Ein Drohnenalarm versetzt 1,8 Millionen Finninnen und Finnen am Freitagmorgen in Alarmbereitschaft – und die Behörden nur wenige Stunden später in ErklärungsnotGrosse, mit Sprengstoff beladene Drohnen der ukrainischen Streitkräfte hätten sich in Finnlands Hauptstadt verirren können. Der Fall zeigt, wie Russlands Angriffskrieg auf die Länder an der Nato-Ostgrenze überschwappt.15.05.2026, 16.50 Uhr3 LeseminutenIn Erklärungsnot: Der Ministerpräsident Petteri Orpo und die finnischen Streitkräfte mussten sich dem Vorwurf stellen, überreagiert zu haben.Markku Ulander / Lehtikuva via ReutersAm frühen Freitagmorgen herrschte in Helsinki Alarmzustand. Kurz vor 4 Uhr schickten die Behörden eine Warnung heraus, in der 1,8 Millionen Menschen angewiesen wurden, sich nach drinnen zu begeben und Schutz zu suchen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Himmel kreisten mehrere finnische Hornet-Kampfjets und Helikopter, der öffentliche Verkehr setzte ab 5 Uhr für eine Stunde aus. Auch der Flughafen musste den Betrieb unterbrechen, als der Luftraum gesperrt wurde, und der Schiffsverkehr im finnischen Meerbusen wurde umgeleitet. Schulen verschoben den Unterrichtsbeginn, und Dutzende Pflegekräfte meldeten sich von der Arbeit ab.Der Grund für die Aufregung: Die finnischen Streitkräfte hatten eine Warnung erhalten, dass sich grosse, mit Sprengstoff beladene ukrainische Drohnen in die Hauptstadt verirren könnten.So weit kam es nicht. Um 7 Uhr 06 erklärten die Behörden die Gefahr für beendet. Wenige Stunden später sagte der leitende Offizier, Kari Nisula, vor den Medien, dass der finnische Luftraum nicht verletzt worden sei.Haben die Behörden also überreagiert?Grössere Gefahr als in früheren FällenKurz nach Mitternacht erhielten die finnischen Streitkräfte eine Information darüber, dass die Ukraine in der Nacht Ziele in Russland unweit der finnischen Grenze angreifen würde. Wer die Finnen davor warnte, dass dabei Drohnen vom Kurs abkommen könnten, wollten die Streitkräfte auf Nachfragen der Medien nicht sagen.Es ist nicht das erste Mal, dass sich ukrainische Drohnen nach Finnland verirren. Diesmal war die Situation jedoch ernster. Laut Timo Herranen, dem Kommandanten der finnischen Luftwaffe, wurde die Gefahr höher eingeschätzt, weil es sich um grössere Drohnen mit einer grösseren Menge Sprengstoff handelte. Es musste damit gerechnet werden, dass die Flugkörper auf die am dichtesten besiedelte Region des Landes, den Grossraum Helsinki, zusteuern könnten.Am frühen Freitagmorgen kreisten über der finnischen Hauptstadt mehrere Hornet-Kampfjets.Teemu Salonen / Lehtikuva via ReutersBereits im März waren ukrainische Drohnen vom Kurs abgekommen und in Finnland abgestürzt. Die Behörden machten damals keine gute Falle. Nach dem Ereignis konnten sie nicht sagen, wie lange die Drohnen im finnischen Luftraum gewesen waren. Bei zweien war zudem unklar gewesen, wann sie wo abstürzen würden. Die Bevölkerung erfuhr von dem Ereignis erst, als die Drohnen schon am Boden waren.Wirre KommunikationAm Freitag ging die Warnung an die Bevölkerung frühzeitig raus. Der Ministerpräsident Petteri Orpo sagte an der Medienkonferenz, dass man vom letzten Mal gelernt und diesmal angemessen reagiert habe. Da gehen die Meinungen auseinander.In den Spitälern in Helsinki mussten Operationen verschoben werden, weil nicht genügend Pflegepersonal zur Arbeit erschienen war. Auch die Verkehrsbetriebe meldeten Ausfälle wegen Personalmangels, und Dutzende Flüge wurden umgeleitet oder gestrichen. Die Verspätungen dauern noch an.Kritisiert wird auch das Alarmsystem. Die Warnung wurde über eine App versendet, die just am Freitagmorgen eine Störung aufwies, was dazu führte, dass viele Nutzer gar keine Meldung erhielten oder erst eine halbe Stunde später erfuhren, dass die Gefahr bereits vorbei war. Ein SMS-System, wie es etwa Estland verwendet, ist in Finnland erst in Arbeit und soll 2027 in Betrieb gehen. Zu spät, finden viele.Der grösste Teil der Bevölkerung dürfte am Freitagmorgen aus den Medien von der Gefahrensituation erfahren haben – und dort kursierten widersprüchliche Informationen. Laut dem Innenministerium und der Polizei befand sich im finnischen Luftraum mindestens eine Drohne. Die Streitkräfte dementierten das später an der Medienkonferenz.Solange Russlands Angriffskrieg und der legitime ukrainische Verteidigungskampf andauerten, sei damit zu rechnen, dass sich künftig ukrainische Drohnen nach Finnland verirrten, sagte Orpo. Auch im Osten Lettlands wurde am Freitagmorgen erneut vor Drohnen gewarnt. Die Häufung der Vorfälle in den letzten Wochen zeigt, dass sich Russlands Angriffskrieg zunehmend im Nordosten Europas bemerkbar macht.Passend zum Artikel
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