Modern, innovativ und avantgardistisch: Stahl, Glas und Beton waren die Materialien des BauhausesAus Weimar vertrieben, wo es 1919 gegründet wurde, migrierte das Bauhaus 1926 nach Dessau. Eine grosse Ausstellung feiert das 100-Jahre-Jubiläum.Hubertus Adam, Dessau16.05.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenNeues Bauen in Dessau: das Bauhausgebäude von Walter Gropius auf einer Aufnahme von 1926.Heritage Images / Hulton / GettyAm 4. Dezember 1926 wurde das von der Stadt finanzierte Bauhausgebäude von Walter Gropius eröffnet – eine Inkunabel des Neuen Bauens. Das 100-Jahre-Jubiläum der Übersiedlung der Avantgardeschule nach Dessau ist nun Anlass für einen inspirierenden Ausstellungsreigen. Doch was ausstellen, wenn doch vor sieben Jahren, 2019, zum Gründungsjubiläum der Institution mit der Eröffnung neuer Museen in Weimar und Dessau alles gesagt und ausgestellt zu sein schien?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Stiftung Bauhaus Dessau macht es nicht schlecht, weil sie unter dem Titel «An die Substanz» eine neue und durchaus zeitadäquate Herangehensweise wählt. Die Hauptausstellung findet diesmal nicht im neuen Museum statt, sondern im Werkstattflügel des Bauhausgebäudes selbst. «Glas, Beton, Metall» heisst die dortige Schau. Auch alle anderen Ausstellungen werben mit dreigliedrigen Titeln, die sich, handelte es sich nicht um Baustoffe, auch auf den modisch auf Zutaten fokussierten Speisekarten angesagter Restaurants finden könnten.Glas – Beton – Metall: Das Ausstellungskonzept überzeugt, weil es auf drei Ebenen die drei zentralen industriell hergestellten Materialien des Gebäudes in den Fokus rückt und damit eine neue und durchaus auch überraschende Zugangsweise ermöglicht. Aus Beton besteht die primäre Tragstruktur des Bauhausgebäudes. Doch die Stahlbeton-Skelettstruktur war damals noch eine komplette Innovation – unterzugsfreie Pilzstützen, die Robert Maillart in der Schweiz schon 1908 hatte patentieren lassen, wurden in Deutschland erst 1925 zugelassen.Als legendär gilt die alle Geschosse übergreifende Vorhangfassade des Bauhausgebäudes. Die heutige Verglasung ist eine Rekonstruktion aus DDR-Zeiten; welche Glashütte die ursprünglichen Scheiben geliefert hatte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.Tatsache aber ist, dass das Thema Glas an der Schule eine wichtige Rolle spielte, und das nicht nur auf der Makroebene Architektur. Schon in der Weimarer Zeit hatte eine fruchtbare Kooperation mit dem Jenaer Glashersteller Schott begonnen. Der Einsatz von hitze- und chemikalienbeständigem Borosilikatglas im Laborbereich faszinierte das Bauhaus – und gemäss dem von Gropius 1923 lancierten Diktum «Kunst und Technik – eine neue Einheit» wurden die technischen Innovationen der Glasherstellung in den Haushaltsbereich übertragen.Gerhard Marcks entwickelte 1924/25 die Sintrax-Kaffeemaschine, welche die Privatküche optisch Richtung Chemielabor verschob und 1927 in Massenproduktion ging. Die Zusammenarbeit setzte sich fort, als Schott 1931 den ehemaligen Bauhaus-Studenten Wilhelm Wagenfeld als Gestalter für Hauswirtschaftsglas verpflichtete.Entwurf von Gerhard Marcks für den Sintrax-1½-Liter-Kaffee-Zubereiter, um