PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaFC Bayern MünchenHalbfinale gegen PSGHinspiel „pervers geil“ – doch ihre vielen Gegentore müssen den Bayern Sorgen bereitenVeröffentlicht am 03.05.2026Lesedauer: 6 MinutenLeon Goretzka, Harry Kane und Joshua Kimmich (v.l.) Quelle: REUTERS/Angelika WarmuthVor dem Rückspiel gegen PSG offenbart der FC Bayern gegen Heidenheim eine Schwäche. Die vielen Gegentore der Münchner bereiten manchem Experten Sorge. Sportvorstand Max Eberl äußert sich nun deutlich.Seit Samstagabend herrscht eine besondere Stimmung beim FC Bayern. Eine Mischung aus Erleichterung, enormer Vorfreude und Anspannung. Erleichtert sind sie beim Fußball-Rekordmeister, weil sie Samstagnachmittag wortwörtlich in letzter Sekunde die Blamage gegen den Bundesliga-Letzten 1. FC Heidenheim abwenden und zumindest noch ein 3:3 retten konnten. Es wäre die erste Niederlage gegen einen Tabellen-18. seit 2008 gewesen.Grund für die Vorfreude und Anspannung ist das bevorstehende Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain am kommenden Mittwoch (21 Uhr, DAZN). In der Südkurve hing gegen Heidenheim ein Plakat mit der klaren Forderung der Fans an alle Stadionbesucher: „Mittwoch alle in Rot.“„Das Spiel gegen Paris am Dienstag war, wenn ich das jetzt etwas salopp sagen kann, pervers geil“, sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl Samstagabend. Seit dem 5:4 von PSG freuen sich Fußballfans weltweit noch mehr auf die zweite Partie. Mit den neun Treffern stellten die Mannschaften einen Torrekord in einem Halbfinal-Spiel der Königsklasse (seit 1992/93) auf. Es war ein Spektakel, für viele eine der besten Partien der vergangenen Jahre.Werden die Münchner im Rückspiel wieder so offensiv spielen? In den vergangenen Partien haben sie elf Gegentore hingenommen: 4:3 gegen den 1. FSV Mainz 05, 4:5 gegen Paris und 3:3 gegen Heidenheim. Der ehemalige Bayern-Profi und einstige Nationalspieler Mario Basler sagte Sonntagvormittag im „Doppelpass“ auf Sport1, die Defensive der Münchner bereite ihm Kopfschmerzen.Lesen Sie auch„Natürlich kassieren wir momentan zu viele Gegentore, auch zu leicht teilweise. Das wird natürlich angesprochen und analysiert“, sagte Bayerns Sportdirektor Christoph Freund nach der Partie gegen Heidenheim. Dennoch ist er für das Paris-Spiel sehr optimistisch: „Mittwoch wird jeder mit 100 Prozent in jeden Zweikampf gehen und wir werden konzentriert sein. Aber wir wissen natürlich, dass uns eine hohe Qualität erwartet.“Sportvorstand Eberl sieht es ähnlich. „Die Grund-DNA einer Mannschaft wirst du nicht ändern – und willst du ja auch nicht ändern, deswegen bist du ja so erfolgreich“, sagte er. „Das ist das, was den Fußball einfach ausmacht – die Offensive. Aber klar ist: Wir müssen am Mittwoch mindestens ein Tor mehr schießen als der Gegner. Und im besten Fall zwei, um weiterzukommen.“Im Hinspiel hätten die Offensiven „weniger Fehler gemacht als vielleicht der eine oder andere in der Defensive oder in der Restverteidigung, wenn ich an das Mittelfeld denke. Es war ja dann doch sehr offenes Visier. Was am Mittwoch kommt, kann ich noch nicht sagen.“ In jedem Fall werde es von der Intensität und Energie ein ganz anderes Spiel der Bayern als gegen Heidenheim sein.„Spielstil nicht in drei Tagen ändern“, sagt Joshua KimmichMittelfeldchef Joshua Kimmich sagte über eine defensivere Taktik als Option: „Wir hatten das Thema vor ein paar Wochen schon mal, als wir gesagt haben, dass wir zu viele Tore bekommen, zu selten zu null spielen. Die Ausgangssituation gegen Paris ist klar: Wir müssen mit einem Tor Unterschied gewinnen, egal, ob es dann ein 3:2 ist oder 1:0 ist. Also wir werden nicht unseren Spielstil in drei Tagen ändern und uns irgendwie hinten einigeln.“ Er sei überzeugt, dass seine Mannschaft zu Hause gegen Paris gewinnen könne. Sein Trainer Vincent Kompany äußerte sich am Wochenende differenziert zu den vielen Gegentoren in diesen Tagen. „Ich will nicht alles zusammenwerfen“, betonte der Belgier. „Die Spiele in Paris, Mainz und Heidenheim. Natürlich bekommen wir zu viele Gegentore. Wir versuchen, auch ein bisschen vernünftigere Entscheidungen zu treffen, damit wir gegen Paris auch voll angreifen können. Aber ich will jetzt nicht alles in einen Topf werfen. Als Verteidiger, Torwart und Mannschaft musst du eine Reaktion zeigen. Dafür gibt es keinen besseren Moment als Mittwoch.“Er lobte die Moral und den Willen seiner Mannschaft. „Ich war auch Verteidiger und weiß, wie das Gefühl ist, wenn man zu oft Gegentore bekommt“, sagte Kompany, der unter anderem für den Hamburger SV und Manchester City spielte. „Aber die Jungs können stabil und ruhig bleiben. Im vergangenen Jahr hatten wir das Thema schon einmal. Danach haben wir achtmal in Folge zu Null gespielt. Wir zeigen immer eine Reaktion. Das müssen wir jetzt wieder machen.“Der WELTMeister-PodcastImmer montags bitten die WELT-Reporter Lutz Wöckener und Lars Gartenschläger zum Blind Date mit einem Champion. Einer lädt den Gast ein, der andere führt das Gespräch, muss aber zunächst herausfinden, um wen es sich dabei überhaupt handelt. Die Zuhörer können mitraten.Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.Wie die Bayern gewann auch PSG vor dem Halbfinal-Rückspiel nicht. Trotz des 2:2 am Wochenende gegen den FC Lorient darf der Klub aber auf den erneuten Titelgewinn in Frankreichs Liga hoffen, weil auch der ärgste Verfolger RC Lens beim 1:1 in Nizza Punkte einbüßte. Paris hat bei drei noch ausstehenden Partien sechs Zähler Vorsprung, muss allerdings noch in Lens antreten.PSG-Trainer Luis Enrique schonte gegen Lorient viele Spieler. „Es ist sehr schwierig, nach einem wichtigen Spiel in einer so großartigen Atmosphäre wieder in den Ligabetrieb zurückzufinden, was die Motivation angeht“, sagte der Spanier. „Dieses Ergebnis ist schade, denn wir hätten die drei Punkte gebraucht.“Nur zwei Spieler erneut in der StartformationDer Trainer hatte kräftig rotiert, um die Kräfte vor dem Spiel in München zu schonen. „Wir haben nur zwei Spieler eingesetzt, die schon am Dienstagabend in der Startelf standen. Wir haben versucht, das Spiel nach unseren Vorstellungen zu kontrollieren. Wir wollten gewinnen, haben diese Chance aber verpasst“, sagte Enrique.Insgesamt sei er aber mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. „Vom Einsatz her haben wir unsere Aufgabe gut erfüllt. Sie haben zwei Tore aus zwei Angriffen erzielt.“ Für PSG trafen Ibrahim Mbaye (6. Spielminute) und Warren Zaire-Emery (62.) zur zweimaligen Führung, den Gästen aus Lorient gelang jeweils der Ausgleich.Eine Statistik spricht für die Bayern: Gegen keinen anderen Gegner verlor Paris im Europapokal der Landesmeister beziehungsweise der Champions League mehr Auswärtsspiele als gegen sie. Fünf von sieben Partien in München gewann der FC Bayern, viermal mit zwei oder mehr Treffern Unterschied. Die bislang letzten beiden Spiele gegen PSG in München gewannen die Bayern ebenfalls.Lediglich eines der vergangenen 29 Heimspiele in der Königsklasse verloren die Münchner, ihre bislang sechs Partien im eigenen Stadion in dieser Saison der Champions League gewannen sie.Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Gegen Heidenheim war er im Münchner Stadion und wird auch beim Rückspiel gegen Paris auf der Pressetribüne sitzen.