„Beschleunigen“ wollte die Union Rückführungen. So versprachen es CDU und CSU in ihrem Wahlprogramm. Den Schwesterparteien gelang es dann auch, im Koalitionsvertrag mit der SPD das Wort „Rückführungsoffensive“ hineinzuverhandeln. Die Union wollte das umsetzen, was Olaf Scholz angekündigt, aber aus ihrer Sicht nicht geliefert hatte. „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben“, hatte der Bundeskanzler der Ampelregierung im Herbst 2023 als Ziel ausgegeben.Tatsächlich stieg die Zahl der Abschiebungen im Jahr darauf um mehr als 22 Prozent. Im Jahr 2025, da schon größtenteils unter der neuen Regierung, dann noch einmal um mehr als 13 Prozent.Jetzt aber, im ersten Quartal dieses Jahres, sind die Zahlen um 21 Prozent eingebrochen – trotz der Kooperation mit den neuen Machthabern in Syrien und den Taliban in Afghanistan. Das berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“ und berief sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. 4807 Migranten mussten Deutschland demnach in den ersten vier Monaten zwangsweise verlassen, im gleichen Zeitraum 2025 waren es noch 6151.AfD dürfte Merz an seine Aussagen erinnernDie neuen Abschiebezahlen kommen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ungelegen. Am 6. Mai jährt sich die Kanzlerwahl – und die Asylpolitik ist eines der wenigen Themen, bei denen die Union ihren Wählern vermitteln könnte: Wir haben versprochen, wir haben geliefert.Zumindest können Merz und Dobrindt auf die Zurückweisungen an den Grenzen und stark rückläufige Asylbewerberzahlen verweisen. Wobei dieser Trend auch schon am Ende der Ampelzeit sichtbar war und Schwarz-Rot nach wie vor vom Regimewechsel in Syrien wenige Wochen vor der Bundestagswahl profitiert.Die Zahl der Schutzsuchenden ist aber nur die eine Seite der Asylpolitik. Die Zahl der Rückführungen die andere. Erstmals seit fünf Jahren gehen nun also die Abschiebezahlen zurück. Zwar kann die Union Abschiebungen von Straftätern nach Afghanistan und Syrien als Erfolg verbuchen. Erst vor wenigen Tagen etwa gelang es der Bundesregierung, 25 straffällig gewordene Afghanen per Charterflug in ihr Heimatland zu bringen. Zahlenmäßig fallen diese Fälle aber nicht ins Gewicht.Abschiebeflug von Leipzig im Juli 2025dpaDennoch hat Bundeskanzler Merz in seinem ersten Amtsjahr immer wieder die Erwartung geweckt, die Abschiebezahlen stark zu erhöhen. So etwa in der von ihm angestoßenen „Stadtbild“-Debatte im Herbst. Aber auch neulich wieder im Frühjahr, als Merz dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa während seines Besuchs in Berlin die Aussage zuschrieb, dieser wolle 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer binnen drei Jahren zurückhaben. Die AfD dürfte ihn nun, mit Blick auf die rückläufigen Abschiebezahlen, an beide Äußerungen erinnern.Weniger Dublin-Fälle, weniger ÜberstellungenWesentlich zum Rückgang der Rückführungen beigetragen haben die sogenannten Dublin-Fälle. Hierbei handelt es sich um Schutzsuchende, für die eigentlich ein anderer EU-Staat zuständig ist. Wie Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zeigen, gab es in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres 1715 Überstellungen an andere Mitgliedstaaten. Nun waren es von Januar bis März nur 889 Überstellungen. Das entspricht einem Minus von 826 – was den Rückgang der Abschiebezahl insgesamt (Minus 1344) also zum Großteil erklärt.Dass es weniger Dublin-Überstellungen gab, liegt daran, dass Deutschland anderen EU-Staaten nur fast halb so viele Übernahmeersuchen gestellt hat. Das wiederum dürfte an den allgemein rückläufigen Asylbewerberzahlen liegen. Die Chance jedenfalls, dass andere Mitgliedstaaten einem solchen Ersuchen stattgeben, liegt nach wie vor bei knapp 13 Prozent. Sprich: Andere EU-Staaten nehmen Asylsuchende, für die sie eigentlich zuständig sind, nur in Ausnahmefällen zurück. Dieser niedrige Wert ist ein altbekanntes Problem des Dublin-Verfahrens, das viele Politiker deshalb als gescheitert ansehen.Neben den Dublin-Fällen könnte auch der Irankrieg einige Abschiebungen verhindert haben, weil der Flugverkehr in bestimmten Regionen nicht möglich war. So war der Irak im ersten Quartal dieses Jahres bei den Abschiebungen nicht mehr unter den Hauptzielstaaten.