PfadnavigationHomeRegionalesHamburgJahresberichtMehr Abschiebungen, weniger Menschlichkeit? Diakonie kritisiert Umgang mit SchutzbedürftigenVeröffentlicht am 15.04.2026Lesedauer: 2 MinutenQuelle: Sebastian Gollnow/dpaDie Abschiebungsbeobachterin der Diakonie Hamburg schlägt Alarm: Immer häufiger würden besonders schutzbedürftige Menschen unter schwierigen Bedingungen abgeschoben. Demnach werfen mehrere Fälle grundlegende Fragen nach Grundwerten wie Menschenwürde und Solidarität auf.Die Abschiebungsbeobachterin der Diakonie Hamburg am Flughafen, Merle Abel, hat ihren neuen Jahresbericht vorgelegt und darin deutliche Kritik am Umgang mit besonders schutzbedürftigen Menschen bei Abschiebungen geäußert. Wie das Diakonische Werk der Hansestadt am Mittwoch mitteilte, zeigen die dokumentierten Fälle, dass ein Teil der Maßnahmen aus menschen- und kinderrechtlicher Sicht problematisch sei. Laut Bericht wurden im Zeitraum vom 1. März 2025 bis 28. Februar 2026 insgesamt 142 Einzelabschiebungen sowie 16 Sammelcharter am Hamburger Flughafen beobachtet. 86 Fälle davon wurden anschließend im sogenannten Flughafenforum besprochen – einem Gremium, in dem Bundespolizei, Landesbehörden aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie zivilgesellschaftliche Organisationen zusammenkommen.Die Diakonie kritisiert, dass immer wieder pflegebedürftige, alte oder kranke Menschen allein abgeschoben würden. Zudem gebe es Fälle, in denen Personen aus Schutzräumen herausgeholt oder Familien getrennt würden. „Wir erleben einen wachsenden Abschiebungsdruck“, sagt der Leiter des Arbeitsbereichs Migration bei der Diakonie, Haiko Hörnicke. In der öffentlichen Debatte werde viel über Zahlen gesprochen, aber viel zu selten über die Menschen, die sich dahinter verbergen. Lesen Sie auchDarunter seien besonders schutzbedürftige Personen. „Die Frage darf nicht lauten, wie viele Abschiebungen vollzogen werden, sondern wie wir verantwortungsvoll mit den Menschen umgehen, die hier leben, und wer besonderen Schutz braucht“, betont Hörnicke.Laut Diakonie werfen mehrere Beispiele grundlegende Fragen nach dem gesellschaftlichen Umgang mit besonders schutzbedürftigen Menschen auf. Die Diakonie vertritt die Auffassung, dass der Umgang mit vulnerablen Menschen ein Maßstab dafür ist, wie ernst eine Gesellschaft ihre Grundwerte wie Menschenwürde und Solidarität nimmt. Eine Missachtung dieser Werte schädige das Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen nachhaltig.Das Diakonische Werk beobachtet im Rahmen eines Monitoringprojekts Abschiebungen am Hamburger Flughafen. Projektmitarbeiterin Abel dokumentiere Vollzugsmaßnahmen der Bundespolizei und stehe allen an Abschiebungen beteiligten Personen als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Die Innenbehörde finanziert das Projekt. jaw/epd