PfadnavigationHomeRegionalesHamburgZDF-Verfilmung mit Johannes HegemannDer Schauspieler, der zu einer famosen Olivia Jones wurdeVon Britta SchmeisStand: 15.05.2026Lesedauer: 5 MinutenJohannes Hegemann als Olivia Jones bei einer Szene auf Hamburg-St. Pauli Quelle: ZDF/Bjørn HaneldDas bisherige Mitglied des Hamburger Thalia-Ensembles Johannes Hegemann hat seine erste Fernsehhauptrolle: Er spielt in einer aufwendigen ZDF-Verfilmung die Hamburger Dragqueen Olivia Jones.Die berufliche Karriere von Johannes Hegemann startete gleich mit einer Luxus-Entscheidung: Nach dem Schauspielstudium in Zürich und Rostock durfte er zwischen dem Thalia Theater und dem Berliner Ensemble wählen. Es wurde Hamburg. Schon während des Engagements am Alstertor kamen die ersten Angebote von international renommierten Regisseuren. Nun ist der 29-Jährige in seiner ersten Hauptrolle in einem Fernsehfilm zu sehen: „Olivia“. Es ist die Verfilmung der Autobiografie der Hamburger Dragqueen Olivia Jones. Am 13. Mai strahlt das ZDF sie um 20.15 Uhr aus.„Mir war die Größenordnung erst gar nicht so bewusst“, erzählt Hegemann während eines Spaziergangs mit WELT über den Kiez, entlang der zahlreichen Bars von Olivia Jones in der Großen Freiheit. Aber da sei schon ein gewisser Druck gewesen, eine solche mitten im Leben und in der Öffentlichkeit stehende Ikone zu spielen. „Aber einen wahnsinnig großen Kopf habe ich mir gar nicht gemacht, ich hatte einfach eine solche Spiellust, in die Veränderung zu gehen, sowohl äußerlich als auch charakterlich“, erzählt er.Lesen Sie auchDiese Veränderung ist erwartungsgemäß extrem. Der Film in der Regie von Till Endemann basiert auf der 2021 erschienenen Autobiografie „Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben“ von Olivia Jones beziehungsweise Oliver Knöbel, wie die Dragqueen bürgerlich heißt. Sie erzählt von seiner Kindheit und Jugend im niedersächsischen Springe, den Anfängen als Travestiekünstlerin in den 1990er-Jahren in Hamburg, von Erniedrigungen, Enttäuschungen und Verletzungen, vor allem als Jugendlicher in der niedersächsischen Provinz. Von Lehrern und Mitschülern, von seiner Familie, die ihn verstieß. Von einem Vater, der als Lebemann nicht nur Mutter und Sohn sitzen ließ, sondern sich als Bankangestellter auch mit mehr als einer Million Mark nach Brasilien absetzte und später im Gefängnis saß. „Ungeschminkt“ erzählt von seinem Weg vom unerfahrenen und unerschrockenen jungen Menschen zum akzeptierten Künstler und respektierten Paradiesvogel. „Ich bewundere an ihr ihre klare Haltung, ihr offenes Herz und dass sie so liebevoll durch die Welt geht, nie besserwisserisch oder zynisch ist“, sagt Hegemann. Als erste Dragqueen erhielt Olivia Jones 2017 eine Einladung zur Bundesversammlung, die Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten wählte. Sie schüttelte Angela Merkel die Hand und sprach am Abend des Eurovision Song Contests mit einer Pastorin das „Wort zum Sonntag“.Jeweils eineinhalb Stunden lang dauerte an den Drehtagen die Verwandlung von Johannes Hegemann in Olivia Jones. Davor lagen Monate der intensiven Vorbereitung – neben Proben und Vorstellungen am Thalia Theater, wo er bis 2025 zum festen Ensemble gehörte und aktuell noch in „Anleitung ein Anderer zu werden“ zu sehen ist. „Klar habe ich mir hier ein paar Shows von Olivia angeschaut, die Biografie gelesen und mit Olli gesprochen“, erzählt Hegemann. Er sagt bewusst Olli, denn als Olli hat er ihn in diesen Gesprächen getroffen. So hat er den Menschen Olivia/Oliver verinnerlicht. „Olivia ist keine Kunstfigur, sondern ein Teil von mir“, hatte Oliver Knöbel zur Veröffentlichung der Autobiografie in einem Interview mit WELT AM SONNTAG gesagt. Das hat auch Hegemann verinnerlicht.Auf High Heels geübtEin Video mit Aufnahmen aus den 1990ern habe ihm am meisten geholfen, den Menschen und das Phänomen zu verstehen. „Da gab es in dem Dragqueen-Universum noch nicht so viel Glamour, es war eine andere Art von Empowerment, das war noch schräger und trashiger“, sagt er. Auch ästhetisch sei die Szene da noch ganz anders gewesen. Manchmal sei er zur Vorbereitung einfach nur stundenlang auf High Heels herumgelaufen, um „smooth, sexy und grazil rüberzukommen“. Das gelang auch Olivia Jones in den Anfängen nicht immer.Angetrieben von Songs wie „I will survive“ und „I want to break free“ spielt Johannes Hegemann diese Figur in all ihren Facetten. Bei einer Show rutschen ihr die Brüste aus dem Kleid, eine Panne, die sie gekonnt einbaut. Damit überzeugt sie die Kiezgröße Lilo Wanders von ihrem Talent. Und da sind all die stillen Momente, in denen Oliver zurückgestoßen wird – von Liebhabern, von Kolleginnen, von einer Meute junger Männer in Springe und auf dem Kiez und von einer Mutter, die lange braucht, um ihn zu verstehen. „Olli war es ganz wichtig, seiner Mutter gerecht zu werden und zu zeigen, dass es für sie nicht leicht war“, sagte Hegemann. Voller Intensität spielt Annette Frier diese Frau, die zwischen tiefer Liebe zu ihrem Sohn, Unverständnis und Ablehnung schwankt – bis sie Oliver auch als Olivia akzeptieren kann. Es ist einer der bewegendsten Momente in diesen 90 Minuten. Zum Schluss ist ein Foto von der realen Olivia Jones und ihrer Mutter zu sehen.Rollen in internationalen Kinoproduktionen„Olivia“ ist Hegemanns erste Hauptrolle. „Als ich zum Casting eingeladen wurde, habe ich gedacht: ‚Witzig, dass die mich dafür anfragen. Bin ich da der Richtige?‘.“ Nicht nur an der Größe kann es gelegen haben. Hegemann ist 1,88 Meter, Olivia Jones noch einmal zehn Zentimeter größer. Doch Hegemann ist wandlungsfähig, fühlt sich in die Rollen ein, lebt sie. Das hat er nicht nur als Ensemblemitglied am Thalia Theater bewiesen, sondern auch auf der Leinwand. 2024 spielte er an der Seite von „Babylon Berlin“-Star Liv Lisa Fries in Andreas Dresens Berlinale-Beitrag „In Liebe, Eure Hilde“, einem Film über das kommunistische Widerstandspaar Hilde und Hans Coppi in der NS‑Zeit. Er war in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ von Kirill Serebrennikow zu sehen, der in Cannes Premiere feierte, und mit Stars wie Léa Seydoux in Ildikó Enyedis „Silent Friend“, der im Hauptwettbewerb der Filmfestspiele in Venedig lief.Es ist diese Mischung aus Großem-Jungen-Charme, stiller Ernsthaftigkeit, zarter Verletzlichkeit und unglaublicher körperlicher Präsenz, die Hegemann ausstrahlt und die ihn so vielfältig macht. Und seine offene Unerschrockenheit und zugleich der Respekt, den er seinen Rollen und den Figuren entgegenbringt. „Klar muss ich als noch junger Schauspieler auch mit Rückschlägen umgehen, und am Thalia war es auch nicht immer einfach“, sagt er. Doch die Dragqueen-Szene sei doch noch etwas krasser als die Theater-Bubble, aus der er komme und in der er sich auch wohlfühle. Da gehe es noch sehr viel mehr um Show, darum, schnell und schlagfertig zu sein, immer zu performen. „Es gibt da eine gewisse Ähnlichkeit, aber so forsch und frech wie es Olivia war, das würde ich mich nie trauen.“ Vor der Kamera schon – und das auch sehr beeindruckend.
ZDF-Verfilmung mit Johannes Hegemann: Der Schauspieler, der zu einer famosen Olivia Jones wurde - WELT
Das bisherige Mitglied des Hamburger Thalia-Ensembles Johannes Hegemann hat seine erste Fernsehhauptrolle: Er spielt in einer aufwendigen ZDF-Verfilmung die Hamburger Dragqueen Olivia Jones.









