Fiel stets durch ihre Erscheinung, Ausstrahlung und ihren Sinn für Mode auf: Jackie KennedyQuelle: Getty ImagesNach dem Hype um Carolyn Bessette-Kennedy rückt jetzt deren Schwiegermutter wieder in den Fokus: Pillbox-Hut, Etuikleider oder XXL-Sonnenbrillen – so gelingt der modernisierte Jackie-Look.Dass TV-Serien die Mode prägen, ist seit „Sex and the City“ bekannt (und spätestens seit „Emily in Paris“ ein bewährtes Geschäftsmodell). Die neun Folgen der Serie „Love Story“ über John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette-Kennedy, auch bekannt als CBK, lösten im Frühjahr aber eine ungeahnt große Welle der Begeisterung für den Stil der Neunziger im Allgemeinen und für jenen von CBK im Besonderen aus. Mehrfach wurden ihre „Stil-Lektionen“ aufgelistet, ihre Outfits „dekodiert“ und auf Instagram von zahllosen Frauen kopiert – mit Haarreifen, schmalen Sonnenbrillen und geraden Midi-Röcken. Nur auf die Zigarette als Accessoire verzichteten die meisten.Lesen Sie auchDie Begeisterung für Charisma und Stil der echten und der Serien-CBK ist verständlich, genau wie der Impuls, ihr optisch nachzueifern. Schon Kinder imitieren schließlich ihre Vorbilder. Wie detailliert erwachsene Frauen CBK nachahmten, überraschte aber selbst im digitalen Zeitalter der ästhetischen Gleichförmigkeit. Aber so, wie nicht jeder New Yorker mit Sakko und Mütze als Doppelgänger von JFK Jr. durchgeht, funktioniert auch der Stil seiner Frau nicht an jeder Figur. Die extrem reduzierten Schnitte leben allerdings stark von Proportionen – und wurden in den Neunzigern nicht zufällig an extrem schmalen Körpern inszeniert. So etwas sagt und schreibt man heute eigentlich nicht mehr, aber Mode-Minimalist und CBK-Arbeitgeber Calvin Klein erkor in den Neunzigern aus gutem Grund die extrem schlanke Kate Moss zum Model-Superstar.Auch Bessette-Kennedys Schwiegermutter fiel durch ihre Erscheinung, Ausstrahlung und ihren Sinn für Mode auf, auch sie gilt bis heute als Stil-Ikone, als die noch größere sogar. Jacqueline Kennedy Onassis trug riesige Sonnenbrillen und Perlen, Pillbox-Hüte und Kopftücher, schmale Hosen und Etuikleider, vorzugsweise in Pastell- und Bonbonfarben und mit Schleifen-Details. Mithilfe des Modeschöpfers Oleg Cassini prägte sie zeitlose Looks. Das soll nicht heißen, dass ihr Stil besser gewesen sei als jener ihrer Schwiegertochter. Ein solcher Vergleich wäre unfair: Die eine hatte schlicht mehr Zeit als die andere, Facetten ihres Stils zu zeigen, und tat dies vor den Augen einer ihr meist wohlgesonnenen Öffentlichkeit (zumindest während ihrer ersten Ehe), während ihre Schwiegertochter stets eine komplizierte Beziehung zu den Medien hatte.Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Ausnahme-Erscheinungen: Wer sich Outfits oder auch nur Accessoires von Jackie Kennedy Onassis zum Vorbild nimmt, sieht nicht aus wie deren Kopie, sondern wie jemand, der durch sie bekannt gewordene Klassiker einzusetzen weiß. Die Schnitte und Accessoires, die sie trug, sind eben nicht an großen, besonders schlanken Körpern kleidsam. Das bewiesen schon in Sachen Figur und Auftreten so unterschiedliche Frauen wie Königin Elizabeth II. und ihre Schwiegertochter Diana. Auch Amal Clooney ließ den Jackie-Chic schon wieder aufleben, genau wie kürzlich Melania Trump im buttergelben Kostüm. Das Magazin „Tatler“ befand dann auch 2025: „Jede First Lady hat ihre Mode-Momente, aber es ist Jackie Kennedy, die immer noch prägt, wie wir uns heute kleiden.“Das trifft besonders auf das Mode-Jahr 2026 zu. Der Blick in Trendanalysen, Magazine und Schaufenster zeigt, wie allgegenwärtig die Kennedy-Onassis-Klassiker bis heute sind – und wie sie fast jedem Outfit (solche mit Jogginghosen, Funktionsjacken und Barfuß-Schuhen ausgenommen, da hilft nichts) ein stilistisches Upgrade verpassen können. XXL-SonnenbrilleHailey Bieber gab 2017 den Startschuss für den Trend zur betont schmalen Sonnenbrille im Stil der Neunziger, mit der CBK-Renaissance erreichte er seinen Höhepunkt. Wer aber Pech hat, sieht damit aus wie auf dem Weg ins 3D-Kino. Diese Gefahr besteht bei XXL-Sonnenbrillen à la Jackie Kennedy nicht. Ob rund oder eckig, leicht getönt oder ganz dunkel, mit Schildpatt-Gestell oder ganz in Schwarz: Riesig waren sie immer. Laut „Vogue“ löste der Schriftsteller Gore Vidal Kennedys Faible für die großen Modelle mit dem Hinweis aus, damit könne man andere beobachten und selbst verborgen bleiben. Gut verstecken kann man sich heute hinter Brillen mit dunklen Gläsern und schwarzen, breiten Bügeln, wie &Other Stories sie anbietet (45 Euro). Hellere Gläser, aber ein Gestell mit noch dramatischerer Form haben die „Slima Butterfly Sunglasses“ der englischen Marke Joseph (215 Euro).Pillbox-HüteBevor sie zu „Jackie O.“ wurde, zeigte sich die First Lady so oft mit Pillbox-Hüten auf dem Kopf, dass die kompakte Hutform zu einem ihrer Markenzeichen wurde – getragen mit Nonchalance und zugleich so würdevoll, als handle es sich um eine Krone. Das legendäre Modell, mit dem sie 1961 bei der Amtseinführung ihres Mannes erschien, stammte von dem ebenso legendären Designer Roy Halston Frowick. Einige Jahre später gestand er laut „Vogue“, dass der Hut eigentlich zu klein gewesen sei. Dem Kult um den Hut tat das keinen Abbruch. Heute ist er wieder da, zu seinen prominentesten Trägerinnen gehörte bereits 2025 Pamela Anderson. Laut „Elle“ ist der Pillbox-Hut das „Must-Have-Accessoire 2026“, das Magazin „Fashionista“ konstatierte im Februar: „Auf der New York Fashion Week tragen alle Pillbox-Hüte“. Für den Sommer verheißt die Stroh-Variante stilbewussten Schutz vor Sonne, zu finden etwa bei Arket (39 Euro) und beim Hut-Spezialisten Seeberger (rund 100 Euro).KopftücherJeden Sommer erleben sie ihr Comeback, schützen die Haare vor Sonne und sorgen je nach Binde-Art für Fünfziger-Jahre-Glamour, Siebziger-Boho-Chic oder einfach Sommerferien-Gefühl: Kopftücher sind eines der vielseitigen Accessoires überhaupt. Wird es zu heiß, lassen sie sich zum Strand-Pareo umfunktionieren oder als „Scarf Belt“, also wie ein Gürtel, zu Rock oder Hose tragen. Kennedy Onassis trug sie meist auf dem Kopf. Nicht nur in den Sommerferien: Zum Trenchcoat kombinierte sie ein Gucci-Tuch, zum Doppelreiher-Mantel ein Hermès-Modell – und natürlich immer eine große Sonnenbrille. Wer die vergessen hat, kann sie mit dem Seidentuch „Scarf“ der Marke Unartig per Illustration auf dem Kopf tragen (145 Euro). Den klassischeren Musterlook auf Seide gibt es bei Joseph (165 Euro) oder auf Polyester bei Mango (rund 20 Euro) mit Polka Dots, einem der Muster-Favoriten der Stilikone. PerlenEin berühmtes Foto aus der Kennedy-Ära zeigt die First Lady lachend mit ihrem noch kleinen Sohn John Jr., der mit ihrer Perlenkette spielt. Das dreireihige, von Kenneth Jay Lane entworfene Modell trug sie oft, auch dieses Schmuckstück wurde eins ihrer Markenzeichen. 1996 wurde es bei Sotheby’s für damals über 200.000 US-Dollar versteigert – ein stolzer Preis für eine Kette, die gar nicht aus echten Perlen besteht. Ob echt oder nicht, kaum ein Schmuckstück hat in den letzten Jahrzehnten so eine beachtliche Karriere hingelegt wie die Perlenkette. Lange galt sie als klassisch, aber eben auch latent spießig. Das änderte sich spätestens, als Harry Styles Ende 2019 begann, sie zu tragen. Heute lassen vor allem kleine Marken den Klassiker neu aufleben. Dank ihrer natürlichen Form kommen auch große (echte) Barockperlen leichtfüßig daher, etwa bei Studio Ena (279 Euro). Mit funkelnden Glaskristallen versehen sind die verspielten Varianten von Pearl Studio Berlin (Ketten ab 250 Euro, einzelne Anhänger 50 Euro). Ganz filigran kommt eine Kette mit nur einer Perle bei der schwedischen Marke Akind (1100 Euro) daher. U-Boot-Ausschnitt Eine First Lady sollte Identifikationsfigur für alle sein. Auch, wenn ihre elegant-moderne Erscheinung ein Novum in der US- (und der internationalen) Politik war, gelang es der ehemaligen Präsidentengattin erstaunlich gut, den Wunsch nach Identifikation auch modisch zu erfüllen. Die U-Boot-Ausschnitte vieler ihrer Kleider und Oberteile eignen sich nämlich für jedes Alter und nahezu jede Figur. Das gilt auch heute. Für den nahenden Sommer haben sie auch noch den entscheidenden Vorteil, die Haut genau dort vor Sonne zu schützen, wo sie am empfindlichsten ist: im Dekolleté. Dass der hochgeschlossene Look alles andere als langweilig ist, beweist die griechische Marke Esthé mit einem fast skulptural anmutenden Plissée-Oberteil (rund 140 Euro) in leuchtendem Gelb (seit etwa drei Jahren wieder im Trend und schon vor Jahrzehnten von Kennedy Onassis getragen). Klassisch wirkt ein kleines Schwarzes mit U-Boot-Ausschnitt. An nicht ganz so lauen und legereren Abenden hilft ein Pullover von Bash Paris in Froschgrün (252 Euro) – eine weitere Trendfarbe, auf deren Nuancen schon Kennedy Onassis setzte.Für FortgeschritteneSchon seit Jahren wird das Comeback der Handschuhe prognostiziert – aber nicht der wärmenden Modelle für den Winter, sondern sogenannter „Opera Gloves“ für besondere Anlässe. Auch für dieses Jahr wurde ihre Renaissance angekündigt. Ob sich der vermeintliche Trend auch bei all jenen durchsetzen wird, die nicht regelmäßig über rote Teppiche und Laufstege schreiten oder, wie einst Handschuh-Fan Kennedy Onassis, bei Staatsempfängen erscheinen, ist aber fraglich. Anders als der elegante Handschuh hat sich das Leopardenmuster auf Kleidung längst durchgesetzt – auf Mänteln kann der animalische Look aber schnell buchstäblich zu wild wirken. Leo-Print ist definitiv etwas für Menschen mit ausgeprägtem Stilbewusstsein. So, wie Kennedy Onassis. Und Carolyn Bessette-Kennedy, die ebenfalls einst mit Mantel im Leo-Muster gesichtet wurde. Zwei Ausnahme-Erscheinungen eben.