PfadnavigationHomeICONISTTrendsSportlermuseumVon Owens bis Bolt – ein passionierter Sammler lässt olympische Legenden lebendig werdenVeröffentlicht am 08.02.2026Lesedauer: 5 MinutenTrikots von Armin Hary und Martin Lauer vom Staffel-Olympiasieg 1960 Quelle: Frank ScheffkaFrank Scheffka sammelt nicht nur Medaillen und Autogramme, sondern Geschichten: von Olympiasiegern, vergessenen Helden und besonderen Begegnungen. Nun erfüllt sich sein Traum – mit einem eigenen Museum in Delmenhorst.Noch heute kommt es Frank Scheffka, 60, unwirklich, ja gar unwahr vor, wenn er an den Vormittag des 19. Juni 2023 denkt, als er das Telefon abnahm. „Hello, here is Bob Beamon from America“, sagte eine Stimme am anderen Ende. Im ersten Moment, erinnert sich Scheffka, habe er geglaubt, da wolle ihn jemand auf den Arm nehmen. Bob Beamon? Jener Amerikaner, der als Jahrhundertweitspringer in die olympischen Annalen einging, nachdem er bei den Sommerspielen 1968 in Mexiko den Weltrekord gleich um sagenhafte 45 Zentimeter auf 8,90 Meter verbessert hatte? Ja, der Mann am Telefon war Bob Beamon. Als Global Ambassador der Special Olympics World Games hielt sich der damals 76-Jährige aus South Carolina gerade in Berlin auf. Er hatte von dem im niedersächsischen Delmenhorst ansässigen Mediziner Scheffka gehört – und von dessen außergewöhnlichen Sammlung olympischer Memorabilien. Beamon, Liebhaber derartiger Devotionalien, wollte sie unbedingt sehen und bat darum, den Sammler am nächsten Tag besuchen zu können. „Das ist ja der Wahnsinn“, soll Beamon bei seiner vierstündigen Visite gesagt haben, schwer beeindruckt von dem, was Scheffka über Jahrzehnte zusammengetragen hat. Fackeln, Trikots, Maskottchen und Medaillen Scheffka führte Beamon damals noch durchs Dachgeschoss seines Hauses, wo er auf der Fläche einer geräumigen Fünfzimmerwohnung seine Heiligtümer aufbewahrte: Fackeln und Startnummern, Trikots und Sportgeräte, Maskottchen und Medaillen – Scheffka präsentierte seinen einzigartigen Olympia-Schatz. Dabei konnte er damals seinem berühmten Gast aus Übersee nur einen Teil der mehr als 50.000 Objekte zeigen. Vieles lag noch verpackt in Kisten, um irgendwann einmal als Gesamtkollektion der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. An diesem Wochenende werden Scheffkas Träume wahr: In den Räumen einer ehemaligen Bankfiliale in der Delmenhorster Innenstadt eröffnet er sein deutschlandweit einmaliges Sportler-Museum. Dass der Eröffnungstermin mit dem Beginn der Olympischen Winterspiele zusammenfällt, ist natürlich kein Zufall. Aufgeteilt ist die Exposition in fünf Epochen, die durch die fünf olympischen Ringe symbolisiert werden. Eine Bibliothek mit 2000 fachspezifischen Büchern gehört dazu. Demnächst eröffnet auch ein Kino für sporthistorische Filme.Der aus Schwerin stammende Scheffka sammelt seit seiner Kindheit. Anfangs schielte er nach Briefmarken. Liebend gerne hätte er auch Postwertzeichen mit den Konterfeis seiner damaligen Sportidole gehabt. Doch in der DDR wurden nur sehr selten lebende Personen auf Briefmarken abgebildet. Und dann gewann der wie Scheffka in Schwerin lebende Hochspringer Gerd Wessig bei den Sommerspielen 1980 in Moskau mit Weltrekordhöhe die Goldmedaille. Der sammel- wie sportbegeisterte Teenager Frank Scheffka dachte: Wenn es schon keine Briefmarke gibt, dann sollte er doch wenigstens ein Autogramm bekommen. Zwei Wochen später stand er beim Stadtfest mit einem druckfrischen Olympiabuch vor dem Triumphator und ließ die darin von ihm enthaltenen Fotos signieren. „Dieser Moment“, sagt Scheffka, „hat mein Leben verändert“.Lesen Sie auch Mittlerweile besitzt Scheffka mehr als 20.000 Original-Unterschriften berühmter Athleten. Akribisch auf A4-Blättern nach Sportarten sortiert, füllen sie 240 Aktenordner. Die handschriftliche Signatur von Jesse Owens, Star der Sommerspiele 1936, ist ebenso dabei wie die von Jamaikas Sprint-Wunder Usain Bolt. Scheffka sagt: „Anders als ein Foto, das man zigtausendfach vervielfältigen kann, ist eine Unterschrift einzigartig. Sie hat den Wert einer Spur in der Geschichte.“ Zu seinen Schätzen gehört eine Visitenkarte von Spiridon Louis, auf dessen Rückseite sich der Grieche mit seinem Namenszug verewigt hat. Der Nationalheld begeisterte 1896 in Athen bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit als Gewinner des Marathonlaufs. 40 Jahre später war er bei den Spielen in Berlin Ehrengast und unterschrieb dort die Visitenkarten. Dafür habe er erst Schreiben lernen müssen. „99 Prozent der Exponate sind Geschenke der Athleten, die dafür geschwitzt haben und auf diese Weise ihre Energie ins Museum hereingeben“, sagt Scheffka. Zu den vielen Memorabilien, die er geschenkt bekommen hat, gehört die Bronzemedaille, die Elfriede Kaun 1936 in Berlin im Hochsprung gewann. Scheffka bekam sie von der ehemaligen Leichtathletin zu seinem 35. Geburtstag. Sie überließ ihm auch ihren Briefwechsel mit der Leichtathletin Gretel Bergmann, die als Jüdin nicht starten durfte und in die USA emigrierte. Nachdem Scheffka die in Kiel lebende Elfriede Kaun kennengelernt hatte, entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen ihr und seiner Familie. „Sie hat sich selbst als unsere Adoptiv-Oma bezeichnet“, erzählt er. Es gehe ihm nicht darum, die Dinge zu sammeln, weil sie einen hohen Wert besitzen oder um sie einfach nur zu horten. „Ich möchte die Athleten porträtieren“, sagt er, „deren Geschichten erzählen. Ihre Verdienste sollen nicht in Vergessenheit geraten.“ „Wenn jemand zu mir kommt, bringt er immer etwas fürs Museum mit.“Gewachsen sei seine Sammlung wie von selbst. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wurden immer wieder Sportler oder deren Erben auf ihn aufmerksam. Zu vielen Athleten pflegt Scheffka engen Kontakt. „Wenn jemand zu mir kommt, bringt er immer etwas fürs Museum mit.“ So wie Gerd Wessig, der ihm Jahre nach dem Autogramm auch sein olympisches Siegerdiplom überließ. „Mich freut es, dass ich so einen Anstoß gegeben habe“, sagt der einstige Höhenjäger, der sein Mitbringsel in den besten Händen wisse: „Da bin ich mir hundertprozentig sicher, so penibel wie Frank mit allem umgeht.“ Bisweilen erhält Scheffka auch Anrufe von Hinterbliebenen mit der Bitte, er möge die Nachlässe abholen. Zumeist sind es mehrere Umzugskartons, die ihm übergeben werden. Wie nach dem Tod von Martin Lauer, dem früheren Weltrekordhalter im Hürdensprint und Olympiasieger von 1960 mit der 4x100-Meter-Staffel. Oder wie nach dem Tod des ersten bundesdeutschen Olympiasiegers im Boxen, Dieter Kottysch, der 1972 im Halbmittelgewicht unbezwingbar war. Vielen Sportlern ist es wichtig, dass schon zu ihren Lebzeiten Objekte aus ihrer Karriere in Scheffkas Kollektion kommen. So wie Annegret Richter, die mit der Sprintstaffel bei den Spielen in München das favorisierte DDR-Quartett bezwang. Ihr Siegerdiplom schmückt eine Museumswand. Das signierte Siegertrikot von Armin Hary, der 1960 in Rom über 100 Meter und mit der Staffel triumphierte, wurde einer Schaufensterpuppe übergezogen. Zu den Exponaten gehört auch der Wettkampfdress von Heide Rosendahl, in dem sie in München zu Gold sprang. Was noch fehlt, ist eine olympische Goldmedaille. Doch Scheffka bleibt zuversichtlich: „Ich bin ja längst noch nicht fertig mit meiner Sammlung.“
Sportlermuseum: Wie ein Sammler mit 50.000 Schätzen die Sportgeschichte bewahrt - WELT
Frank Scheffka sammelt nicht nur Medaillen und Autogramme, sondern Geschichten: von Olympiasiegern, vergessenen Helden und besonderen Begegnungen. Nun erfüllt sich sein Traum – mit einem eigenen Museum in Delmenhorst.






