Herbert Grönemeyer wird heute 70 Jahre alt. Davor erzählt er, was ihm zu seinem runden Geburtstag durch den Kopf geht, warum er für eine Vermögensteuer wäre und welchen eigenen Song er mal im Radio nicht wiedererkannt hat.Frage: Wie blicken Sie auf Ihren 70. Geburtstag?Antwort: Natürlich ändert sich das Denken im Laufe der Jahre. Ich merke schon, dass das Gehirn ab Ende 60 andere Gedanken reinspült, die man vorher so nicht kannte. Man geht quasi ins dritte Drittel und da kann alles passieren. Man entwickelt auch eine gewisse schöne Radikalität. Es ist etwas, auf das man sich mental einstellen muss. Das ist nicht ganz so einfach.Frage: Was sind das für Gedanken, die Ihnen durch den Kopf gehen?Antwort: Wenn man sieht, was in seinem Umfeld geschieht, wie Menschen älter werden oder wer wann wie gestorben ist, denkt man sich schon mal: Okay, das können zehn Jahre sein, das können 20 Jahre sein oder 25. Das rauscht immer mal wieder durch. Das ist nicht etwas, was einen latent beschäftigt, aber natürlich ist das jetzt einen Tick anders, als wenn man 58 Jahre alt ist.Neue Platte in PlanungFrage: Was wünschen Sie sich für das «dritte Drittel»?Antwort: Eine gewisse tänzerische Leichtigkeit, dass ich beweglich bleibe, auch körperlich. Geistig hoffentlich auch, dass sich das Einschränken im Kopf so weit nach hinten verschiebt wie möglich. Schade wäre, wenn man merkt, es stellt sich Stillstand ein, auch künstlerisch. Ich habe gerade erst Dirigieren gelernt und werde nächstes Jahr wieder Konzerte als Dirigent spielen.Und: Ich arbeite gerade an einer neuen Platte. Der Plan ist, dass sie Ende des Jahres oder Anfang 2027 kommt. Dann würde ich gerne übernächstes Jahr anfangen, eine Oper zu schreiben. Ich habe einen sehr schönen, sehr traurigen Stoff.Frage: Sie wollen eine Oper schreiben, arbeiten an einer neuen Platte, nächstes Jahr gehen Sie auf große Tour und Sie wollen weiter dirigieren. Würden Sie sich als rastlosen Menschen bezeichnen?Antwort: Ich bin Sternzeichen Widder. Das sind die Kindsköpfe, aber es sind auch die Feuerzeichen. Ich glaube, der Kopf braucht Futter im Sinne von: Was fällt dir ein? Was kannst du machen? Das begleitet mich mein ganzes Leben. Ich habe immer schon auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig getanzt. Früher habe ich in Bands gespielt, drei verschiedene Sportarten gemacht: Basketball, Tennis, Fußball. Und ich bin auch aufgetreten. Ich kenne das gar nicht anders, dass immer was passiert, aber natürlich diktiert einem das Alter einen anderen Rhythmus.«Optisch zu altern ist nicht das Allereinfachste»Frage: Wenn in Ihrem Leben so viel passiert: Können Sie gut mit Langeweile umgehen?Antwort: Klar, ich bin ein Meister des Müßiggangs. Ich kann sehr gut rumhängen. Ich kann gut sitzen und vor mich hin sinnieren, stundenlang.Frage: Wie gelassen sind Sie vor Konzerten? Haben Sie Lampenfieber?Antwort: Man hat schon Lampenfieber. Wie schafft man das? Ist man noch attraktiv? Hält die Stimme? Da kommen viele Komponenten zusammen. Das ist wie ein Date: Man verabredet sich neu mit dem Publikum. Die Unwägbarkeiten werden im Alter aber größer. Früher war man ungestümer.Heute denke ich über viele Faktoren nach - zum Beispiel, wenn man sich selbst auf dem Screen sieht. Optisch zu altern ist generell nicht das Allereinfachste, aber in meinem Falle altert man eben auch öffentlich. Das ist für die eigene Eitelkeit und das Selbstverständnis natürlich ein Prozess, an den man sich gewöhnen muss.«Man kann schon mal danebenhauen, das macht nichts»Frage: Gibt es Lieder oder Songzeilen, die Sie rückblickend anders schreiben würden, oder wo Sie sagen: Das ist mir heute peinlich?
Herbert Grönemeyer: „Ich bin Sternzeichen Widder. Das sind die Kindsköpfe“ - WELT
Herbert Grönemeyer hat Generationen geprägt. Zum 70. Geburtstag spricht er über sein Leben, Musik, das Älterwerden und was er von Friedrich Merz hält.







