PfadnavigationHomeNewstickerDPAInfolineWirtschaft (DPA)Rüstung und Rohstoffe: Merz und Lula vertiefen PartnerschaftVeröffentlicht am 20.04.2026Lesedauer: 4 MinutenDie Verstimmungen nach dem ersten Brasilien-Besuch des Kanzlers sind weitgehend vergessen.Quelle: Michael Kappeler/dpaBei den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen geht es vor allem um Wirtschaft, aber auch um die Vereinten Nationen und Donald Trump. Und am Ende geht es auch noch um die Wurst.Verdoppelung des Handels und eine engere Kooperation bei Rüstung und Rohstoffen: So wollen Deutschland und Brasilien ihre Partnerschaft weiter vertiefen. «Die Nähe zwischen unseren beiden Ländern ist notwendiger denn je in einer Zeit, in der sich die Weltordnung so grundlegend verändert», sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen in Hannover auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. «Wir wollen den gegenseitigen Nutzen stärken, und wir wollen ein Netz starker und gleichgesinnter Partner sein.»Lula und Merz machten sich gemeinsam für eine Reform der Vereinten Nationen stark. Beide Länder beanspruchen seit langem ständige Sitze im UN-Sicherheitsrat, in dem derzeit nur fünf Atommächte permanent vertreten und mit Vetorecht ausgestattet sind: USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich. Auch wegen des Vetorechts sind alle Reformbemühungen in den vergangenen Jahrzehnten gescheitert.Lula setzt Attacken gegen Trump fortDer brasilianische Präsident setzte bei dem Treffen seine Attacken gegen US-Präsident Donald Trump fort. Den von den USA und Israel begonnen Iran-Krieg hatte er am Vortag bereits als «Wahnsinn» bezeichnet. Nun kritisierte er Trumps Entscheidung scharf, Südafrika vom nächsten G20-Gipfel in Florida auszuschließen.Er habe dem südafrikanischen Präsident Cyril Ramaphosa geraten, trotzdem zu dem Treffen zu kommen, sagte Lula. «Wenn man heute Südafrika rauswirft, wird morgen Deutschland rausgeworfen, wird Brasilien rausgeworfen.» Er rief die deutsche Regierung dazu auf, mit ihm gemeinsam auf eine Teilnahme von Südafrika zu dringen.Trump hatte angekündigt, Südafrika nicht zu dem G20-Gipfel im Dezember in einem seiner Hotels - dem «Trump National Doral Miami» - einzuladen. Der Republikaner warf Südafrika vor, einen Genozid an weißen Bauern zu begehen. Fachleute und Südafrikas Regierung widersprechen der Darstellung eines angeblichen Völkermords entschieden.EU-Mercosur-Abkommen soll Handel ankurbelnMerz und seine Frau Charlotte hatten Lula und seine Frau Janja bereits am Sonntag auf Schloss Herrenhausen empfangen und anschließend gemeinsam die Hannover Messe eröffnet. Heute folgten die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen mit insgesamt 15 Ministern auf beiden Seiten.Im Mittelpunkt stand dabei die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Das vorläufige Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zum 1. Mai bietet dafür die besten Voraussetzungen. Merz hofft nun, das Handelsvolumen mit Brasilien «in den nächsten Jahren» verdoppeln zu können.«Wir wollen die Stärken unserer Volkswirtschaften gemeinsam entfalten, und zwar als wichtige Handelspartner», sagte Merz. Zudem plädierte er für eine gemeinsame Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeiten. «Das ist ein Gebot der Stunde in einer Welt, die eben unberechenbar geworden ist. Wir vertiefen unsere Kooperation im Bereich kritischer Rohstoffe», sagte er. Brasilien ist für Deutschland besonders als Lieferant von seltenen Erden attraktiv, die für Laptops, Handys und E-Motoren gebraucht werden.Lula an weitere Fregatten interessiertAuch im Rüstungsbereich wollen Deutschland und Brasilien enger kooperieren. Lula ist an vier weiteren Fregatten des Typs Tamandaré von Thyssenkrupp Marine Systems interessiert. Derzeit sind vier solcher Fregatten in Brasilien im Bau. «Heute machen wir Fortschritte bei den Bemühungen um den Erwerb vier weiterer Einheiten», sagte Lula. Zudem gebe es Gespräche über gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehr und Drohnen.