PfadnavigationHomePanoramaPriesterweihe für Verheiratete„Nur zölibatär lebende Männer als Priester zu akzeptieren, können wir uns nicht mehr leisten“Veröffentlicht am 04.04.2026Lesedauer: 3 Minuten„Vor 40 oder 50 Jahren gab es mindestens 1500 Priester in Antwerpen. Jetzt haben wir weniger als 100 aktive Priester“, beklagt der belgische Bischof Johan BonnyQuelle: AFP/NICOLAS TUCATAngesichts weltweit zurückgehender Berufungen zum katholischen Priester fordert der Antwerpener Bischof eine Reform der Priesterweihe. Er werde „alle Anstrengungen unternehmen, um bis 2028 verheiratete Männer“ zu weihen, erklärte er. Der Vatikan will den Aufruf beraten.Ein belgischer Bischof setzt sich dafür ein, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen – und legt es so auf einen Konflikt mit dem Vatikan an. Die Reform sei ein entscheidendes Element der Bemühungen, den Rückgang bei den Berufungen in das Priesteramt aufzuhalten, sagte der Antwerpener Bischof Johan Bonny im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. „Nur zölibatär lebende Männer als Priester zu akzeptieren, ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können.“Bonny, der seit 17 Jahren Bischof in der belgischen Hafenstadt ist, verwies auf die Zustände in seiner eigenen Diözese: „Vor 40 oder 50 Jahren gab es mindestens 1500 Priester in Antwerpen. Jetzt haben wir weniger als 100 aktive Priester.“Der 70-Jährige hatte Mitte März in einem Hirtenbrief zu einer Reform der Priesterweihe aufgerufen und angekündigt, er werde „alle Anstrengungen unternehmen, um bis 2028 verheiratete Männer in Antwerpen zu weihen“. Die Frage sei nicht länger, ob die Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihen kann, sondern „wann sie es tun wird und wer es tun wird“, schrieb er.Lesen Sie auchSein Aufruf sei „ein Schrei aus tiefstem Herzen“ gewesen und „eine Art zu sagen: ‚Hilfe! So kann es nicht weitergehen‘“, sagte Bonny AFP.Die Berufungen zum katholischen Priester gehen weltweit zurück. Besonders deutlich ist dieser Trend in Europa, wo es immer mehr hochbetagte Priester gibt und immer weniger junge Männer, die ihnen im Amt folgen wollen. Im französischsprachigen Süden Belgiens hat eine neue Generation von Priestern aus dem frankophonen Afrika diese Entwicklung abgefedert. Im niederländischen Flandern sind die Zahlen jedoch steil gefallen.Lesen Sie auchDer Bischof von Antwerpen hat seinen Aufruf in die Synode eingebracht. Die jahrelangen Beratungen über die Zukunft der Kirche, an der auch Laien beteiligt sind, sollen 2028 in einer Generalversammlung im Vatikan münden.Ostkirche weiht auch verheiratete MännerWährend Männer, die in den Priesterstand des lateinischen Ritus der sogenannten Westkirche eintreten, zölibatär leben müssen, können in der Ostkirche auch verheiratete Männer geweiht werden. Bonny verweist auf diesen Widerspruch, um auf eine Weiterentwicklung der vatikanischen Lehre zu drängen.In seiner eigenen Diözese gebe es bereits drei verheiratete Priester, die aus der Ukraine und Belarus stammen, sagte der Bischof im Gespräch mit AFP. „Wie erklären Sie also einem jungen Mann, der hier aufgewachsen ist, dass das, was für seine Freunde möglich ist, für ihn nicht möglich sein soll? Das ist sehr schwierig.“Lesen Sie auchDer Vatikan reagierte nicht auf eine AFP-Anfrage zu Bonnys Brief. Die belgische Bischofskonferenz erklärte, sie habe den Aufruf zur Kenntnis genommen und werde „diese Beratungen organisieren“. Zur eigentlichen Kernfrage äußerte sie sich allerdings auch nicht.Es ist nicht das erste Mal, dass Bonny seine Kirche öffentlich herausfordert. So warf er ihr vor, bei sexuellem Kindesmissbrauch durch einen anderen flämischen Bischof beide Augen zugedrückt zu haben. Zudem setzte er sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ein, lange bevor der inzwischen verstorbene Papst Franziskus diese Praxis unter bestimmten Umständen erlaubte.Beim Thema Priesterweihe verweist der Antwerpener Bischof auch auf das Wohlbefinden und die geistige Gesundheit der Männer. „Einige sind ziemlich unglücklich“, sagte er. „Niemand ist dafür gemacht, alleine zu leben.“Zudem gebe es das übergeordnete Gebot, das öffentliche Ansehen der katholischen Kirche wiederherzustellen. In Flandern hatte eine Dokumentation aus dem Jahr 2023 über Opfer sexueller Übergriffe durch Geistliche für großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Eine Rekordzahl von Menschen trat aus der Kirche aus.„Wir sind zu einer Kirche geworden, arm an Zahl und arm an moralischer Glaubwürdigkeit“, beklagte Bonny. „Um das Vertrauen zurückzugewinnen, brauchen wir alle.“AFP/doli