PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungEntzugsklinikLetzte Chance für Britney SpearsVeröffentlicht am 14.04.2026Lesedauer: 5 MinutenPopstar Britney Spears befindet sich aktuell in einer Entzugsklinik, nachdem sie im März unter Drogen- und Alkoholeinfluss am Steuer erwischt wurde. Ihre Sprecherin bezeichnet den Vorfall als „Fehltritt, der nicht zu entschuldigen ist“.Die Freiheit, die sie sich vor Gericht erkämpfte, hat nie zu echter Freiheit geführt. Britney Spears Selbsteinweisung in eine Suchtklinik liefert nur eine schwache Hoffnung, dass die Ex-Pop-Prinzessin sich endlich stabilisiert.Britney tanzt nicht mehr. Und das ist eine gute Nachricht. Am Montag, den 13. April, lud die (ehemalige) Sängerin das für hoffentlich längere Zeit letzte ihrer Tanz-Videos auf ihrem Instagram-Account hoch, dem aktuell 42,3 Millionen Menschen folgen. Der kurze Clip zeigt Britney Spears in einer Ecke vor Fenstern zum Garten ihres Hauses in Kalifornien stehend. Sie trägt schwarze Stiefel, einen roten Torero-artigen Hut und einen schwarzen Body, sonst nichts. Der Body mündet auf der Rückseite in einem String; vorn hat er zwei schmale Streifen die Hüften aufwärts in einem Stoff, so transparent, dass immer, wenn sie mit ihren Händen den Busen nicht verdeckt, an neuralgischen Punkten Herzchen eingeblendet sind (um den No-Nipple-Vorschriften der Plattform zu genügen). Die Sängerin trägt dazu die blonde Mähne hochgesteckt, die Augenpartien sind so tiefschwarz geschminkt wie der Mund knallrot. Britneys Blick: wild entschlossen. Und dann beginnt sie zu einem Latino-Song zu tanzen.Das Verstörende an diesem Tanz-Video, einem von Dutzenden dieser Art in den letzten Jahren, ist weder das Outfit noch der Ort der Aufnahme – meist irgendwo in ihrem Haus in Thousand Oaks, fünfzig Kilometer nördlich von Los Angeles, aber auch gern auf ihrer Yacht (im April zeigte sie sich dort auch mit ihrem älteren Sohn Sean Preston, 20) oder im Urlaub an irgendeinem Strand in Mexiko. Auf Instagram sieht man viele Frauen, die an ähnlichen Orten tanzen, oft sind es Models oder Schauspielerinnen oder Influencerinnen, die ja heute meist beides sind, Models und Schauspielerinnen ihrer selbst zugeschnittenen Rolle. Die Videos von Britney Spears sind aber das krasse Gegenteil von dem, was diese Influencerinnen zeigen, wenn sie auf TikTok oder Instagram tanzen. Keine Filter, kein perfekter Sound, kein ausgeleuchtetes Setting – und dann noch eine Frau, die SEHR offensichtlich keinerlei Wert darauf legt, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Die nicht „in shape“ ist und darauf pfeift, die oft mehr durchs Bild torkelt als tanzt, die sich auf den Hintern klatscht, grimassiert und ihr Dekolleté (nicht operiert) in die offenbar von niemandem geführte und korrigierte Handy-Kamera reckt. Es sind Videos, die eine ähnliche Wirkung wie ein schwerer Verkehrsunfall haben. Man schämt sich einerseits ein wenig, weil man etwas anschaut, das man pietätvoll ignorieren sollte – kann es aber einfach nicht. Dazu ist das, was man da sieht, zu schockierend. Zumal diese Videos von einer Frau stammen, die auf ihrem Höhepunkt stets für die absolute Perfektion stand. Niemand tanzte so porentief makellos, so kraftvoll und elektrisierend wie Spears, der Teeniestar aus dem „Mickey Mouse Club“. Es gab nichts Perfekteres als Britney in den Videos zu „Baby One More Time“ oder „Oops! … I Did It Again“. Spears wurde Ende der 1990er zur Inkarnation von Teenage-Pop und College-Girl-Sexyness. Eine Pop-Prinzessin, die Pop-Queen Madonna legitimerweise im August 2003 auf der Bühne der MTV-Music Awards küsste, wobei nie klar wurde, ob das nun eine Zepterübergabe oder ein Mafia-mäßiger Todeskuss sein sollte. Diese Frau, deren Videos Millionen junge Frauen nachtanzten, lange bevor es TikTok oder Instagram gab, zeigt sich nun unkoordiniert torkelnd zu durch den Raum scheppernder Musik als wäre sie nachts um drei auf einem Feuerwehrball in Neukirchen-Vluyn.Lesen Sie auchDa die Erklärungen von Spears zu ihren Fotos und Videos ähnlich rätselhaft sind, wie die Bilder selbst, hält sich seit Jahren die Waage, ob sich die Öffentlichkeit (42,3 Millionen!) Sorgen machen muss über den Zustand der Tanzenden, vor allem deren mentalen. Oder ob man sie also dafür feiern sollte, dass ihr die Regeln von Social Media, von der Celebrity- und gesamten Aufmerksamkeitskultur offenbar mittlerweile komplett egal sind; sie sich lustig über die Welt macht, die sie einst so riesig werden ließ. Diese letztere Lesart betont, die Sängerin strecke der Welt einfach nur gut gelaunt (?) den gestreckten Mittelfinger ins Gesicht und genieße ihre erst im November 2021 wiedergewonnene Freiheit. Die Freiheit, das erste Mal seit 2008 ohne Überwachung und Vormundschaft durch ihren Vater, der sie nach mehreren psychischen Zusammenbrüchen entmündigen ließ, endlich tun und lassen zu können, was immer sie will. Mit der Nachricht, von der Klatschseite „TMZ“ verbreitet, dass sich die Sängerin vor einigen Tagen in den USA selbst in eine Entzugsklinik eingewiesen habe, wird deutlich, was die meisten schon länger geahnt hatten: Es stimmt die erstere Lesart.Eine Bekannte von Spears wird von „TMZ“ mit den Worten zitiert „She realizes she hit rock bottom“, zu Deutsch: Spears habe erkannt, dass sie ganz unten angekommen sei. Die Selbsteinweisung wird im Zusammenhang mit ihrem Alkoholkonsum, aber auch mit der häufigen Einnahme von Adderall gesehen, einem als ADHS-Medikament entwickelten Amphetamin, welches wachmachend und konzentrationssteigernd sein soll und vor allem schnell süchtig macht. Die Einweisung soll aber auch – quasi präventiv – damit zu tun haben, dass Spears eine Anklage droht: Am 4. März war sie nahe ihres Hauses in Ventura County am Steuer ihres Autos wegen „Trunkenheit am Steuer“ (DUI) angehalten und für drei Stunden verhaftet worden. In einem Krankenhaus wurde in der Nacht auch ihr Blutalkohol getestet – was der Test nun ergab, ist aber bisher nicht bekannt. Man kann nur hoffen, dass die Sängerin in der Einrichtung ihr fragiles Ego stabilisieren und etwaige Abhängigkeiten wieder in den Griff bekommen kann. Das entsprechende Programm in der Klinik soll mindestens 30 Tage dauern – Freunde gehen aber davon aus, dass Spears auch länger bleibt. Dagegen spricht, dass sie ähnliche Entzugsprogramme bereits öfter nach kurzer Zeit verlassen habe, wie berichtet wird.Besonders bitter scheint, dass die Freiheit, die sich Britney Spears so mühsam und von einer „Free Britney“-Bewegung begleitet im November 2021 erkämpfte, offenbar nie zu echter Freiheit führte. Sondern den Kampf mit den eigenen Dämonen nur neu entfesselte.