Elon Musk gegen Open AI: Der Gerichtsprozess wird Schauplatz der Abrechnung zwischen den Tech-Moguln. Ein BesuchDie drei Wochen des wichtigsten Tech-Verfahrens seit langem lieferten pikante Details zum Vermögen der Open-AI-Gründer und heftige Anschuldigungen. Kurz vor dem Urteil ist klar: Am meisten hat Sam Altman zu verlieren.16.05.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenFür Sam Altman steht die Position als CEO und Vorstandsvorsitzender von Open AI auf dem Spiel.Manuel Orbegozo / ReutersSchon um sechs Uhr morgens hat sich eine Schlange vor dem Gebäude des Bundesbezirksgerichts von Oakland gebildet: Journalisten, interessierte Juristen, auch ein paar Anwohner wollen einen der Zuhörerplätze im Saal im dritten Stock ergattern. Die Stimmung ist freundlich – nach drei Wochen des täglichen frühmorgendlichen Wartens kennen sich viele –, doch die Reihenfolge der Schlange wird penibel eingehalten. Nur die ersten dreissig bekommen einen kleinen blauen Sticker, der ihnen Zutritt zum Gerichtssaal selbst verschafft. Der Rest muss in einen Nebenraum ausweichen, in den der Prozess per Videostream übertragen wird.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Silicon Valley erlebt das bemerkenswerteste Gerichtsverfahren seit langem: Hier, im dritten Stock des Bundesgerichts in Oakland, liefern sich der reichste Mann und das wertvollste Startup der Welt einen Kampf, dessen Ausgang die Weichen für die Zukunft der künstlichen Intelligenz (KI) stellen könnte. Der Zeugenstand des Gerichtssaals wirkte bisweilen wie ein Laufsteg für Amerikas Tech-Elite: Elon Musk und die gesamte Führungsspitze von Open AI sagten ebenso aus wie der CEO des Microsoft-Konzerns Satya Nadella, der Verwaltungsratsvorsitzende von Open AI Bret Taylor und viele der führenden KI-Forscher unserer Zeit.Wurde Elon Musk bestohlen, oder will er sich nur rächen?Musks Vorwürfe sind heftig: Er beschuldigt Sam Altman und Greg Brockman – der eine CEO, der andere Präsident von Open AI –, die einst gemeinsam gegründete und von Musk finanzierte Nonprofitorganisation Open AI «gestohlen» zu haben. Die gemeinnützige Organisation, die KI zum Wohle der Menschheit entwickelt habe, hätten sie in ein profitgetriebenes Startup verwandelt, an dem sich beide persönlich bereicherten – auf Kosten Musks. Dem Microsoft-Konzern wirft Musk Beihilfe bei diesem Betrug vor.Open AI weist das zurück: Musk, der inzwischen mit xAI eine eigene KI-Firma betreibt, wolle mit dem Prozess den Konkurrenten Open AI ausbremsen. Musk wolle sich rächen, weil Open AI ohne ihn enorm erfolgreich geworden sei. Die profitgetriebene Struktur sei zwingend nötig gewesen, um die Rechenleistung finanzieren zu können, die Open AI für seine Durchbrüche in der KI benötigt habe.Neun Geschworene werden nun, nach drei Wochen der Anhörungen, darüber befinden, ob Musks Vorwürfe erstens gerechtfertigt und zweitens noch nicht verjährt sind. Ihr Fazit wird für Anfang kommender Woche erwartet und fliesst beratend in das Urteil der Richterin Yvonne Gonzalez Rogers ein. Die hat das letzte Wort. Sollte sie Musk recht geben, würde in einer zweiten Phase des Prozesses die Wiedergutmachung verhandelt.Für Yvonne Gonzalez Rogers ist es nicht der erste Tech-Prozess. Skizze der Gerichtszeichnerin.Vicki Behringer / REUTERSMusk fordert nicht weniger als die Umkehrung alles Geschehenen: Das mit 852 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen soll wieder vollständig in eine Nonprofitorganisation zurückgeführt werden. Erst letzten Herbst wurde Open AI in ein profitorientiertes Unternehmen umgewandelt, an dem die Nonprofit Anteile hat. Vorher gab es nur die Nonprofit und eine profitorientierten Tochterfirma. Musk will die Umwandlung revidieren und fordert Schadenersatz für die Nonprofit-Organisation. Ausserdem sollen Altman und Brockman abgesetzt werden. Und das alles kurz vor dem geplanten Börsengang.Die Folgen eines Siegs von Musk sind kaum zu überschätzenWas sich hier in Oakland zuträgt, könnte Auswirkungen auf die gesamte KI-Branche, ja auf die gesamte Wirtschaft haben. Chat-GPT ist schliesslich der unter Konsumenten führende KI-Chatbot. Unzählige Firmen rund um die Welt haben Produkte von Open AI in ihre Systeme eingebaut. Ein Sieg von Musk könnte Open AI zum Kollaps bringen.Die vorsitzende Bundesrichterin Gonzalez Rogers hat Erfahrung mit hochkarätigen Prozessen: Sie sass etwa dem Monopolverfahren gegen Apples App-Store vor und urteilte, dass Apple sein Provisionsmodell grundsätzlich ändern müsse. Auch im jetzigen Prozess machte die Frau mit der dunklen Löwenmähne klar, dass Tech-Milliardäre in ihrem Gerichtssaal keine Sonderbehandlung erfahren. Als Musk zu Prozessbeginn auf Twitter über Altman und Brockman herzog, bat Gonzalez Rogers kurzerhand alle um Social-Media-Abstinenz.Scam Altman and Greg Stockman stole a charity. Full stop. Greg got tens of billions of stock for himself and Scam got dozens of OpenAI side deals with a piece of the action for himself, Y Combinator style. After this lawsuit, Scam will also be awarded tens of billions in stock… https://t.co/R27ZeG9nNR— Elon Musk (@elonmusk) April 27, 2026
Gerichtsprozess von Elon Musk gegen Open AI: die Abrechnung der Tech-Bros
Die ersten drei Wochen des wichtigsten Tech-Verfahrens seit langem lieferten pikante Details zum Vermögen der Open-AI-Gründer, heftige Anschuldigungen und Tränen. Kurz vor dem Urteil ist klar: Am meisten hat Sam Altman zu verlieren.














