PfadnavigationHomeICONISTModeArtikeltyp:MeinungStilkritikDie neue Lufthansa-Uniform ist Merz-Deutschland zum AnziehenVeröffentlicht am 28.04.2026Lesedauer: 3 MinutenDie neuen Uniformen sehen aus wie die altenQuelle: © Lufthansa_Oscar BravoDie Lufthansa bekommt neue Uniformen – und Deutschland sein modisches Spiegelbild: Kastenjacken, Capes und fleischfarbene Strumpfhosen. Eine visionslose Garderobe, die viel über Flugscham, Zukunftsangst und das Ende des Jet-Age erzählt.Nach 24 Jahren tauscht die Lufthansa ihre Uniformen aus. Solange der Staat als Eigner noch mitflog, saß das Geld offenbar lockerer. Als börsennotierter Konzern musste die Garderobe bis zum Vintage-Status aufgetragen werden.Das Land repräsentiert die Lufthansa trotzdem bis heute noch. Am Flughafen Frankfurt stolpert die Republik durch graue Teppichlandschaften und überteuerte Franzbrötchen, geschniegelt in Funktionsjacken, den Blick auf die Bordkarte geheftet wie auf einen Steuerbescheid, und verteidigt barfuß am Sicherheitsband seine Zahnpasta als hinge die gesamte Würde daran. Spätestens mit dem Ende der Concorde hat Fliegen seinen Glamour verloren. Das Jet Age, die Abhebe-Romantik, verewigt in der Fotografie von William Eggleston, ist Geschichte. Den Rest erledigten linksgrüne Flugscham-Parolen, die Inlandsflüge moralisch verteufelten und dann doch als Erste wieder BER–MUC saßen. Natürlich auch die Berliner Flughafenkatastrophe, auf die einen selbst japanische Taxifahrer ansprechen. Und die Billigflugära, die eine ganze „reumütige“ Millennial-Generation hervorbrachte, die sich heute als Gutmenschen vermarkten. Andere Nationen fangen den Niedergang wenigstens elegant ab. Am Dubai International Airport riecht Zukunft nach Oud und Kreditkarte. In Mailand begrüßt einen ein gigantischer Giorgio Armani-Schriftzug.Keine Uniform-ReformImmerhin dürfen die Männer bei Lufthansa, zumindest die Piloten, weiterhin einigermaßen würdevoll in dunkelblauen Sakkos mit drei goldenen Streifen den Rollbahnlaufsteg entlangfahren. Entworfen wurden sie damals von Etzkorn - Großhandel! -, kopiert nun von Boss, verantwortlich für die „neuen“ Uniformen, die mit großem Pathos angekündigt wurden, aber aussehen wie die alten.Die Lufthansa Damenmodelle von Strenesse waren leider immer eher bieder, aber in schlichtem Dunkelblau immerhin ein My besser als die bei Austrian Airlines, wo die Stewardess– äh Flugbegleiter*innen in roten (!) Strumpfhosen den gesamten einstündigen Flug BER-VIE damit beschäftigt sind Mozart-Kugeln zu rationieren. Wie es besser geht, konnte man mal bei Air France mit Modellen von Balenciaga und Dior beobachten. Oder bei Alitalia mit Armani-Perfektion. Wunderbar originell waren auch die Pucci Designs für die texanische Airline Braniff. Den freundlichen Lufthansa-Stewardessen, die mit bewundernswerter Gelassenheit all den klimabewussten Hipstern auf ihrer Rückreise von Bali ihre Koffer ins Gepäckfach hieven, hätte man also auch endlich mal eine glamourösere, verdienstvollere Garderobe gewünscht. Das einzig wirklich Neue an der 40-teiligen Kollektion ist jedoch lediglich ein Cape, das „Bewegungsfreiheit“ schaffen soll – aber vermutlich als Erstes im Tomatensaft von 28D hängt. Das ist der Platz in 20 cm Meter Luftlinie zu den Toiletten, aus denen das gesamte Elend Deutschlands strömt und das ebenfalls von den ehrenhaften Flugbegleitern in Stand gehalten wird.Insgesamt passt die Kollektion aus Kastenjacken, Strickjacken, den Corporate-Identity pflichtbewusst-gelben Halstüchlein, Zelt-Parkas, fleischfarbenen Strumpfhosen und überknielangen Wickelröcken also perfekt zu Merz-Deutschland: große Reformen ankündigen, aber am Ende nur shoppen gehen. Auch die Gründe dürften ähnlich sein wie in Berlin, wo die Regierung inzwischen jedem gerecht werden will, aber vor allem dem Zeitgeist. Keine Taille – könnte sexualisieren. Nicht zu viel Bein – könnte die fünf syrischen Abschiebehäftlinge pro Jahr irritieren. Nicht zu viel Dekolleté – zu viel Weiblichkeit für alle, die noch auf der sensiblen Suche nach ihrem Geschlecht sind.Während Tech-Milliardäre Raketen bauen, Golf-Airlines das Fliegen als multisensorische Luxusutopie verkaufen und Prada sich schon längst den Outfits für die nächste Mondmission widmet, präsentiert Deutschland für die nächsten 25 Jahre eben neue Strickjacken.
Die neue Lufthansa-Uniform ist Merz-Deutschland zum Anziehen - WELT
Die Lufthansa bekommt neue Uniformen – und Deutschland sein modisches Spiegelbild: Kastenjacken, Cape und fleischfarbene Strumpfhosen. Eine visionslose Garderobe, die viel über Flugscham, Zukunftsangst und das Ende des Jet-Age erzählt.






