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ie Welt kann froh sein, dass Jerome Powell so leidensfähig ist. Der Chef der US-Notenbank lässt Donald Trumps Dauerfeuer der Beleidigungen und Drohungen mit beneidenswertem Gleichmut über sich ergehen. Powell könnte es sich leicht machen und mit seinen 72 Jahren einfach hinwerfen. Das wäre menschlich. Aber Powell nimmt sein Amtsversprechen ernst, dem Wohl aller Amerikaner zu dienen. Er wehrt die Angriffe des US-Präsidenten auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve beharrlich ab. „Niemals“ werde er vom Prinzip abrücken, allein auf Grundlage von ökonomischen Daten über die Zinsen zu entscheiden, sagte Powell am Freitag beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming.

Zwar ließ er durchblicken, den Leitzins womöglich bald zu senken. Aber das will er tun, weil er es für richtig hält. Nicht, weil Trump es von ihm verlangt. Das zeigte einmal mehr, dass Powell in Washington zum Last Man Standing geworden ist, zu einem der letzten Widerstandskämpfer gegen Trump. Zum Glück.

Trump hat in seiner zweiten Amtszeit schon viele Grenzen verletzt. Er setzt sich über Urteile von Richtern hinweg. Er streicht Universitäten und dem öffentlichen Rundfunk die Gelder und ließ sich selbst zum obersten Aufseher des Kennedy Center wählen, einer der führenden Kultureinrichtungen der USA. Trump geht es darum, über all diese Institutionen die Kontrolle zu gewinnen und ihre Unabhängigkeit zu brechen. Genau das ist auch im Fall der US-Notenbank sein Ziel. Er will das Fed-Direktorium mit Vertrauten besetzen. Sie sollen die Zinsen nach Trumps Wünschen senken.