PfadnavigationHomePanoramaDrama vor Poel„Aus unserer Sicht nicht minimalinvasiv“ – Tierschützer warnen vor neuen RettungsplänenVeröffentlicht am 23.04.2026Lesedauer: 4 MinutenSeit über 20 Tagen liegt ein Wal vor der Insel Poel fest. Meeresbiologe Fabian Ritter kritisiert mangelnde Transparenz und fehlende Untersuchungen. „Das kann man durchaus besser machen“, so Ritter.Ein neuer Rettungsplan soll den vor Poel gestrandeten Buckelwal in die Freiheit führen. Zudem werden drei weitere Experten eingeflogen, was jedoch für Kritik sorgt. Denn ihre Organisation wurde durch den Hollywood-Film „Free Willy“ bekannt.Wie soll es mit dem vor Poel gestrandeten Buckelwal weitergehen? Den Wal mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht infrage, hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwochabend gesagt.Verfolgen Sie die Wal-Rettung im LivestreamDas private Einsatzteam versucht jetzt, dem Tier einen Weg in tieferes Wasser zu ermöglichen. Dazu solle eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und rund zwei Meter tiefe Rinne von der derzeitigen Liegeposition des Wals in tieferes Fahrwasser geschaffen werden, sagte der Chef des an der Aktion beteiligten Tauchunternehmens, Fred Babbel. Dafür sei der Einsatz eines zweiten Baggers vorgesehen. Die Arbeiten würden ungefähr zwei Tagen dauern. Die eigentliche Fahrrinne, die aus der Bucht führt, hat im Durchschnitt eine Tiefe von vier bis fünf Metern. Backhaus sei ein neues Konzept zur Prüfung vorgelegt worden. Details dazu wollte Babbel zunächst nicht nennen. Aus dem Team hatte es zuvor geheißen, dass eine rund 15 Meter breite Barge, eine Art nicht selbstfahrender Lastkahn, auf dem Weg aus dem Hamburger Raum zur Wismarbucht sei. Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse.Tierschützer halten diesen Weg der Rettung für nicht zielführend. „Das ist aus unserer Sicht nicht als minimalinvasiv einzuschätzen und kann zu Stress für den Wal führen – das halten wir nicht für zielführend“, sagte Bianca König, Sprecherin der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Da ihr das konkrete Konzept nicht vorliege, könne sie das Prozedere aber nur aus der Ferne und mit Abstand bewerten. Lesen Sie auchZu befürchten seien dagegen Leid und Stress für das Tier – und gerettet sei er dann nach wie vor nicht. Der Wal sollte in Ruhe gelassen werden, allenfalls soll es palliative Maßnahmen geben. Zudem sollten mithilfe von internationalen Experten erneut Möglichkeiten geprüft werden, wie der Wal von seinem Leid erlöst werden könnte.Der Buckelwal liegt weiterhin in der freigespülten Kuhle am Ende der Kirchsee. Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei beobachteten das Tier in der Nacht durchgehend. „Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv“, sagte ein Sprecher am Morgen.Auf Livestreams war zu sehen, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger nur gelegentlich leicht bewegt. Sein Atem war an der typischen Wasserfontäne regelmäßig zu erkennen. Parallel dazu arbeiten Helfer und Behörden unter Hochdruck an weiteren Anpassungen des Rettungsplans, die sowohl fachlich abgestimmt als auch am Verhalten des Tieres ausgerichtet sein sollen.Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger äußerte sich skeptisch zu den laufenden Rettungsversuchen. „Die Situation bedeutet für den Wal wahrscheinlich enormen Stress“, sagte er „T-online“. Zu dem Tier selbst sagte er, der Buckelwal habe sich „in eine Falle begeben, weil er sich weit von seinen eigentlichen Lebensräumen entfernt hat“. Der Fall könne Deutschland nach Einschätzung Krügers noch lange beschäftigen, weil Wale „wochen- und monatelang“ ohne Futter auskommen könnten.Gunz holt neue Experten nach Deutschland, Wallace warnt Die aus dem Rettungsteam ausgeschiedene US-Tierärztin Jenna Wallace warnt unterdessen vor den neuen Helfern, die Mediamarkt-Gründer Walter Gunz einfliegen will. Laut einem Bericht von „Bild“ werden drei Mitarbeiter von Charles Vilnicks Organisation „The Whale Sanctuary“ nach Deutschland kommen. Vilnick selbst war an der Auswilderung des Orcas Keiko beteiligt, der durch den Hollywood-Film „Free Willy“ bekannt wurde. Der Wal starb während der Rettungsaktion allerdings an einer Lungenentzündung.Jenna Wallace kritisiert die Entscheidung scharf: „Vinick ist weder Meeresbiologe noch ein Doktor, er ist ein Betrüger. Das Einzige, was er kann, ist Spenden zu sammeln und dann nichts zu tun. Er ließ Wale verhungern, bei denen er vorgab, sie retten zu wollen.“ Das sagte sie dem Nachrichtenportal „t-online“.Wallace hatte am Montag die Insel Poel und das Team der privaten Rettungsinitiative für den gestrandeten Buckelwal verlassen. Sie warf den Beteiligten vor, durch ihr Verhalten die Rettung gefährdet zu haben. Tierärztin im Koma – Zustand weiter kritischFür zusätzliche Belastung sorgt die Lage im Team. Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert liegt weiterhin im Koma. Zudem gibt es neue Details: Mitinitiatorin Karin Walter-Mommert sagte dem NDR, Bahr-van Gemmert sei wegen Kreislaufproblemen und Anzeichen eines Schlaganfalls in die Klinik eingeliefert worden. Die Situation bleibe jedoch ernst: Die Ärztin musste notoperiert werden und ist weiterhin nicht außer Lebensgefahr. Lesen Sie auchLaut „Bild“ sollte eine neue Tierärztin aus Hessen übernehmen. Sie selbst sagte, sie habe zwar wenig Erfahrung mit Walen, dafür aber umfassende Kenntnisse im Umgang mit Medikamenten – und keine Scheu vor der Behandlung des Tieres.Die Belastung für die Beteiligten bleibt hoch. Unterstützer sprechen von erschöpften Helfern, die seit Tagen kaum schlafen. Aufgeben will die Initiative dennoch nicht.kaha/jm mit dpa
Wal-Rettung: „Aus unserer Sicht nicht minimalinvasiv“ – Tierschützer warnen vor neuen Rettungsplänen - WELT
Ein neuer Rettungsplan soll den vor Poel gestrandeten Buckelwal in die Freiheit führen. Zudem werden drei weitere Experten eingeflogen, was jedoch für Kritik sorgt. Denn ihre Organisation wurde durch den Hollywood-Film „Free Willy“ bekannt.








