PfadnavigationHomePanorama„Maischberger“„Wir zahlen mit am meisten“ – de Maizière kritisiert GesundheitssystemVon Kristoffer FilliesStand: 13.05.2026Lesedauer: 5 MinutenGregor Gysi und Thomas de Maizière diskutieren mit Sandra Maischberger (v.l.)Quelle: WDR/Oliver ZiebeIn der ARD-Talkshow „Maischberger“ prallen Gregor Gysi und Thomas de Maizière aufeinander. Im Zentrum stehen Reformen im Gesundheitswesen, die Finanzierung der Krankenkassen und die Frage, ob mehr Geld oder Strukturreformen nötig sind.Bundeskanzler Friedrich Merz kassiert Pfiffe und Buhrufe auf dem DGB-Bundeskongress: Grund ist die Rentenreform. Auf seinen Satz „Das alles ist keine Böswilligkeit von mir“ reagierte der Saal mit lautstarker Empörung. Doch ist die Kritik an den Reformplänen des Kanzlers berechtigt?Über diese Frage diskutierten am Dienstagabend im ARD-Talk „Maischberger“ der Linken-Politiker Gregor Gysi und der frühere Bundesinnen- und Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Dabei ging es um den „Reform-Sommer“, in dem die Rente und das Gesundheitswesen modernisiert werden sollen, während die schwarz-rote Koalition unter wachsendem Druck steht.Der Reformbegriff sei früher positiv besetzt gewesen und habe für „Verbesserung für Menschen“ gestanden, so der frühere Bundesminister de Maizière. Deshalb hätten Reformvorhaben in der Regel breite Zustimmung gefunden. „Jetzt aber ist die Lage so schwierig, dass die meisten Reformen für die Sache notwendig sind, vielleicht auch, um Schlimmeres zu verhindern, aber verbunden mit Verschlechterungen für viele Einzelne.“ Dafür Mehrheiten zu organisieren, sei heute außerordentlich schwierig, sagte de Maizière.„Jetzt heißt es, es sei der Untergang für die Versicherten“Am Beispiel der geplanten Erhöhung der Zuzahlungen für Medikamente, die über lange Zeit nicht angepasst worden seien, kritisierte de Maizière: „Jetzt heißt es, es sei der Untergang für die Versicherten.“ Reformen unter diesen Bedingungen durchzusetzen, sei „objektiv schwer“. Umso wichtiger sei es, sie klar zu begründen und offen zu kommunizieren, „dass wir in einer verdammt schwierigen Lage sind“ und dass damit zwangsläufig auch Zumutungen verbunden seien.Lesen Sie auch„Ein Euro mehr bei Zuzahlungen und so, darüber kann man ja noch diskutieren“, entgegnete Gysi zunächst und kritisierte dann vor allem geplante Einschnitte im Gesundheitswesen. Dabei äußerte er eine grundsätzliche Systemkritik und forderte eine Steuerreform.„Ich mache mal einen radikalen Vorschlag“, sagte der Alterspräsident des Bundestags. Derzeit leisten die Krankenkassen die vollständige Gesundheitsversorgung für Grundsicherungsempfänger, „die aber logischerweise keine Beiträge bezahlen“. Diese Kosten müssten über Steuern finanziert werden, so Gysi, „dazu braucht man natürlich gerechte Steuern“. Dadurch würden die Kassen so entlastet, dass sie nicht mehr gezwungen wären, etwa bei der Finanzierung von Krebsuntersuchungen zu sparen. Grundsätzlich sei die Richtung der Reformpläne falsch, sagte der 78-Jährige. „Ein Krankenhaus gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Es muss in erster Linie für Gesundheit sorgen und darf sich nicht in erster Linie rechnen.“Lesen Sie auchDe Maizière widersprach Gysi deutlich und verwies auf aus seiner Sicht strukturelle Ineffizienzen im Gesundheitssystem. Ein reines Mehr an Geld löse die Probleme nicht, so der frühere Bundesminister. Deutschland gebe im internationalen Vergleich bereits sehr viel im Gesundheitswesen aus, argumentierte de Maizière. „Wir zahlen mit am meisten in der Europäischen Union pro Kopf. Wir haben die meisten Krankenhausbetten pro Einwohner. Wir haben die meisten Fachärzte pro Einwohner.“ Zugleich zeige sich kein entsprechender Gesundheitsvorteil: „Wir leben aber nicht länger.“Lesen Sie auchDas Problem sei daher nicht ein Mangel an Mitteln, sondern deren Einsatz. „Wir sind einfach massiv ineffektiv im Gesundheitswesen“, sagte der 72-Jährige. „Deswegen muss man da nicht noch mehr Geld hineinstecken, sondern man muss versuchen, es effizient zu machen, ohne dass es auf Kosten der guten Versorgung geht. Und das geht.“Minderheitsregierung im Bund ist „absurd und ausgeschlossen“Gysi kritisierte, die Bundesregierung sei insgesamt zu langsam, und auch die politische Richtung stimme zu oft nicht. „Dieses ganze Verhältnis in dieser Regierung ist gespannt“, sagte der Linken-Politiker. Mit Blick auf den Aufstieg der AfD, die schwachen Umfragewerte der SPD und die belastete Lage von Friedrich Merz sprach er von einer politischen Gesamtsituation mit schlechter Stimmung: „Da hat keiner gute Laune. Das ist wirklich ein handwerkliches Problem.“ Um gegenzusteuern, brauche es „eine Führungspersönlichkeit, die den Laden am Leben hält“. Dass er Friedrich Merz diese Rolle nicht zutraut, blieb unausgesprochen deutlich.Lesen Sie auchMehr als die Hälfte der Deutschen zweifelt laut einer Umfrage daran, dass die schwarz-rote Koalition ihre volle Amtszeit erreichen wird. Noch deutlicher fällt das Urteil bei der Regierungsarbeit und Kanzler Merz aus: Eine klare Mehrheit äußert sich unzufrieden mit der Leistung der Koalition. Die Sorge vor einem Scheitern der Koalition wie einst bei der Ampel wies de Maizière zwar zurück.Der frühere CDU-Minister warnte jedoch zugleich eindringlich vor profilgetriebenem Regierungshandeln. „Ich glaube, hoffe und erwarte, dass die Menschen, die Verantwortung tragen, sich ihrer Verantwortung bewusst sind.“ Das umzusetzen, sei allerdings das eigentliche Problem. Viele Politiker in Union und SPD glaubten, man sei besonders erfolgreich in der Regierung, wenn man vor allem das eigene Profil schärfe. „Die Bürger interessiert, dass gehandelt wird, umgesetzt wird und gearbeitet wird“, sagte de Maizière. Erst dann werde es auch für beide Regierungsparteien wieder besser laufen. „Dieser Irrglaube muss jetzt mal enden.“Sollte es tatsächlich zu einem Bruch zwischen Union und SPD kommen, würde sich eine Regierungsbildung nach einer Neuwahl als äußerst schwierig erweisen. Die AfD erreicht in aktuellen Umfragen mehr als 27 Prozent und liegt damit an der Spitze. Da auf Bundesebene keine der anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD anstrebt, sehen manche Beobachter eine Minderheitsregierung als Möglichkeit. De Maizière erteilt dieser Option jedoch eine klare Absage: Eine Minderheitsregierung sei angesichts internationaler Verpflichtungen „absurd und ausgeschlossen“. Eine Bundesregierung könne so nicht agieren.
„Maischberger“: „Wir zahlen mit am meisten“ – de Maizière kritisiert Gesundheitssystem - WELT
In der ARD-Talkshow „Maischberger“ prallen Gregor Gysi und Thomas de Maizière aufeinander. Im Zentrum stehen Reformen im Gesundheitswesen, die Finanzierung der Krankenkassen und die Frage, ob mehr Geld oder Strukturreformen nötig sind.






