Jerome Powell wird als der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in Erinnerung bleiben, der Präsident Donald Trump die Stirn geboten hat. Trumps verbale Schmutzkampagne hat Powell ertragen, ohne öffentliche Widerworte. Er hat ausgehalten, dass Trump ihn dumm, verschlagen, stur, inkompetent und verlangsamt nannte, ihn als Staatsfeind anprangerte und Parteilichkeit unterstellte. Kürzlich veröffentlichte Trump eine KI-Animation, die Powell zeigt, wie er in einen Müllcontainer fällt. Er hat auch hingenommen, dass kein Abgeordneter seiner alten Partei, der Republikaner, die Beleidigungen aus dem Weißen Haus zurückwies.Als aber das Justizministerium ein Ermittlungsverfahren gegen den Fed-Chef einleitete wegen vermeintlicher Falschaussagen vor dem Kongress im Zusammenhang mit der Renovierung eines historischen Zentralbank-Gebäudes, da wehrte sich Powell mit ungeahnter Entschlossenheit. Er veröffentlichte am Sonntag des 11. Januars eine explosive Stellungnahme: „Niemand – gewiss nicht der Vorsitzende der Federal Reserve – steht über dem Gesetz“, heißt es darin. „Aber diese beispiellose Maßnahme sollte im größeren Zusammenhang der Drohungen und des anhaltenden Drucks der Regierung gesehen werden“. Und weiter: „Die Drohung mit strafrechtlichen Anklagen ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinsen nach unserer besten Einschätzung dessen festlegt, was dem Gemeinwohl dient – statt den Präferenzen des Präsidenten zu folgen.“Das Ermittlungsverfahren gegen Powell ist eingestelltDas Ermittlungsverfahren ist inzwischen eingestellt, doch die Trump-loyale Staatsanwältin, die es eingeleitet hatte, machte klar, dass sie es jederzeit wieder aufnehmen könne. Ein Gericht hatte das Verfahren gestoppt wegen des Mangels an Beweisen. Powell hat sich wegen des möglichen Wiederauflebens des Verfahrens entschlossen, weiter im Gouverneursrat der Federal Reserve zu bleiben, wenn auch nur als einfaches Mitglied. Der Vertrag dafür läuft noch bis 2028. Er will damit nach einiger Darstellung die Unabhängigkeit der Notenbank vor politischen Angriffen schützen. Die Folge ist, dass Trumps ehemaliger Chefvolkswirt Stephen Miran, der erst seit vorigem Jahr Notenbanker ist, wieder ausscheiden muss.Powells Weste ist nicht blütenrein. Unter seiner Führung stieg die Inflationsrate in den USA auf mehr als 9 Prozent. Er und seine Kollegen hatten den Druck auf die Preise unterschätzt, der durch die gewaltigen staatlichen Hilfspakete unter Trump und Präsident Joe Biden aufgebaut wurde. Es ist kein Trost, dass es vielen Experten und vielen Notenbankern in anderen Ländern so erging. Als allerdings die Erkenntnis durchgesickert war, dass die Inflation doch nicht so transitorisch war, wie gedacht, strafften sie die Geldpolitik mit großer Entschlossenheit. Davor hatte Powell mit ähnlicher Entschlossenheit versucht, die Folgen der Pandemie zu neutralisieren, indem er die Leitzinsen auf null setzte und Geld in die Wirtschaft pumpte.Der Verdacht der MonokulturAuffällig war, dass unter seiner Leitung die Diskussionen unter den Notenbankern selten zu abweichenden Voten führten. Das kann man als Folge eines auf Konsens ausgelegten Führungsstils feiern. Man darf aber mit mindestens so viel Berechtigung argwöhnen, dass mangelnder Streit speziell in kritischen Phasen wie während der Pandemie Ausdruck einer Monokultur ist, die der Zentralbank in ihrem Streben nach der besten Geldpolitik schadet. Dazu kommt, dass speziell die drei von Biden nominierten Zentralbanker keine Schwergewichte sind. Biden wollte mit den Besetzungen vor allem die Diversität des Gouverneursrats erhöhen, wenn auch nicht die intellektuelle Vielfalt.Am Ende steht aber auch, dass die amerikanische Wirtschaft nach der Pandemie weich gelandet ist. Dazu kommt, dass Powell den beständigen Aufforderungen Trumps, die Leitzinsen zu senken, nicht in dem gewünschten Maße gefolgt ist. Damit hat er das Land nicht nur vor höherer Inflation bewahrt, sondern den Status der Bank als unabhängige Institution gesichert. An diesem Freitag übergibt Jerome Powell die Führung der wichtigsten Notenbank der Welt seinem Nachfolger Kevin Warsh.
Warsh übernimmt an der Fed-Spitze: Wie Vorgänger Powell Trump Widerstand leistete
Jerome Powell hat Fehler gemacht, vor allem im Kampf gegen die Inflation. Doch als Donald Trump die Unabhängigkeit der Federal Reserve bedrohte, hielt der Fed-Chef stand – erst schweigend, dann mit ungeahnter Härte.










