PfadnavigationHomeICONISTFitness & WellnessArtikeltyp:MeinungKörpereinsatzMatcha-Latte unter den Fitness-Trends – trainieren auf dem „Pilates Reformer“Veröffentlicht am 11.04.2026Lesedauer: 3 MinutenBegehrt in der Fitness-Welt: Pilates machen auf einer Maschine namens ReformerQuelle: Don Mason/Stockbyte/Getty ImagesSeilzüge für die Glückseligkeit: „Pilates Reformer“ ist mehr als eine Maschine – sie ist gerade der letzte Schrei in der Fitness-Welt. Unsere Kolumnistin hat sich die dafür nötigen Noppensocken übergezogen und ihren Widerwillen abgestreift.Anders als es diese Kolumne vielleicht vermuten lässt, habe ich nicht jede Trend-Sportart bereits ausprobiert. Bevor ich mich endlich an eine Reformer-Pilates-Maschine wagte, hatte mir eine Freundin schon mehrmals vorgeschwärmt, wie gut der Sport ihrem Rücken getan habe. Eine andere beeindruckte im Sommerurlaub mit sichtbaren Bauchmuskeln, die sie ihrem neuen Hobby zuschrieb. Noch eine andere hatte gleich ein eigenes Pilates-Studio eröffnet.Reformer Pilates steht für Kraftübungen an einem Gerät namens Reformer. Es besteht aus einer beweglichen Liegefläche auf Schienen, unter der sich Federn für einen verstellbaren Widerstand verbergen. Man hält sich an Seilzügen mit Schlaufen fest und führt sitzend, stehend oder liegend Bewegungen aus. Reformer Pilates wurde in den 1920er-Jahren von einem Deutschen namens Joseph Pilates erfunden. Es ist so etwas wie der Matcha Latte der Fitness-Welt: Eigentlich uralt, inzwischen überall erhältlich.Trotzdem haftet der Sportart etwas Elitäres an. Das mag an den Kosten liegen: In Großstadtstudios sind Preise zwischen 20 und 30 Euro pro Stunde selbstverständlich. In meinem Großstadtstudio in Berlin-Charlottenburg sind so ziemlich alle Reformer-Kurse trotzdem immer ausgebucht. Oft laufe ich vorbei an den Raum mit den Reformer-Geräten, auf dem Weg zu meinem Yogakurs, und blicke durch die verglaste Tür. Die Frauen sind jung, sehr schlank, tragen enge Leggings und weite Sweatshirts mit Logos von skandinavischen Modemarken oder amerikanischen Ivy-League-Universitäten. Sie nippen an einer Tasse Ingwer-Tee. Alle tragen Söckchen mit Noppen an der Fußsohle, die sind Pflicht und wer keine dabeihat, darf sich im Studio-Shop ein Paar für 18 Euro kaufen.Lesen Sie auchJoseph Pilates, der 1926 nach New York emigrierte, trainierte barfuß und in Badehose. Seine Kursteilnehmer waren Tänzer, keine Influencer. Vielleicht lag es an dem elitären Image, vielleicht an den fehlenden Socken, dass ich mich lange nicht für einen Reformer-Kurs angemeldet habe. Aber manchmal entwickeln sich die Dinge ja von allein. Bei einer Dienstreise nach Los Angeles nahm ich mit ein paar Mitreisenden an einer Klasse der Studio-Kette Megaformer teil. Die Trainerin sagte der Kurs sei „für alle Level geeignet“, was in Los Angeles etwas anderes bedeutet als in Berlin. Ich stand auf allen vieren auf dem Gerät, der Schweiß tropfte mir von der Stirn, während ich mit meinem rechten Fuß gegen einen Widerstand andrückte, als müsste ich ein stehengebliebenes Auto wegschieben. Ich las später, dass Megaformer mit klassischem Pilates nur entfernt etwas zu tun hat. „Als hätten Pilates und Bodybuilding ein Baby“, so beschreibt es der Gründer Sebastian Lagree in der „Los Angeles Times“.Das Gute an der Erfahrung: Ich hatte ein paar Noppen-Socken geschenkt bekommen. Zurück in Berlin meldete ich mich für eine Anfänger-Klasse an und lag wenige Tage später an einem eisigen Nachmittag auf dem Reformer. Ich zog mich an den Seilen hoch und wieder zurück, stellte mich in den Vierfüßlerstand und glitt in den Liegestütz und zurück. Es ging langsam, aber kontrolliert zu, mit Pausen zum Ingwertee-Trinken. Meine Stirn blieb trocken, trotzdem fühlte sich jede Bewegung extrem effektiv an, als würde ich allein durch die Nähe zu dieser teuren Maschine mehr Muskeln aufbauen. Ich fühlte mich reformiert. Mit meiner frisch gestärkten Körpermitte zog ich wieder meine Schuhe an, verließ das Studio und rutschte auf dem vereisten Gehweg aus.Mit meinen Noppensocken wäre mir das nicht passiert.
Pilates: Der teuerste Fitness-Trend der Städte – und was wirklich dahintersteckt - WELT
Seilzüge für die Glückseligkeit: „Pilates Reformer“ ist mehr als eine Maschine – sie ist gerade der letzte Schrei in der Fitness-Welt. Unsere Kolumnistin hat sich die dafür nötigen Noppensocken übergezogen und ihren Widerwillen abgestreift.







