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Heizungs-Reform: Die alte Energiewelt bleibt noch etwas erhalten Wirtschaftsministerin Katherine Reiche hat Gesetzesentwürfe fürs Heizen und für den Bau von Gaskraftwerken auf den Weg gebracht. Was ist von ihnen zu halten?

Cordula Tutt 13.05.2026 - 14:36 Uhr Auf dem Weg in die neue Energiewelt? Zunächst lässt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche neue Gaskraftwerke bauen. Foto: IMAGO/BMWEDie Bundesregierung hat – mit einiger Verzögerung – am Mittwoch zwei wichtige Gesetze für den Umbau der Energieversorgung auf den Weg gebracht. Im Kabinett wurden das novellierte Heizungsgesetz des vorigen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) und die sogenannte Kraftwerksstrategie eingebracht.Das künftig Gebäudemodernisierungsgesetz genannte Regelwerk legt fest, wie klimafreundlich in Deutschland geheizt wird. Zudem soll der Bau neuer Gaskraftwerke die Energieversorgung stabilisieren, wenn künftig mehr Strom aus Windrädern und Sonnenkollektoren kommt, diese aber bei Flaute oder Dunkelheit nicht den Bedarf decken können.Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat damit nun mit monatelanger Verspätung zwei wichtige Änderungen beim Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Quellen vorgelegt. Sie selbst stellte die Gesetze in den großen Zusammenhang, das Land zu reformieren und zu modernisieren.Gaskraftwerke oder Batterien Wie die Regierung sich der Technologieoffenheit verweigert Noch dieses Jahr will die Bundesregierung neue Backup-Kraftwerke ausschreiben, um die Stromversorgung zu sichern. Batteriespeicher sind de facto ausgeschlossen. Zu Recht? von Stefan Hajek und Clara ThierNach Bekanntwerden der Entwürfe aus ihrem Haus sagte sie bereits: „Gerade im Energiebereich haben wir jetzt die Chance, zu zeigen, dass wir es mit echten strukturellen Reformen ernst meinen.“ Reiche verspricht, den Umbau des Energiesystems vor allem kostengünstiger und effizienter zu gestalten.Deutschland hinkt beim Klimaschutz schon hinterherKritiker werfen ihr allerdings vor, sie bremse den Umbau hin zu erneuerbaren Energien und verhindere, dass Deutschland seine Klimaziele einhalte. Gebäude in Deutschland werden noch überwiegend mit Öl oder Gas beheizt, im Verkehr laufen die meisten Fahrzeuge noch mit Benzin oder Diesel. Deutschland hinkt bereits jetzt hinter seinen selbst gesetzten Umbauzielen für den Klimaschutz her.Auf die nun eingebrachten neuen Regeln für den Einbau von Heizungen haben vor allem Eigenheimbesitzerinnen, Vermieter und Mieterinnen gewartet. Die Regierung hat sich darauf verständigt, dass neu eingebaute Heizungen nicht mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden müssen. Dies hatte das bisher geltende „Gebäudeenergiegesetz“ im Namen des Klimaschutzes vorgesehen, das Reiche Vorgänger Habeck durchgesetzt hatte.Die schwarz-rote Koalition will den Einbau von Öl- und Gasheizungen hingegen weiter erlauben. Voraussetzung ist, dass bei neuen Heizungen ab Januar 2029 zunehmend auch klimafreundliche Brennstoffe beigemischt werden.Wirtschaftsministerin Die vielen Bewährungsproben der Katherina Reiche Industriekrise, Abwanderung, Jobverlust. Nun treibt auch noch der Iran-Krieg die Preise für Öl und Gas nach oben. Da bräuchte das Land eine starke Wirtschaftsministerin. Hat es eine? von Cordula TuttDas überarbeitete Regelwerk sieht vor, dass neue Brennstoff-Heizungen ab 2029 zu mindestens zehn Prozent mit Gas oder Öl grünen Ursprungs betrieben werden müssen. Ab 2030 gilt die Quote von 15 Prozent, ab 2035 sind es 30 Prozent, 60 Prozent ab 2040.Wohin führt die Biotreppe?Diese sogenannte „Biotreppe“ ist allerdings umstritten, weil sowohl die Versorgungslage als auch die Preise für diese Brennstoffe bislang völlig unklar sind. Wer sich nun für eine Heizung entscheiden muss, kann kaum kalkulieren und vergleichen. Zudem will Deutschland ab 2045 klimaneutral wirtschaften, was dann einen Anteil von 100 Prozent erneuerbarer Energie in den Heizungen bedeuten würde. Wie diese Marke beim Heizen eingehalten werden soll, lässt das Gesetz in der neuen Version offen.Die am Gesetz beteiligte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) verteidigt die Pläne. Es gäbe wieder „Klarheit, Verlässlichkeit, Vertrauen“. Jeder und jede könne wieder frei entscheiden, welche Heizung die passende sei. Klimaschutz werde dennoch „pragmatisch erreicht“.Auch die „Biotreppe“ ist aus Hubertz’ Sicht tragfähig. Es solle allerdings bereits in vier Jahren geprüft werden, ob das Prinzip funktioniere und Klimaneutralität bis 2045 erreichbar bleibe. „Wir werden genau darauf schauen, wo wir vielleicht nachsteuern müssen.“Heizungsgesetz „Für Hauseigentümer ist es eine Kostenfalle“ Die Bundesregierung will das Heizungsgesetz reformieren. Eine Biogas-Quote soll Gasheizungen retten. Kritiker rechnen mit Mehrkosten. von Martin GerthGaskraftwerke nur mit SubventionenBei der Stromversorgung will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ebenfalls Änderungen durchsetzen und subventionierte Gaskraftwerke bauen lassen. Der Bau muss aus Sicht der Energieerzeuger schnell angegangen werden, um nach 2030 die entsprechenden Anlagen betriebsbereit zu haben. Dann nämlich gehen etliche Kohlekraftwerke vom Netz. Diese gelten als noch klimaschädlicher im Vergleich zu gasbetriebenen.Kraftwerksbetreibern würde ohne staatliche Unterstützung allerdings keiner solche gasbefeuerten Anlagen bauen, weil sie nur zu bestimmten Zeiten laufen sollen, wenn Wind und Sonne die Bedarfe nicht decken können.Nun gilt: Ab 2031 sollen ausreichend zuverlässige Stromerzeugungskapazitäten mit Gas zur Verfügung stehen. Reiche nannte die geplanten Kraftwerke „eine Lebensversicherung“ in der neuen Energiewelt. „Wer den Ausbau der Erneuerbaren und den Kohleausstieg ernst meint, muss jetzt flexible Kraftwerke und neue Kapazitäten auf den Weg bringen.“Batteriespeicher als Alternative – oder nicht?Auch Vorgänger Habeck (Grüne) hatte den Bau neuer Gaskraftwerke für notwendig gehalten. Diese sollten allerdings auf den Betrieb mit Wasserstoff umrüstbar sein. Außerdem setzen die Grünen stark auf Batteriespeicher, die zum Teil in Konkurrenz zu den Kraftwerken stehen.Kritik an Reiche „Bremserei und Zickzackkurs“ Die Energiemanagerin Marie-Luise Wolff, Chefin der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, vermisst angekündigte Gesetze – und verlangt politische Verlässlichkeit für Unternehmen und Bürger. von Cordula TuttGroße Batteriespeicher können bis zu einem gewissen Punkt Dunkelflauten überwinden, indem sie Strom einspeisen, den sie zuvor aus Windanlagen und Sonnenkollektoren gespeichert haben. Noch sind allerdings kaum solche Batterien ans Netz angeschlossen.Nun drohen wegen der Regeln für die angestrebten Ausschreibungen für neue Kraftwerke wohl Klagen. Denn Investoren in diese Technologie fühlen sich gegenüber Kraftwerksbetreibern benachteiligt.Reiche will die Kosten für Energie senkenDas neue Gesetz ist tatsächlich so formuliert, dass bei den Ausschreibungen Batteriespeicher zunächst faktisch ausgeschlossen wären. Die Speicher haben jedoch technisch deutlich Fortschritte gemacht, sodass die Betreiber argumentieren, diese ließen sich so günstig herstellen und einsetzen, dass sie ebenfalls zur Versorgungssicherheit beitragen können.Darüber hinaus bereitet Reiche auch ein Netzpaket vor, das den Zubau von Wind- und Solaranlagen besser an dem hinterherhinkenden Ausbau von Stromleitungen abstimmen soll. Zurzeit kommt es häufiger zu Abregelungen von Windmühlen und Solaranlagen, wenn die Netze den überschüssigen Strom nicht abtransportieren können.„Die Erneuerbaren werden das Rückgrat unserer Stromversorgung sein“, hat Reiche immer wieder versichert. „Sie sind es schon heute zum großen Teil. Aber eine Energiewende, die Systemkosten ignoriert, hat keine Zukunft. Klimaschutz ohne Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit ist politisch und wirtschaftlich nicht tragfähig.“Koalitionspartner SPD hat noch FragenNeben den heute auf den Weg gebrachten Regeln sind auch andere Pläne Reiches umstritten. Das gilt für das Netzpaket für Stromleitungen sowie für Neuerungen am Gesetz für erneuerbare Energien. Diese werden sich künftig stärker am Markt behaupten müssen und ihre Förderung soll zurückgefahren werden. Bei allen Energiegesetzen hat der Koalitionspartner SPD bereits Vorbehalte und Änderungswünsche deutlich gemacht. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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