PfadnavigationHomeRegionalesHamburgUnfälleZweiter toter Radfahrer innerhalb weniger Tage – ADFC übt scharfe Kritik an Hamburger SenatVeröffentlicht am 17.04.2026Lesedauer: 4 MinutenAm Freitagnachmittag starb in Billbrook ein Radfahrer nach einer Kollision mit einem SattelaufliegerQuelle: Friso Gentsch/dpaEin noch nicht identifizierter Radfahrer stirbt nach einer Kollision mit einem Lastwagen. Nur zwei Tage nach dem Tod eines elfjährigen Jungen erhebt der ADFC schwere Vorwürfe gegen den Senat.Nur wenige Tage nach dem tödlichen Zusammenstoß eines Lastwagens mit einem elfjährigen Radfahrer in Hamburg-Wilstorf ist es in der Hansestadt erneut zu einem tödlichen Unfall zwischen einem Lkw und einem Radfahrer gekommen. Am Freitagnachmittag starb in Hamburg-Billbrook ein bislang noch nicht identifizierter Radfahrer nach einer Kollision mit einem Sattelauflieger an der Ecke Moorfleeter Straße/Liebigstraße.Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Unfall gegen 13.20 Uhr. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge bog der 62 Jahre alte Fahrer des Lastwagens von der Liebigstraße nach rechts in die Moorfleeter Straße ab. Dabei kam es aus bislang ungeklärter Ursache zum Zusammenstoß mit dem Radfahrer, der tödliche Verletzungen erlitt und noch am Unfallort verstarb.Lesen Sie auchDie Polizei behandelte die Unglücksstelle mit großem personellem und technischem Aufwand. Ein Verkehrsunfall-Team der Verkehrsdirektion Innenstadt/West übernahm die Aufnahme vor Ort, zur Rekonstruktion des Hergangs wurde zudem ein 3D-Scanner des Landeskriminalamts eingesetzt.Das Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes kümmerte sich um die psychosoziale Akutbetreuung von Menschen am Unfallort. Die Ermittlungen führt nun die Verkehrsdirektion Süd. Weil der genaue Ablauf noch nicht feststeht, bittet die Polizei Zeuginnen und Zeugen, sich unter 040/4286-56789 zu melden.Der neue tödliche Unfall trifft auf eine ohnehin aufgeheizte Debatte über die Sicherheit des Radverkehrs in Hamburg. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hatte bereits am Freitagvormittag, noch unter dem Eindruck des tödlichen Lkw-Unfalls in Wilstorf vom Mittwoch, der Hamburger Verkehrspolitik ein massives Versagen vorgeworfen.Lesen Sie auchIn seiner Pressemitteilung erklärt der Verband, man sei „zutiefst geschockt und traurig, dass schon wieder ein Radfahrer in Hamburg von einem Lkw-Fahrer getötet wurde“. Die Gedanken seien bei der Familie und den Freundinnen und Freunden des Opfers. Zugleich verbindet der ADFC seine Anteilnahme mit scharfer politischer Kritik: Der Schutz von Menschenleben müsse endlich „allerhöchste Priorität“ in der Verkehrspolitik bekommen, heißt es in der Mitteilung.Besonders deutlich greift der Fahrradclub Bürgermeister Peter Tschentscher an. Dessen Versprechen, für mehr Sicherheit auf Hamburgs Straßen zu sorgen, sei nur ein Lippenbekenntnis. ADFC-Vertreterin Kaija Dehnkamp wirft dem Senat vor, beim Erhalt von Kfz-Stellplätzen entschlossener zu handeln als beim Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer.Konkret kritisiert der Verband das sogenannte Parkplatzmoratorium und wertet es als Hindernis für Maßnahmen zugunsten des Radverkehrs. Von einer Verkehrssicherheitsarbeit im Sinne der „Vision Zero“, also dem Ziel von null Verkehrstoten und keinen Schwerverletzten, könne in Hamburg keine Rede sein. Als Beleg verweist der ADFC auf die Zahl von elf getöteten und 273 schwer verletzten Radfahrerinnen und Radfahrern im Jahr 2025. Nach Auffassung des Clubs wird politisch zu oft erst dann reagiert, wenn ein Mensch bereits schwer verletzt oder getötet worden ist.Lesen Sie auchDer Verband sieht die Ursachen nicht allein im Fehlverhalten einzelner Fahrer, sondern vor allem in einer aus seiner Sicht unzureichend gesicherten Infrastruktur. In Hamburg gebe es „fast nirgends fehlerverzeihende, sichere Infrastruktur“, die helfen könne, tödliche Kollisionen mit Lastwagen zu verhindern, heißt es. Deshalb fordert der ADFC weit mehr als symbolische Gesten: sichere Rad- und Gehwege, zusätzliche Tempolimits sowie konsequente Geschwindigkeitskontrollen, gerade bei Lastwagen in Abbiegesituationen.Mahnwache an der Unglücksstelle geplantHinzu kommen Forderungen nach verpflichtenden Abbiege- und Notbremsassistenten oder alternativ einer Beifahrerpflicht. Fahrzeuge ohne entsprechende Assistenzsysteme oder ohne zusätzliche Einweisung dürften nach Vorstellung des Clubs nicht in Hamburg unterwegs sein.Als Zeichen des Gedenkens und zugleich des Protests ruft der ADFC für Sonntag, 19. April, um 14 Uhr zu einer Mahnwache an der Unglücksstelle in der Winsener Straße 116 in Wilstorf auf. Dort soll auch ein weißes Ghostbike aufgestellt werden. Bürgermeister Tschentscher und Verkehrssenator Anjes Tjarks sind ausdrücklich aufgefordert, daran teilzunehmen.Lesen Sie auchAnteilnahme allein schaffe zwar noch keine sicheren Radwege, so der ADFC, könne aber den Angehörigen und den ungeschützten Verkehrsteilnehmern signalisieren, dass ihr Schicksal die Stadt nicht kaltlässt. Das Ziel des Ghostbike-Arbeitskreises sei es, Bewusstsein für die Verletzlichkeit von Radfahrenden zu schaffen und an die „Vision Zero“ zu erinnern.dfe
Unfälle: Zweiter toter Radfahrer innerhalb weniger Tage – ADFC übt scharfe Kritik an Hamburger Senat - WELT
Ein noch nicht identifizierter Radfahrer stirbt nach einer Kollision mit einem Lastwagen. Nur zwei Tage nach dem Tod eines elfjährigen Jungen erhebt der ADFC schwere Vorwürfe gegen den Senat.






