Protest statt Bollerwagen: Zum Vatertag sind in Hamburg zahlreiche Menschen auf dem Heiligengeistfeld zusammengekommen, um sich gegen sexualisierte Gewalt an Frauen starkzumachen. Die Hamburger Gruppierung „ComeOnBoys“ hatte dazu aufgerufen – parallel gab es am Brandenburger Tor in Berlin eine Demonstration mit gleichem Tenor. Das Ziel sei es, den „Herrentag“ inhaltlich neu zu besetzen.„Es fängt mit uns an. Es ist unsere Aufgabe. Es ist unsere Verantwortung“, sagte ein Sprecher in Hamburg. Unter dem Motto „Come on, Boys! – aka Der Bollerwagen der Würde“ solle dem Vatertag eine neue Bedeutung verliehen werden.Auf Transparenten stand „Boys will be... verantwortlich“, „Kein Platz für Täterkultur“, „Men of quality do not fear equality“ oder „Bessere Männer erziehen. #Vatertag“. Auch viele Frauen und Kinder waren bei der Kundgebung dabei – und ausdrücklich willkommen.Die „Bro-Culture“ aufbrechenDie Kritik an Männlichkeit habe seit der MeToo-Debatte ein enormes Tempo aufgenommen, so die Veranstalter. Es sei an der Zeit, Männerbünde, die sogenannte „Bro-Culture“, zu erkennen und aufzubrechen. „Schlechte Witze, Abwertung, Besitzdenken“ seien in bestimmten Kreisen immer noch an der Tagesordnung.„Wieso haben die meisten Männer eigentlich keine weiblichen oder queeren Vorbilder?“, fragte ein Sprecher. Auch patriarchale Strukturen wie unbezahlte Sorgearbeit, die größtenteils an Frauen hängen bleibe, und finanzielle Abhängigkeit wurden kritisiert. Die Aufklärungsarbeit zu diesen Themen dürfe nicht an Frauen hängenbleiben.„An der Zeit, noch wütender zu sein“Eine Teilnehmerin sagte: „Ich bin neugierig mir anzuschauen, was Männer hier auf die Beine gestellt haben, um sich laut zu machen gegen Gewalt an Frauen.“ Es sei an der Zeit, noch wütender zu sein und sich den Raum zu nehmen. „Und deswegen ist es wichtig, an solchen Tagen auf die Straße zu gehen, zusammenzuhalten, laut zu sein und ein Zeichen zu setzen“, so die Hamburgerin.„Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass nicht nur Frauen die Männer mitschleppen oder nur Frauen auf solchen Demos stehen“, betonte ein Teilnehmer. „Ich habe jetzt heute Morgen auch von meinen Töchtern ein Geschenk bekommen und das finde ich auch cool“ – aber Gewalt gegen Frauen sei Alltag und dagegen aufzustehen, längst überfällig. „Es sind ja nicht nur meine Töchter, die irgendwie potenziell Gewalt ausgesetzt sind, sondern es ist die Hälfte der Gesellschaft“, betonte er.Schauspieler und Rapper unter InitiatorenUnter den Initiatoren der Demo sind auch bekannte Namen, etwa der Schauspieler Enrique Fiß, bekannt aus der ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“, und Arne Ihlenfeld, der unter dem Künstlernamen Captain Gips als Rapper auftritt.Die Initiatoren hatten mitgeteilt: „Wir wollen keinen Tag erleben, an dem Männergruppen bis oben hin mit Alkohol gefüllte Bollerwagen hinter sich herziehen, ihre vermeintliche Männlichkeit breitbeinig vor sich hertragen und vor allem durch (sexuelle) Belästigungen im öffentlichen Raum auffallen.“ Stattdessen wollten sie sich an diesem Tag solidarisch an die Seite Gewaltbetroffener stellen – und sich „kritisch mit Männlichkeit, insbesondere männlicher Gewalt“ auseinandersetzen. Hilfe bei Gewalt Sprechen Sie mit Menschen Wenn Sie psychischen Druck oder körperliche Gewalt durch Ihren Partner / Ihre Partnerin erfahren, kann es helfen, mit anderen Menschen darüber zu reden. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – über Ihre Situation sprechen können. Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“Frauen, die Gewalt erleben oder erlebt haben, können sich an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden. Unter der Nummer 116 016 ist rund um die Uhr und kostenlos ein Kontakt zu Beraterinnen möglich – vertraulich und anonym. Die Beratung kann per Telefon, Onlinechat oder E-Mail erfolgen. Auch Angehörige und Freunde gewaltbetroffener Personen sowie Fachkräfte erhalten Unterstützung beim Hilfetelefon. Die Beratung beim Hilfetelefon kann mithilfe von Dolmetscherinnen in 18 Fremdsprachen erfolgen. Das Angebot richtet sich auch an Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung. Sie können Beratung in Leichter Sprache erhalten oder in Deutscher Gebärdensprache beraten werden. Eine Beratungsstelle findenEine Fachberatungsstelle ist für gewaltbetroffene Frauen sowie deren Angehörige und Freunde häufig die erste Anlaufstelle. Rund 200 Beratungsstellen und Notrufe sind im Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) organisiert. Dieser listet die Angebote auf seiner Website auf. Die Beratung ist kostenlos und anonym. Sie kann persönlich oder telefonisch erfolgen. Die Website des BFF informiert auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und in Deutscher Gebärdensprache. Ein Frauenhaus findenIn Deutschland stehen gewaltbetroffenen Frauen und Kindern rund 400 Frauenhäuser sowie über 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6000 Plätzen zur Verfügung, heißt es auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Der Verein Frauenhauskoordinierung e. V. bietet eine bundesweite Übersicht über freie Plätze in Frauenhäusern und Schutzwohnungen. Auch auf der Website der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) finden Gewaltbetroffene und ihr Umfeld die Kontaktdaten von Frauenhäusern. Hilfetelefon „Gewalt an Männern“Unter 0 800 1239900 können Sie sich an das bundesweite Männerhilfetelefon wenden. Dort werden Sie zu folgenden Sprechzeiten beraten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 20 Uhr sowie Freitag von 8 bis 15 Uhr. Die Beratung kann anonym erfolgen. Auf der Website https://www.maennerhilfetelefon.de können Sie im Sofortchat eine Anfrage stellen (auch anonym). Dieser findet von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 15 Uhr sowie 17 bis 19 Uhr statt. Darüber hinaus können Sie jederzeit eine E-Mail senden an: beratung@maennerhilfetelefon.de Eine Schutzwohnung für Männer finden Männer, die sich vor Ort beraten lassen möchten oder eine Schutzwohnung suchen, können sich bei der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz informieren. Auf der Website der Stelle sind Einrichtungen in ganz Deutschland aufgelistet.