In Wales hat die britische Labour Party ihre Wurzeln. Nun löst die Nationalpartei Plaid Cymru sie ab und bietet eine alternative linke Erzählung an.

Wales beginnt dort, wo England aufhört. Das grüne Mittelengland wird nach Westen hin immer üppiger, stille Flüsse mäandern durch tiefgrüne Wiesen, jahrtausendealte Wälder und beschauliche Kleinstädte. Dann ragen düstere Hügel auf, und auf einmal verdrängen kahle Berge das Grün, die Landschaft wird karg und leer. Man kann zwischen endlosen Steinmauern bis zum Meer fahren und nur noch Schafherden und Stauseen zu Gesicht bekommen.

Am 7. Mai hat die walisische Nationalpartei Plaid Cymru (Partei für Wales) die Regionalwahlen in Wales gewonnen. Das ist ein historischer Bruch. Anders als Schottland war Wales nie ein eigener moderner Staat, der wiederzuentdecken wäre. Wales ist, so das geflügelte Wort, kein „State“, sondern ein „State of Mind“.

Von England aus gesehen war Wales, dieses verregnete Land mit schiefergrauen Mauern und einem roten Drachen als Wappentier, immer der Inbegriff des Anderen. Als englisches Kind lernte man drüben, auf der walisischen Seite, im Schatten militärischer Sperrgebiete Bergwandern ohne Wege und Survival ohne Landkarten. Waliser galten als härter und ausdrucksstärker, sie waren die besseren Rugbyspieler und konnten besser singen.