PfadnavigationHomeRegionalesHamburgÜbersee-Club„Lärm im Maschinenraum“ – Merz' Plädoyer für Geduld bei ReformenVeröffentlicht am 08.05.2026Lesedauer: 2 MinutenBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht beim 76. Übersee-Tag im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses – vor 26 Jahren war er hier schon einmal als Redner geladen Quelle: Marcus Brandt/dpaFriedrich Merz bittet beim Übersee-Tag in Hamburg vor der Wirtschaftselite der Hansestadt um Nachsicht. Der Bundeskanzler erklärt, mit welchem Zeithorizont er die Weichen neu stellen will.Als Friedrich Merz im Hamburger Rathaus vor dem Übersee-Club ans Rednerpult tritt, ist die Bühne bewusst groß gewählt: der „Große Übersee-Tag“ – traditionell ein Termin, an dem Hamburg sich selbst als weltoffene Handelsstadt inszeniert und der Übersee-Club als Netzwerk der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Elite. In diesem Jahr ist Merz Festredner und Ehrengast, begrüßt vom Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher und dem Übersee-Club-Präsidenten Harald Vogelsang. Lesen Sie auchDer Kanzler nutzt diesen Rahmen, um eine Botschaft zu setzen, die weniger nach politischem Feuerwerk klingt als nach einer Bitte um Nachsicht: Das Reformtempo, das viele vermissen, solle nicht mit Entschlusslosigkeit verwechselt werden. Er wisse, dass es vielen nicht schnell genug gehe, und er wisse auch, dass „alle ein wenig litten“ unter dem „Lärm im Maschinenraum der Demokratie“. Die von ihm geleitete Regierung arbeite jedoch mit dem Anspruch, dass das, „was wir tun, für mehrere Jahre, vielleicht für ein Jahrzehnt in der Zukunft tragfähig ist“. Böse Worte in Richtung SPD sind auch im weiteren Verlauf nicht zu hören.Dahinter steht die klassische Kanzler-Erzählung, die in Berlin oft dann gewählt wird, wenn es knirscht: Nicht die Richtung sei das Problem, sondern die Komplexität. Der Maschinenraum, so ließe sich die Metapher übersetzen, sei laut, weil die Republik an sich arbeite – mit Ausschüssen, Koalitionsrunden, Länderinteressen, Verbandskritik, Lobbygruppen. Und weil am Ende eben ein Kompromiss herauskomme, nicht die reine Lehre: „Ein Reformprozess ist eben genau das: Reform und Prozess. Es geht Schritt für Schritt voran.“ Man solle aber seine Entschlossenheit dabei nicht unterschätzen; die Bundesregierung wisse, „was auf dem Spiel steht“.Lesen Sie auchStreit sei dabei zuweilen der Preis der „demokratischen Maschine“ – und auch eine Zwischenstation auf dem Weg zu tragfähigen Lösungen. Konkret kündigt Merz an, dass die Reform der Krankenversicherung notwendiges Geld einspare; noch in diesem Monat solle die Reform der Pflegeversicherung folgen, und noch vor der Sommerpause sollten Eckpunkte einer großen Rentenreform im Kabinett behandelt werden.Das Publikum im Saal nimmt ihm seine Logik ab, auch wenn viele ungeduldig werden, wie Gastgeber Vogelsang anmerkt. Der Übersee-Club ist zwar kein wirtschaftspolitischer Ausschuss, aber doch ein Ort, an dem das Wort „Tragfähigkeit“ nicht als Floskel gilt, sondern als Voraussetzung jeder Entscheidung. Mehr als 1700 Mitglieder engagieren sich hier für demokratisches Staatswesen, Toleranz und Völkerverständigung.jlau