Ein Jahr nach ihrem öffentlichen Zerwürfnis geben sich der amerikanische Präsident und der reichste Mann der Welt wieder vereint in der Öffentlichkeit. Die Reise nach China zeigt, wie die beiden voneinander profitieren können.16.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenElon Musk nahm am Donnerstag an einem Staatsbankett des chinesischen Präsidenten Xi Jinping teil.Auf den ersten Blick hatte die Szene nichts Aussergewöhnliches: Zu seinem Staatsbesuch in China brachte der amerikanische Präsident Donald Trump diese Woche Vertreter einer Reihe amerikanischer Konzerne mit. Nur wenige Schritte hinter Trump stieg am Mittwoch der Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk aus der Air Force One in Peking.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vor einem Jahr noch wäre Musks Präsenz bei einem solchen Staatsbesuch undenkbar gewesen. Der reichste Mann der Welt und der amerikanische Präsident lieferten sich auf der Bühne ihrer jeweiligen Social-Media-Plattformen ein öffentliches Zerwürfnis, das nicht nur theaterreif war, sondern unwiderruflich schien.Musk insinuierte öffentlich, dass Trump eine tiefere Verbindung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gepflegt habe als bisher bekannt. Trump drohte daraufhin, Musk Geschäfte mit der Gewalt des amerikanischen Staatsapparats zu zerstören, was Musk wiederum dazu brachte, die Gründung einer neuen Partei anzukündigen. Die Beziehung der beiden Männer schien am Boden zu liegen wie eine zerrüttete Ehe, zerstört von harten Worten, die niemand mehr zurücknehmen kann.Finanzminister Bessent verpasste Musk wohl ein blaues AugeNicht nur mit Trump, auch mit dessen engsten Beratern hatte Musk sich überworfen – besonders heftig mit dem Finanzminister Scott Bessent. Öffentlich beschimpften sich die beiden Männer mit «Fuck You»-Zurufen. Nach einer dieser verbalen Pöbeleien rempelte Musk, so berichtete es die «Washington Post», Bessent gar mit der Schulter an, worauf ihm der Finanzminister ins Gesicht schlug. Mitarbeiter zerrten die beiden wie Schuljungen auseinander. Sein blaues Auge erklärte Musk später damit, dass er sich mit seinem fünfjährigen Sohn etwas zu hart gerauft habe.Doch das Zerwürfnis dauerte nicht lange. Offenbar erkannte Trump, dass es ihm nur nutzen könnte, den reichsten Mann der Welt auf seiner Seite zu haben, zumal dieser seinen Präsidentschaftswahlkampf mit rund 300 Millionen Dollar unterstützt hatte. Auch Musk realisierte offenbar, dass ein gutes Verhältnis zum amerikanischen Präsidenten sich für sein Firmenimperium auszahlen könnte.Bei der Beerdigung des ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk im September war es Musk, der sich kurzerhand auf einen leeren Stuhl neben Trump setzte. Kirk hatte vor seiner Ermordung in einem Interview gesagt, er sei überzeugt, dass sich die beiden versöhnen würden, «sie sind zusammen viel stärker.» Musk postete kurz danach ein Foto von ihm und Trump mit den Worten «Für Charlie.»Seitdem dinierten die beiden immer wieder miteinander, sei es in Mar-a-Lago oder beim Staatsbankett für den saudischen Kronprinzen. Musk habe nur «einen schlechten Moment» gehabt, erklärte Trump gegenüber Journalisten die Beschimpfungen des Milliardärs.Trump sieht sich als Brückenbauer zwischen Washington und PekingAls Musk am Donnerstag ausgerechnet hinter Finanzminister Bessent für den chinesischen Staatspräsidenten posierte, hatte die Szene eine gewisse Ironie.Beim Empfang von Xi Jinping stand Elon Musk just hinter Finanzminister Bessent, mit dem er sich vor einem Jahr prügelte.MAXIM SHEMETOV / POOL / EPADoch China ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Musk und Trump voneinander profitieren können. Kaum ein amerikanischer CEO kennt das Reich der Mitte so lange und so gut wie Musk: Tesla war der erste Autobauer, dem Peking erlaubt hatte, in China ohne lokalen Partner zu produzieren. Heute baut Musk dort für seine diversen Firmen Solarpanels, Batterien, und die Hälfte aller weltweit verkauften Teslas – etwa eine Million Fahrzeuge pro Jahr. China ist Teslas grösster Markt ausserhalb der USA.Vergangenen Monat eröffnete Tesla zudem in Schanghai eine Fabrik für seine Megapack-Batterie, Investitionswert: 200 Millionen Dollar. Seit Jahren pflegt Musk auch gute Beziehungen zur chinesischen Regierung und traf bereits den Aussenminister. Viele Chinesen bewundern Musk als Erfinder und Geschäftsmann.Jeder zweite Tesla weltweit wird in China gefertigt.Visual China GroupDoch nun könnte Musk Washingtons Schützenhilfe gebrauchen: Teslas China-Geschäft stagniert. Der chinesische Autobauer BYD hat Tesla als weltweit führenden Hersteller von Elektroautos abgelöst. Auch ist Teslas Autopilot zum autonomen Fahren, der in den USA bereits als Fahrerassistenzsystem genehmigt ist, von Peking noch nicht zugelassen worden – die Autopiloten der chinesischen Konkurrenten aber schon.Musk seinerseits gibt sich gern als China-Freund: Als die Regierung Biden Importzölle auf chinesische Elektroautos erhob, von denen Tesla in den USA profitierte, kritisierte Musk den Schritt. Selbst Chinas Ansprüche auf Taiwan hat er positiv kommentiert: «Die ganze Situation hat etwas Unausweichliches», sagte er in einem Interview 2023. In Taiwan hörte man das nicht gerne: 2024 entschied sich Taipeh auf der Suche nach einem Satellitengestützten Internetzugang bewusst gegen Musks Firma Starlink, obwohl diese der globale Marktführer ist.Für die einen ist Musk ein Brückenbauer zwischen den zwei weltgrössten Volkswirtschaften, für die anderen ist er eine Gefahr für amerikanische Interessen: Vor kurzem warnten etwa Kongressmitglieder, die dem China-Ausschuss des Repräsentantenhauses vorstehen, davor, dass Peking Musk benutzen könnte, um von Präsident Trump Zugeständnisse zu erringen.Was konkret nun beim Staatsbesuch in China erreicht wurde, ist bisher nicht näher bekannt. «Viele gute Dinge» seien besprochen worden, sagte Musk nach dem Besuch am Freitag nur, bevor er gemeinsam mit Trump zurück in die Air Force One stieg.Zurück in der Heimat, dürfte Musk Kritik für seine Chinareise erwarten: Der Milliardär führt zurzeit einen Prozess gegen die von ihm mitgegründete KI-Firma Open AI und hätte eigentlich in Rufnähe des Gerichts bleiben müssen. Theoretisch hätte ihn die Richterin am Mittwoch und Donnerstag, als Musk in China war, zurück in den Zeugenstand beordern können. Gemäss amerikanischen Medienberichten hatte Musk die Auslandsreise nicht mit ihr abgesprochen. Sein Verhalten könnte sich womöglich auf das Urteil auswirken, das für nächste Woche erwartet wird. Doch falls Musk in China tatsächlich «gute Dinge» erreicht hat, dürfte es ihm das wert gewesen sein.Passend zum Artikel