Einer der Letzten seiner Art: SBG-Präsident Robert Studer stand für die Spezies Banker der alten Schule An der Spitze der Schweizerischen Bankgesellschaft war der Luzerner ein Gegenspieler von Martin Ebner und Christoph Blocher. Nun ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.Pierre Weill16.05.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenRobert Studer (1938 bis 2026) war ab 1988 Konzernleiter der SBG und von 1996 bis zur Fusion mit dem Bankverein zur UBS 1998 Verwaltungsratspräsident.Team Ruetschi / Limina / KeystoneRobert Studer war nicht nur der letzte Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), er verkörperte auch einen Bankertyp, den es heute kaum mehr gibt. So verbrachte er seine gesamte berufliche Laufbahn bei einer einzigen Bank. Als Oberst im Generalstab der Schweizer Armee repräsentierte er die einst engen Bande zwischen der hiesigen Wirtschaftselite und dem Militär.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Luzerner, der am 6. Mai im Alter von 87 Jahren verstorben ist, war während über vierzig Jahren für die damals grösste Bank des Landes tätig. Lange Zeit verlief die Karriere des einstigen kaufmännischen Lehrlings wie nach Bilderbuch – mit Stationen in London, New York, Zürich und Libanon.Statt der Volksbank ein Zukauf in LondonNachdem Rainer Gut von der CS Holding 1983 der SBG die Schweizerische Volksbank vor der Nase weggeschnappt hatte, kaufte Studer in London zu. Als Leiter des Finanzbereichs der SBG akquirierte er den Finanzbroker Phillips & Drew.Studers Strategie, aus der sehr auf die Schweiz konzentrierten Bank ein internationales Finanzhaus zu machen, war nicht falsch. Allerdings erwies sich dieser Kauf als Fehlinvestition, die Milliarden kostete. Danach setzte Studer vermehrt auf inneres Wachstum im Ausland, was die Expansion verlangsamte. Im Inland kaufte die SBG kleinere Regionalbanken, was die Position der Bank aber nicht signifikant verbesserte. Wie Dirk Schütz 1998 in seinem Buch «Der Fall der UBS» schildert, war Studer durch die verschiedenen Fehlschläge sehr risikoavers geworden: «Das sollte sich als grösstes Risiko herausstellen.»Martin Ebner macht DruckMit seiner Ernennung zum Konzernchef 1988 kam Studer zunehmend unter Druck. In den 1990er Jahren gerieten die SBG und insbesondere Studer ins Visier des Financiers Martin Ebner. Dieser hielt rund zehn Prozent des Aktienkapitals der SBG.Er forderte die Verkleinerung des Verwaltungsrates, die Konzentration auf profitable Bereiche und eine Erhöhung der Eigenkapitalrendite von damals rund fünf auf mindestens fünfzehn Prozent.Doch Studer lehnte die Forderungen Ebners ab und verwies auf die gesamtwirtschaftliche Verantwortung der Bank. Diese solle nicht nur die Interessen der Aktionäre im Auge behalten, sondern jene aller Anteilseigner – also etwa auch jene der Mitarbeitenden oder der Kunden.Ebner wollte 1996 Studers Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten als Nachfolger von Nikolaus Senn verhindern. Dies gelang nicht, und Studer konnte schliesslich, wenn auch knapp, Ebners Angriffe an den Generalversammlungen abwehren, doch der Machtkampf band Ressourcen und kostete Substanz.Neben den Ebner-Attacken geriet die SBG und mit ihr auch die Credit Suisse und der Bankverein wegen der Affäre um die nachrichtenlosen Vermögen in die Kritik. Holocaust-Überlebende forderten von den Banken Gelder von ermordeten Verwandten, die ihrer Ansicht nach vor dem Zweiten Weltkrieg dort gelegen hätten. Die Krise begann 1994 und spitzte sich zu, nachdem sich amerikanische Politiker der Sache angenommen hatten.Unglückliche WortwahlIm Laufe der Auseinandersetzung agierten die Schweizer Vertreter oft nicht sehr vorteilhaft. Das galt auch für Studer. So antwortete er auf eine Frage eines Journalisten, wie viele nachrichtenlose Vermögen jüdischer Holocaust-Opfer die SBG verwalte: «Es handelt sich wirklich um Peanuts.» Was SBG-Kunden und -Aktionäre hätte beruhigen sollen, löste in den USA eine Welle der Entrüstung aus.In der Debatte um die Holocaust-Gelder fand Robert Studer (r.) nicht immer den richtigen Ton («Arena»-Sendung 1997 mit Rolf Bloch (l.), Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, und Moderator Filippo Leutenegger, Mitte).SRF via KeystoneAls der Nachtwächter Christoph Meili bei der SBG Dokumente vor dem Schreddern sicherte, verstieg sich Studer in der Sendung «Arena» des Schweizer Fernsehens zur Behauptung, der Wachmann Meili habe wohl «nicht nur ehrbare Motive für seine Tat» gehabt. Man werde diese zu einem späteren Zeitpunkt publik machen, was jedoch nie geschah. Studers Angriffe verstärkten die Sympathien für den Aussenseiter Meili.Auch beim Thema EWR machte Studer eine unglückliche Figur. Bei einem öffentlichen Auftritt von Christoph Blocher sass Studer im Publikum und ergriff das Wort. Dabei wurde er vor laufenden TV-Kameras ausgebuht, als er, anstatt eine Frage zu stellen, zu einem Gegenreferat ansetzte. Blocher wurde aus dem SBG-Verwaltungsrat herausgeworfen, da er gegen den EWR-Beitritt kämpfte und mit Ebner befreundet war.Fusion mit mehreren AnläufenVor dem Hintergrund der Ebner-Bedrohung kam das Thema einer Fusion aufs Tapet. 1996 rief der Credit-Suisse-Lenker Rainer E. Gut den SBG-Präsidenten Senn an und schlug eine Fusion vor. Doch die jahrzehntelange Rivalität zwischen Senn und Gut einerseits und Senn und Studer andererseits verunmöglichte ein derartiges Zusammengehen.Nachdem der Vorschlag über den «Tages-Anzeiger» an die Öffentlichkeit gelangt war, erklärte Senn gegenüber den Medien, dass, falls die SBG eines Tages mit einer Grossbank fusionieren sollte, dies eher mit dem Bankverein sein würde.Tatsächlich hatten diese zwei Banken bereits 1995 erste Verhandlungen über ein Zusammengehen diskutiert. Diese Gespräche scheiterten jedoch am Machtanspruch der SBG auf die Besetzung der Spitzenposten der fusionierten Bank, den Studer dem Bankverein-Präsidenten Georges Blum telefonisch mitgeteilt hatte. «Für mich war das ein Warnschuss», schreibt Blum in seinem Buch über die UBS-Fusion. Studer habe die Idee noch nicht aufgegeben, dass die SBG die neue Bank dominieren würde.Doch Rainer E. Guts Angebot an Senn lancierte die Verhandlungen zwischen der SBG und dem Bankverein neu. Im Gegensatz zum ersten Versuch war jetzt mit dem Bankverein-CEO Marcel Ospel und dem SBG-CEO Mathis Cabiallavetta eine neue Generation am Drücker. Sie einigten sich darauf, dass Ospel CEO und Cabiallavetta VR-Präsident der neuen UBS würde.Bei der Fusion von SBG und Bankverein zur UBS trat Robert Studer (r.) als Präsident der Bankgesellschaft ab. Deren CEO Mathis Cabiallavetta (l.) wurde Präsident der fusionierten Bank. (Bild von der Ankündigung der Fusion 1997).Martin Ruetschi / KeystoneZeit der UmwälzungenMit der Fusion, der die Aktionäre am 3. Februar 1998 zustimmten, endete Robert Studers Amtszeit als SBG-Präsident. Nach seinem Rücktritt zog er sich ins Privatleben zurück. Ehemalige UBS-Mitarbeiter erinnern sich, dass man nach seinem Abgang, anders als bei seinen Vorgängern Nikolaus Senn und Robert Holzach, nicht mehr viel über ihn sprach.Studer galt als aufrichtiger Banker, der sich kaum von seinem eingeschlagenen Weg abbringen liess. Seine Zeit an der SBG-Spitze war geprägt von geopolitischen und wirtschaftlichen Umwälzungen. Mit dem Fall der Mauer begann die Zeit der Globalisierung und der liberalisierten Kapitalmärkte.Als einer der letzten Vertreter einer abtretenden Generation reagierte Studer, auch wenn er nach bestem Wissen und Gewissen handelte, nicht immer erfolgreich. Ihm ist zugutezuhalten, dass er, als er den nötigen Wandel erkannte, diesen auch ermöglichte – und, wenn auch nicht ganz freiwillig, der nächsten Generation das Ruder übergab.Passend zum Artikel