Ich werde dann mal Fussballprofi – wenn sich Promis überschätzenCristo Fernandez, Star der TV-Serie «Ted Lasso», spielt nun in der zweiten US-Liga. Wenn das nur gut kommt.17.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenAls hätte er selbst gewonnen: Schauspieler Cristo Fernandez bringt am Nations-League-Final der Concacaf Nations den Siegerpokal aufs Feld.Alex Gallardo / ImagoDarauf haben wir alle gewartet: Cristo Fernandez, der in der TV-Serie «Ted Lasso» einen Fussballer mimt, wird nun tatsächlich Profi. In der zweithöchsten US-Liga wird er für El Paso Locomotive stürmen. Der Klub lässt verlauten, Fernandez sei eine «grossartige Verstärkung». Er habe schon zwei Monate auf Probe mittrainiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es ist zu vermuten, dass der Promi vor allem eine Verstärkung für die PR-Abteilung des Klubs sein wird. Denn anders als beim Dreh fürs Fernsehen können Torszenen nicht inszeniert und bei Bedarf wiederholt, Aktionen nicht aus spektakulärer Perspektive überhöht werden. Auf dem Rasen gilt das Gesetz des Stärkeren, und da dürften gestandene Profis ihre Vorteile haben.Wie es herauskommt, wenn Promis in den Sport oder nur schon in eine andere Sportart wechseln, lehrt uns die Geschichte. Als der Basketballer Michael «Air» Jordan 1993 kurzzeitig im Baseball antrat, wurde er zum blassen Mitläufer. Der Hollywood-Star Mickey Rourke machte sich als Profiboxer zur tragischen Figur. Und der Sprinter Usain Bolt musste erkennen, dass es zum Fussballspielen mehr als nur schnelle Beine braucht.Interessanterweise führt der umgekehrte Weg öfter zum Erfolg. Der Schwimm-Olympiasieger Johnny Weissmüller ist bis heute der bekannteste Tarzan-Darsteller. Er war allerdings ein limitierter Schauspieler, seine legendäre Textzeile lautet: «Jane . . . Tarzan . . . Jane . . . Tarzan.» Carlo Pedersoli war ebenfalls Schwimmer, Bekanntheit erreichte er unter dem Namen Bud Spencer als Haudrauf in zahlreichen Westernkomödien.Es gibt aber auch Beispiele von Athleten, die in ernsthaften Rollen brillierten. Eric Cantona galt im Fussball als begnadetes Enfant terrible, erarbeitete sich danach im französischen Kino einen guten Ruf und trat auch regelmässig im Theater auf. Sein Kommentar dazu: «Im Fussball hat man einen Gegner. Als Schauspieler ist man sein eigener Gegner.»Der Brite Vinnie Jones ist eine Art Gegenfigur zu Bud Spencer: Im Fussball trat er so unzimperlich auf, dass man ihm den Spitznamen «die Axt» anhängte, als Schauspieler ist er hochbegabt. Schon während der Sportkarriere spielte er in einem Film von Guy Ritchie. Kurz darauf hörte er mit dem Sport auf und widmete sich ganz der Schauspielerei. Sein Talent in diesem Metier brachte ihm zahlreiche Auszeichnungen ein.Warum scheint der späte Weg in die Schauspielerei einfacher zu sein als jener in den Sport? Vielleicht hilft vor der Kamera das reine Talent schon sehr viel. Komplexe technische Fähigkeiten, wie sie der Sport verlangt, müssen hingegen nach der Theorie von Anders Ericsson 10 000 Stunden lang geübt werden, bis man sie perfekt beherrscht. Der Psychologe zeigte das am Beispiel von Musikern. Es spricht also für eine gewisse Arroganz, wenn Promis denken: Ich werde mal schnell Sportprofi. Und wir können wohl froh sein, dass etwa Usain Bolt nicht sagte: «Ich greife mir eine Violine und spiele in der Mailänder Scala.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel