Sein Optimismus basiert auf Kalkül. Dieter Hecking ist auch deshalb zum dritten Cheftrainer des VfL Wolfsburg in der völlig misslungenen Saison 2025/26 erklärt worden, weil das Verbreiten von Ruhe und Zuversicht zu seinen Stärken zählt. „Wir haben uns immer mehr zu einer Mannschaft entwickelt. Das spürt man auch“, sagt der erfahrene Coach.Fakt ist: Auf dem Weg mitten in den Kampf um den Klassenverbleib hat es beim VfL Wolfsburg lange am nötigen Teamgeist gefehlt. Beim Griff nach dem rettenden Strohhalm namens Relegation stehen Trainer und Verein vor der heiklen Frage: Kämpfen wirklich alle VfL-Profis verbissen um eine Erstliga-Zukunft in Wolfsburg, in der sie aller Voraussicht nach keine Rolle mehr spielen werden?Neid, Missgunst, Häme: Das millionenschwere Wolfsburger Fußball-Projekt hat unangenehme Begleiter. Teure Profis aus aller Welt stürzen in die Zweitklassigkeit ab und verschwinden dann einfach: Dieses Stammtischszenario klingt logisch, ist aber nüchtern betrachtet falsch. Die Führung des VfL legt Wert auf die Feststellung, dass alle derzeit beschäftigten Profis auch nach einem Abstieg in die zweite Liga an den Verein gebunden wären.Star mit KonfliktpotentialEinzig der Däne Jonas Wind, dessen Arbeitsvertrag am Ende der aktuellen Saison ausläuft, hat laut gesagt, dass er nicht bei den Niedersachsen bleibt. „Der VfL Wolfsburg steht zu bestehenden Verträgen“, sagt Sebastian Rudolph, der den Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH anführt. Was Kontinuität bescheren soll, wäre für so manchen wechselwilligen Profi kein Benefit.Zu den Kronzeugen des Dilemmas in Wolfsburg zählt zweifellos Mohamed Amoura. Der algerische Nationalspieler ist so schnell und technisch begabt, dass der VfL eigentlich nicht auf ihn verzichten kann. Zuletzt kam der Stürmer aber aus disziplinarischen Gründen nicht zum Einsatz. Hat Amoura den Ernst der Lage verstanden? Ist einem Könner wie ihm, der außerhalb von Wolfsburg problemlos eine Weiterbeschäftigung finden dürfte, der Ernst der Lage bewusst und wichtig?Bei der Nominierung seiner Startelf für den letzten Spieltag der Saison an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga, bei Sky und DAZN) ist Hecking um solches Konfliktpotential nicht zu beneiden. Er bleibt konstruktiv und freut sich auf den außergewöhnlichen Abstiegs-Showdown. „Deshalb“, sagt der VfL-Trainer, „ist dieser Scheiß-Fußball so toll.“
Bundesliga: Fehlt dem VfL Wolfsburg im Abstiegskampf der letzte Biss?
Trainer Dieter Hecking schwört Wolfsburg vor dem Abstiegs-Showdown auf Zusammenhalt ein. Doch Stars wie Mohamed Amoura liefern Stoff für Zweifel am Kampfgeist.














