PfadnavigationHomeRegionalesHamburgDigitalisierte JustizPer Klick zum Recht – So einfach wird das Klagen an überlasteten AmtsgerichtenVeröffentlicht am 20.04.2026Lesedauer: 3 MinutenAnna Gallina (Bündnis 90/Die Grünen), Hamburgs Senatorin für Justiz und VerbraucherschutzQuelle: Georg Wendt/dpaBundesweit 18 Amtsgerichte führen ein Online‑Verfahren ein, das zivilrechtliche Fälle digital abwickeln soll. Für die Bürger bedeutet das weniger Aufwand – für die Justiz eine Entlastung.Das Amtsgericht Hamburg gehört ab sofort zu den bundesweit 18 Pilotgerichten, die ein neues zivilgerichtliches Online‑Verfahren anbieten. Bürgerinnen und Bürger können damit bestimmte Fälle vollständig digital erstellen und einreichen, darunter etwa Zahlungsklagen bis zu einem Betrag in Höhe von 10.000 Euro oder Ansprüche aus Fluggastrechten, wie ein Sprecher der Justizbehörde mitteilte.Ziel sei es, den Zugang zur Justiz spürbar zu erleichtern und gerichtliche Verfahren moderner und bürgerfreundlicher zu gestalten. Dabei soll über die Plattform www.service.justiz.de ein nutzerfreundlicher Online‑Assistent Schritt für Schritt durch den Prozess führen: von der Prüfung der Zuständigkeit des Gerichts bis zur fertigen Klageschrift. Die Übermittlung an das zuständige Amtsgericht erfolge anschließend sicher über den digitalen Dienst „Mein Justizpostfach“. Damit sei das Online-Verfahren eröffnet. Lesen Sie auchDie Justizbehörde erhofft sich von dem Projekt, dass die Verfahren künftig schneller abgearbeitet werden. Je nach Fall könnten sie schriftlich oder per Videoverhandlung geführt werden. Das ermögliche abhängig vom Einzelfall eine einfachere Durchführung im Vergleich zum gewöhnlichen Verfahren. Ein weiterer Vorteil seien niedrigere Gerichtskosten, so die Behörde. Auch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte könnten das neue Angebot für ihre Mandanten nutzen.Das Online-Verfahren wird den Angaben zufolge vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz „entwickelt, erprobt und in den kommenden Jahren evaluiert sowie weiter ausgebaut und verbessert“. An der Erprobung nehmen 18 Amtsgerichte in zehn Bundesländern teil – neben Hamburg in Mannheim, Nürnberg, Schöneberg, Bremen, Frankfurt am Main und Leipzig. Demnächst folgen Nürtingen, Bonn, Essen, Dortmund, Bitburg und Sinzig. In Bezug auf Fluggastrechte testen zusätzlich die Amtsgerichte in Erding, Eilenburg, Königs Wusterhausen, Düsseldorf und Steinfurt das Online-Verfahren. Justizielle Grundversorgung stocktEin Schritt, der aus Sicht der Justiz dringend notwendig ist. Denn nach wie vor klagen Hamburgs Staatsanwälte, Gerichte und Gefängnisse über Personalnot und eine Flut an unerledigten Fällen. Für die Bevölkerung kommt es dadurch in ihrer justiziellen Grundversorgung seit Jahren zu langen Wartezeiten, wenn es etwa an den Amtsgerichten um einen Erbscheinantrag oder Räumungs- und Nachlasssachen geht. Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) verweist stets darauf, dass sie seit ihrem Amtsantritt 2020 kontinuierlich Gerichte, Anklagebehörde und Vollzug gestärkt, ebenso in die Digitalisierung investiert habe. Doch insbesondere die Einführung der digitalen Akte erschwert nach WELT-Informationen den Alltag der Gerichte. Das Problem: Aufgrund des Föderalismus sei es einst nicht gelungen, sich auf eine einheitliche E-Akte zu einigen. Stattdessen unterhalten die Bundesländer unterschiedliche Lösungen, was einen Austausch bei länderübergreifenden Ermittlungen erschwert. Lesen Sie auchHinzu kommt, dass Hamburgs Justiz mit Sorge auf die anstehenden Haushaltsberatungen im rot-grünen Senat blickt. Finanzsenator Andreas Dressel hat bereits angekündigt, dass für die Jahre 2027 und 2028 flächendeckende Einsparungen auf alle Fachbehörden zukommen. Hamburg kämpft nicht nur mit dem abflachenden Steuertrend, sondern auch mit einer Zunahme bei den gesetzlichen Leistungen. Das Besondere in der Justiz: Das Ressort hat einen Haushalt, dessen Einnahmen gesetzlich gesteuert sind und davon abhängen, welche Verfahren den Stadtstaat erreichen. Die Ausgaben sind ebenfalls gesetzlich bestimmt, der Rest sind Personalausgaben. Unter kaufmännischen Gesichtspunkten handelt es sich folglich um einen Haushalt, der kaum steuerbar ist und von Einsparverpflichtungen besonders betroffen ist.
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Bundesweit 18 Amtsgerichte führen ein Online‑Verfahren ein, das zivilrechtliche Fälle digital abwickeln soll. Für die Bürger bedeutet das weniger Aufwand – für die Justiz eine Entlastung.






