Mit dem Leo-Baeck-Preis werden Personen geehrt, die sich für Jüd*innen einsetzen. In diesem Jahr bekommt ihn ausgerechnet Dieter Nuhr. Geht's noch?
D ieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden. Die höchste Auszeichnung des größten Dachverbands der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Bitte, was?
Bevor wir uns dem Comedian widmen, der meist in Lederjacke und mit leiser Stimme auf der Bühne performt, kurz zum Namensgeber des Preises: Leo Baeck war Rabbiner und Überlebender der Shoah. Der Zentralrat selbst schreibt über ihn: „Durch sein soziales und politisches Engagement für die jüdische Glaubensgemeinschaft wurde Leo Baeck zum Vorbild seiner Zeit. Er bemühte sich um Versöhnung und den Dialog zwischen Juden und Christen.“ Warum dem Zentralrat der Juden nun ausgerechnet Dieter Nuhr eingefallen ist als derjenige, der diese Arbeit fortschreiben soll, ist völlig schleierhaft.
Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, sagt zur Preisvergabe: „Dieter Nuhr setzt sich bereits seit geraumer Zeit in seinen Beiträgen mit herausragender Klarheit gegen Antisemitismus ein (…) und positioniert sich klar an der Seite jüdischen Lebens.“
Nur fragt man sich: Welche Beiträge genau sind damit gemeint? Und wurden dabei alle anderen problematischen Takes vergessen? Der öffentlich-rechtliche Kabarettist bedient seit Jahren zuverlässig kulturkämpferische Narrative und inszeniert sich als Opfer einer angeblichen Meinungsdiktatur.






