten: Die Nutzer können namentlich Aktien, Bonds, börsenkotierte Anlagefonds oder Kryptowährungen handeln. Dazu kommen Dienstleistungen, die sich speziell an Firmenkunden richten.Einstieg ins Private BankingUnd diese Woche haben «Sky News», Bloomberg und andere Medien berichtet, Revolut plane, in einigen europäischen Ländern Private-Banking-Dienste zu lancieren für Kunden, die 500 000 Franken oder mehr anlegen wollten. Die Neobank bestätigt dies, ohne Details zu nennen. Der Schweizer Markt scheint für dieses Angebot prädestiniert.Schon heute bietet Revolut mehr als herkömmliche Banken, nämlich eine Art App für das ganze Leben. Für Kunden, die nicht bloss die Gratisversion nutzen, sondern bereit sind, Gebühren zu bezahlen, stellt Revolut ein Bündel von Diensten zur Verfügung: von Premiumfunktionen der Dating-App Tinder über die Sprach-Lern-App Duolingo bis hin zu Schlaf-Apps, Zyklus-Trackern und Versicherungen.Revolut hat dabei ein High-End-Angebot, das auch den Private-Banking-Kunden der Schweizer Banken gefallen dürfte. Wer sich das «Ultra»-Modell für 600 Franken pro Jahr leistet, bekommt platinbeschichtete Bankkarten, ein Abo der «Financial Times», kostenlosen Zugang zu Flughafen-Lounges weltweit, den KI-Dienst Perplexity Pro, eine eSIM-Karte mit Gratis-Roaming oder kostenlose Tagespässe für die Coworking-Spaces von We Work. Auch die Versicherung für Reiserücktritte aus beliebigem Grund – wenn man es sich einfach anders überlegt hat – ist ziemlich praktisch.Welche Dienstleistungen bekommen Kunden bei einer Schweizer Bank, wo man ebenfalls rasch einmal 600 Franken Gebühren pro Jahr bezahlt?Erste BancomatenIn Spanien hat Revolut letztes Jahr sogar eigene Bancomaten installiert und erwägt nun, das auch in Deutschland, Italien und Portugal zu tun. Diese Maschinen mit 32-Zoll-Touchscreens dienen nicht nur zum Bezug von Bargeld, sondern sind auch ein Ersatz für traditionelle Bankfilialen. Man kann zum Beispiel direkt am Automaten eine physische Debitkarte beziehen.Die Neobank wollte oder konnte diese Woche nicht sagen, ob diese Geldautomaten auch in der Schweiz geplant sind – und wie ihre Expansionspläne hier aussehen. Die globalen Ambitionen aber sind klar: hundert Millionen Kunden in hundert Ländern, lautet das nächste Etappenziel. Schon zählt Revolut über siebzig Millionen Nutzer.«Revolut hat das Potenzial, zu einer der weltweit grössten Banken zu werden», schreibt der Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz in einem fast schon enthusiastischen Research-Bericht. Revolut schaffe es nicht nur, einen hohen Anteil von jungen Menschen, die zuvor noch keine Bankbeziehung hatten, für sich zu gewinnen. Sondern überzeuge auch ältere Zielgruppen davon, «dass Bankgeschäfte tatsächlich eine angenehme Nutzererfahrung sein können».Erstbank für viele junge KundenLaut den Analysten von Andreessen Horowitz ist Revolut bereits für einen Viertel ihrer jungen Kunden unter 35 Jahren die primäre Bankverbindung.Und es könnte noch dicker kommen für die Banken. Für den Fall nämlich, dass auch die amerikanische Neobank Robinhood in die Schweiz expandiert. Sie ist in anderen europäischen Ländern schon präsent.Will Revolut eine Super-App für das ganze Leben sein, überzeugt Robinhood Kunden mit seinen ultratiefen Gebühren und einer sehr modernen Plattform. Robinhood-Nutzer in Grossbritannien können zum Beispiel kostenlos amerikanische Aktien handeln.In der EU bietet die Firma dagegen sogenannte Stock Tokens an. Das sind Derivate, die den Preis der zugrunde liegenden amerikanischen Aktie eins zu eins abbilden. Kostenpunkt 0,1 Prozent in Form einer Fremdwährungsgebühr.Heimische Neobanken unter DruckIn der Schweiz mussten bereits einige heimische Neobanken das Handtuch werfen. Die italienische Alpian hat die Kunden der gescheiterten Neobank Radicant übernommen. Kaspar& und Yapeal haben ihre Aktivitäten im Privatkundenbereich im vergangenen Jahr eingestellt oder zurückgefahren.Auch traditionelle Banken verlieren nicht bloss Umsatz an die Smartphone-Banken, sondern manchmal die gesamte Kundenbeziehung. «Derzeit nutzen erst etwas mehr als 1 Prozent der Schweizer Bevölkerung eine Neobank als primäre Bankverbindung», schreibt die Hochschule Luzern, die über laufend aktualisierte Datenreihen verfügt.Setze sich die derzeitige Entwicklung fort, erscheine auch in der Schweiz ein Anteil von rund 5 Prozent Hauptbankbeziehungen innerhalb der nächsten fünf Jahre plausibel.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel