PfadnavigationHomePolitikAuslandSchüsse bei Gala-Dinner„Du bist eine Schande“ – Als die CBS-Reporterin aus dem Manifest liest, verliert Trump die FassungVeröffentlicht am 27.04.2026Lesedauer: 4 MinutenNach dem vereitelten Angriff am Rande eines Gala-Dinners in Washington hat US-Präsident Donald Trump den Vorfall massiv für seine politische Agenda genutzt. WELT-Reporterin Stefanie Bolzen berichtet.Donald Trump sieht sich nach den Schüssen in Washington als Opfer seiner politischen Gegner. Gleichzeitig nutzt der US-Präsident den Vorfall, um eines seiner Prestigeprojekte voranzutreiben. Beim Interview mit dem US-Sender CBS geht Trump die Reporterin an.Nach dem vereitelten Angriff am Rande eines Gala-Dinners in Washington hat US-Präsident Donald Trump den Vorfall umgehend für seine politische Agenda genutzt. Während US-Sicherheitsbehörden am Sonntag eklatante Lücken beim Schutz des Präsidenten zugaben, drängen Trump und seine republikanischen Verbündeten auf den Bau des umstrittenen neuen Ballsaals im Weißen Haus.Trump bezeichnete sich zudem erneut als Zielscheibe persönlicher Angriffe, wegen seiner angeblichen politischen Erfolge. „Wenn man viel bewegt, wird man angegriffen“, hatte er bereits kurz nach der Tat am Samstagabend erklärt. Am Sonntag legte der 79-Jährige in den sozialen Medien nach und verglich sich mit dem früheren Präsidenten Abraham Lincoln. Ohne seine (Trumps) Zölle auf Importe und die hohen Militärausgaben wäre er weniger gefährdet, so Trump.Lesen Sie auchAuf seiner Online-Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident: „Was gestern Abend passiert ist, ist genau der Grund, warum unser großartiges Militär, der Secret Service, die Strafverfolgungsbehörden (...) darauf bestanden haben, dass ein großer, sicherer und geschützter Ballsaal auf dem Gelände des Weißen Hauses errichtet wird.“ Der Ballsaal könne gar nicht schnell genug fertiggestellt werden, so Trump weiter.Den Angriff und die vermeintlichen Sicherheitslücken nutzt der ‌US-Präsident nun als Beleg für die Notwendigkeit seines geplanten, 400 Millionen Dollar teuren Ballsaals. Dieser soll über einen Bunker, ein drohnensicheres Dach und kugelsicheres Glas verfügen. Republikanische Verbündete kündigten am Sonntag denn auch an, Gesetzesinitiativen einzubringen, um den gerichtlich gestoppten Bau des Saals durchzusetzen.Trump geht CBS-Reporterin in TV-Interview anIn einem Interview, das am Sonntagabend bei „60 Minutes“ ausgestrahlt wurde, zeigte sich der US-Präsident auch offen feindselig gegenüber der CBS-Journalistin Norah O'Donnell. O'Donnell las während des Gesprächs aus dem Manifest des Angreifers Cole Tomas Allen vor. Der hatte unter anderem geschrieben, seine „Ziele“ seien „Regierungsbeamte“ und: „Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Vergewaltiger, ein Pädophiler und ein Betrüger meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt.“ O’Donnell fragte Trump, wie er darauf reagiere.Lesen Sie auchDer Präsident antwortete darauf sichtbar gereizt. „Nun, ich habe darauf gewartet, dass Sie das vorlesen, weil ich wusste, dass Sie es tun würden“, sagte Trump. Er warf O’Donnell und CBS vor, die Worte eines „kranken Menschen“ weiterzuverbreiten. „Ja, das hat er geschrieben. Ich bin kein Vergewaltiger. Ich habe niemanden vergewaltigt. Ich bin kein Pädophiler“, sagte Trump.Als O‘Donnell ihm ins Wort fiel und fragte: „Oh, Sie glauben, er hat sich auf Sie bezogen?“, verschärfte Trump seine Verbalattacke auf die Journalistin noch. „Du hast diesen Mist von einem kranken Menschen vorgelesen“, sagte er. Er sei „mit Dingen in Verbindung gebracht“ worden, „die nichts mit mir zu tun haben“. Der mutmaßliche Schütze sei „ein kranker Mensch“. Und weiter: „Das solltest du nicht bei ‚60 Minutes‘ lesen. Du bist eine Schande“, sagte der Präsident. „Aber mach weiter, lass uns dieses Interview beenden.“Secret Service unter DruckTatsächlich steht der Secret Service nach dem Vorfall im Washington Hilton massiv in der Kritik. Der bewaffnete Schütze aus Kalifornien konnte die äußeren Sicherheitskontrollen offenbar umgehen, indem er sich in den Tagen vor der Veranstaltung als regulärer Gast in dem Hotel einmietete, wie am Sonntag aus US-Regierungskreisen verlautete.Zudem verlief die Evakuierung der anwesenden Regierungsmitglieder ‌teilweise unkoordiniert. Während Trump nach etwa 30 Sekunden ‌von der Bühne gebracht wurde, dauerte es bei einigen Ministern rund 150 Sekunden, bis sie den Saal verlassen konnten.Tim Röhn, Leiter des Axel Springer Global Reporters Network, der vor Ort war, zeigte sich über die laschen Sicherheitsvorkehrungen überrascht: „Trotz des Andrangs teils aggressiver Trump-Gegner vor dem Hotel reichte es, wenn Gäste lediglich einen Screenshot der Einladung zeigten, um auf das Gelände und ins Gebäude zu gelangen. Ausweis? Nicht erforderlich.“ Selbst Jacken habe man für den Sicherheitscheck nicht ausziehen müssen.Auch der Schütze selbst wunderte sich in seinem ‌Manifest über die laxe Sicherheit. „Als ich das Hotel betrat, fiel mir sofort die Arroganz auf. Ich kam mit mehreren Waffen an, und niemand zog in Betracht, dass ich eine Bedrohung darstellen könnte“, schrieb Cole Tomas Allen. Ehemalige Sicherheitsbeamte erklärten, der Secret Service müsse künftig ‌die ‌Sperrzonen bei Großveranstaltungen deutlich ausweiten. jmr mit Reuters