Schon zur Steinzeit deckten die Menschen in Finnland ihre Dächer zum Teil mit Birkenrinde, was heute im Steinzeitzentrum Kierikki in der Nähe der Stadt Oulo in einem nachgebauten Dorf besichtigt werden kann. Der Baustoff ist regendicht und verwittert sehr langsam. Wer eine kürzere Anfahrt bevorzugt, kann sich jetzt auch in der Hafencity am Ufer der Elbe von den Vorzügen des Materials überzeugen, das als Baustoff wieder spannend wird. Naima Mora vom Studio Frugal Bauen und Gerrit Müller-Scheeßel vom Projektteam Info-Pavillon bauten gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern die vier Meter hohe und gut sieben Meter lange Holzinstallation am Ufer der Elbe vor dem Architektur-Mitmachmuseum Urbaneo. Verkleidet ist die Holzkonstrukti0n mit Birkenplatten aus Skandinavien, die eine Fläche von insgesamt rund hundert Quadratmetern bedecken. Der Pavillon, in dem es vom 4. Mai an täglich von 14 bis 18 Uhr Informationen zu den Veranstaltungen des Architektur Sommers gibt, hat kein Dach. Sonst wäre er von den Behörden als Bauwerk eingestuft worden, was aufwändigere Anträge und Genehmigungsverfahren nach sich gezogen hätte. Gegen Verwitterungshelfer wie den Birkenporling – einen Pilz, der abgestorbene Birken praktisch in Scheiben zerlegt – ist die Installation nicht imprägniert worden, da es sich um ein temporäres Phänomen handelt, das wieder abgebaut wird, wenn der Sommer vorbei ist. Bis dahin wird im Pavillon informiert, denn das Programm ist mit 300 Veranstaltungen an rund 200 Orten sehr umfangreich. Herausragende Programmpunkte, ungewöhnliche FormateBei einer spannenden Aktion wird das Künstlerkollektiv „Projektion Bismark“ das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark am 29. Mai und am 2. Juli jeweils ab 22 Uhr in eine Projektionsfläche für Bilder, Texte und filmische Sequenzen verwandeln. Zudem hat die Triennale Architektur Sommer die Tanztriennale mit einer zentralen Veranstaltung integriert. Die City Parade, die den Stadtraum temporär als eine Bühne nutzt, startet am 14. Juni um 14 Uhr am Museum der Arbeit in Barmbek und führt von dort in den Stadtpark, wo sie auch endet. Ungewöhnliche Perspektiven auf Architektur, Stadtentwicklung und Klimaanpassung ermöglicht das Projekt „Rauf geht’s“, das bei den Hamburger Dachtagen 2026 ausgewählte Dächer in Altona für Besucher zugänglich macht. Informationen zu den Besichtigungen vom 26. bis 28. Juni gibt es unter obenstadt.de.Ausstellungen zu Baukunst und -kulturEin umfangreiches Ausstellungsprogramm ist einer der Schwerpunkte des Architektur Sommers. Den Auftakt macht bereits die Schau „Das ungebaute Hamburg. Visionen einer anderen Stadt“ mit Modellen und Projektbeschreibungen in der Freien Akademie der Künste. Die Ausstellung „Schlafquartier“ befasst sich bei Fehlig Meshfeghi Architekten im Neuen Steinweg 2 mit dem Thema „Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten“. Der Aktivist und Fotograf Lars Klingenberg zeigt eine Arbeit mit großformatigen Bildern, O-Tönen und Texten, die sich mit dem Phänomen vor dem Hintergrund der Stadtarchitektur auseinandersetzt. Bauen und Schauen im BestandDer „Lange Donnerstag im Montblanc Haus“ eröffnet am 7. Mai, am 4. Juni und am 2. Juli im Hellgrundweg 98 von 18-21 Uhr kostenlosen Zugang zur Ausstellung „Inspire Writing“. Informationen unter montblanc.com. Während hier der Schwerpunkt auf dem Schauen liegt, geht es bei der Ausstellung „Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ im Urbaneo vom 8. Mai an um Projekte wie das Gängeviertel, PARKS (Alster-Bille-Elbe PARKS), die Sanierung von Kampnagel oder den Gröninger Hof. Das Urbaneo veranstaltet die Schau gemeinsam mit Architects for Future Hamburg und PIA - Womenin Architecture e.V..Apropos Gröninger Hof. Vom 6. bis zum 20. Juni wird dort in der Neuen Gröningerstraße im Baustellencontainer eine dauerhaft einsehbare Ausstellung gezeigt. „Delta City“ zeigt die 140 Kilometer lange Hochwasserschutzlinie Hamburgs. Wer die Zukunft gestalten möchte, dem helfen Einblicke in die Vergangenheit. Oberbaudirektoren und IngenieurskunstWeitere Ausstellungen widmen sich daher unter anderem den Bauten des Architekten Fritz Schumacher (Staatsbibliothek, 2. Juli bis 16. August) und nehmen die Rolle von „Architektur als City Branding“ in den Blick, was sich nicht direkt auf die Backsteinziegelproduktion bezieht. Auch ein anderer Oberbaudirektor prägte Hamburg. Die Galerie Renate Kammer am Münzplatz 11 zeigt Zeichnungen, Skizzen und mehr aus der Amtszeit von Egbert Kossak (3. Juli bis 4. Oktober).Erstmals im Blick: Die „Vielfältige Ingenieurskunst“, aus Anlass des 150. Geburtstags des Hamburger Ingenieursbüros Wetzel & von Seht. Im Levantehaus in der Mönckebergstraße 7 sind den gesamten Juli über Projekte von „innerstädtischen Neubauten bis zu anspruchsvollen Sanierungsprojekten“ zu besichtigen.Filme und KonzerteBeim Architektur Sommer wird das Porträt „Loki Schmidt“ seine Kinopremiere im 3001 Kino in der Schanzenstraße erleben. Das Porträt der Naturschutz-Pionierin und Kanzlergattin Hannelore „Loki“ Schmidt wird von Regisseur Rasmus Gerlach veranstaltet (10. Mai, 17 Uhr). Zudem wird das Filmdebüt von Laura Dieckmann „Die Geschichte von Ottensen“ im Zeise Kino in Altona gezeigt (28. Juni, 11 Uhr). Eine ganze Reihe von Konzerten wird es am Ufer der Bille am Osterbrookplatz 18 geben, veranstaltet von BOOT e.V., einer Stadtteilinitiative in Hamm-Süd. Los geht es am 1. Mai um 18 Uhr mit Dr. Love Power (Blues und Soul), dem ersten von 15 Konzerten bis zum 18. Juli. Darüber hinaus veranstaltet der Architektur Sommer Lesungen, Exkursionen, Konferenzen und den Jungen Hamburger Architektur Sommer mit vielen Angeboten für Kinder und Jugendliche. Das komplette Programm unter: architektursommer.de
Baukultur: Das künftige Gesicht der Stadt - WELT
Der Architektur Sommer mit 300 Veranstaltungen soll ein „lebendiges Festival der Baukultur“ sein. Am neuen Info-Pavillon am Ufer der Elbe wirbt eine Installation mit dem Baustoff Birkenrinde für Nachhaltigkeit.







