PfadnavigationHomeIconTrenchcoat 3.0Kunst und Mode: Ein Spiel aus Freiheit und RespektVon Heike BlümnerVeröffentlicht am 20.03.2026Lesedauer: 3 MinutenAlter Ego (von links): Tai Shani; Shafei Xia; Victoria Kosheleva; Paola Pivi; Tschabalala SelfQuelle: Max MaraFünf Künstlerinnen haben sich für Weekend Max Mara den Trenchcoat vorgenommen. Begleitet wurden sie dabei vom Kurator Francesco Bonami. Hier erklärt er, wie man einem klassischen Kleidungsstück neue Seiten hinzufügt.Francesco Bonami ist einer der einflussreichsten zeitgenössischen Kuratoren und Kulturvermittler, unter anderem als ehemaliger Leiter der Biennale in Venedig. Jemand, der den Austausch mit der Mode nicht scheut. 2003 beispielsweise realisierte er eine Ausstellung mit Raf Simons, „The FourthSex“, über Jugendliche auf Identitätssuche für die Fondazione Pitti Immagine Discovery in Florenz. Und für Max Mara kuratierte er 2017 in Shanghai ein monumentales Modeevent mit dem Künstler Liu Wei. China ist ein wichtiger Wirkungsort für ihn; seit 2013 ist Bonami künstlerischer Direktor von By Art Matters (BAM), ein Museum für zeitgenössische Kunst in Hangzhou, das von Renzo Piano entworfen wurde. Dieses Jahr steht außerdem im Zeichen einer weiteren Kooperation mit Max Mara, diesmal für Weekend Max Mara. Unter seiner Leitung bearbeiteten fünf internationale Künstlerinnen den klassischen Trenchcoat, eines der Keypieces bei der Marke, für eine Sonderedition. Im Videogespräch erzählt Bonami darüber.ICON: Ein Trenchcoat ist ein funktionales Kleidungsstück und somit das Gegenteil von Kunst. Warum haben Sie es als Medium für dieses Projekt ausgewählt?Francesco Bonami: Der Trenchcoat ist deshalb interessant, weil er wie eine weiße Leinwand ist.Lesen Sie auchICON: Er hat jedoch einen eigenen Charakter, anders als beispielsweise ein T-Shirt.Bonami: Stimmt. Und darin liegt die Herausforderung. Man legt seine individuelle künstlerische Sprache in eine streng definierte Box. Deshalb habe ich für dieses Projekt Künstlerinnen ausgewählt, die eine starken, unverkennbaren Stil haben, damit sich eine gute Dynamik im Zusammenspiel entwickelt.ICON: Im Ergebnis kitzelt jede Künstlerin einen völlig anderen Charakter aus diesem klassischen Kleidungsstück. Was hat Ihnen besonders gefallen?Bonami: Paola Pivi hat klar und geometrisch mit einem Regenbogenmotiv gearbeitet. Dagegen wirkt Tschabalala Self mit ihren Blumen regelrecht verträumt und fantastisch, fast erinnert es an den Liberty-Stil. Victoria Kosheleva ist wiederum aggressiver, sie attackiert den Trenchcoat wie eine zweite Haut, er wirkt wie tätowiert. Shafei Xia ist die Lustigste von allen. Sie lebt in Bologna, ist aber kulturell chinesisch geprägt. Sie arbeitet mit ikonischen chinesischen Bildern, sehr verspielt, das mag ich. Und dann gibt es noch den außergewöhnlichen schwarzen Lackmantel von Tai Shani.ICON: Es ist sicher nicht einfach, all diese Mäntel zu produzieren.Bonami: Das war die Aufgabe von Max Mara, aber die Künstlerinnen waren beeindruckt, was möglich gemacht wurde, um ihre Ideen zu realisieren, die dann auch noch haltbar und tragbar sind.ICON: Dass sich Mode zur Kunst wendet, ist so alt wie die Mode selbst. Worin liegen die Vorteile für beide Seiten?Bonami: Die Mode sehnt sich immer nach der Freiheit der Kunst. Kunst ist natürlich eine legitime Quelle der Inspiration. Auf der anderen Seite sehnt sich Kunst nach der Popularität der Mode. Und – ohne zynisch klingen zu wollen – nach den Budgets.ICON: Wann ist Ihrer Meinung nach eine Kooperation zwischen Mode und Kunst gelungen?Bonami: Wenn die Künstler es verstehen, innovativ und offen an die Mode heranzugehen. Und wenn die Mode versteht, dass Kunst eine Inspirationsquelle ist, die sie nicht ausbeuten dürfen. Es ist der feine Grat von Unabhängigkeit und gegenseitigem Respekt.