Es ist kein gewöhnliches Besucherprogramm gewesen. Xi Jinping führte Donald Trump bei dessen Staatsbesuch in Peking nicht zur Großen Mauer, nicht in die Verbotene Stadt, sondern in den Himmelstempel. Der Tempel entstand im frühen 15. Jahrhundert unter dem Yongle-Kaiser, demselben Herrscher, der auch die Verbotene Stadt anlegen ließ. Doch die beiden Anlagen erfüllten gegensätzliche Funktionen. In der Verbotenen Stadt empfing der Kaiser Gesandte, hielt Audienz. Im Himmelstempel dagegen sprach er nicht zu Menschen, sondern zum Himmel. Zweimal im Jahr zog er hierher, um zu opfern und für gute Ernten zu beten. Als „Sohn des Himmels“ erneuerte er das Mandat, das ihn legitimierte. Ohne dieses Ritual, so die Vorstellung, geriete die Welt aus den Fugen. Empfangen wurde hier niemand. Genau das macht die Wahl bemerkenswert. Der Himmelstempel steht in der chinesischen Bildsprache nicht für Geschichte, sondern für eine kosmische Ordnung, in der China sich selbst als Zentrum sieht. Trump dürfte sich geehrt gefühlt haben. Dass Xi ihm damit wohl zeigen wollte, welche Rolle China auch heute noch für sich beansprucht, ist ihm wahrscheinlich entgangen.
Trump in China: Was ist der Himmelstempel?
Xi Jinping führte seinen Gast Donald Trump dorthin. Was dieser als Ehre interpretiert haben mag, war dagegen eher eine klare Ansage des Gastgebers.











