PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungSerkan C.Härtere Strafen allein werden die Gewalt im öffentlichen Raum nicht eindämmenVeröffentlicht am 10.02.2026Lesedauer: 3 MinutenKerzen und Blumen erinnern am Bahnhof Landstuhl an Serkan C.Quelle: Boris Roessler/dpaNach dem Tod von Serkan C. mangelt es nicht an Vorschlägen, was jetzt zu tun sei: härtere Strafen, mehr Personal, Bodycams. Aber vermutlich hätte nichts davon den Tod des Zugbegleiters verhindert.Ein Mann wurde erschlagen, mitten unter Menschen. Serkan C. war alleinerziehender Vater von zwei Jungen. Er starb in Ausübung seines Berufs, er war Zugbegleiter. Er hatte einen Fahrgast kontrolliert. Nicht in Berlin, nicht in der Bronx. Sondern auf einer Strecke in der ländlich-beschaulichen Westpfalz.Der mutmaßliche Täter, ein 26-jähriger Grieche, war zuvor nicht auffällig geworden, nicht vorbestraft. Er war nicht bewaffnet. Er tötete mit bloßen Händen. Niemand konnte eine solche Eskalation vorab ahnen und präventiv etwas tun. Die Deutsche Bahn behauptet ständig, dass ihre Züge, Bahnsteige und Bahnhöfe keine Angsträume seien. Aber sie sind es. Und es gibt inzwischen viele Angsträume in diesem Land. Züge, Bahnhöfe, Plätze und Straßen, tagsüber und nachts. Nach dieser schrecklichen Tat spielen wieder alle die Rollen, die sie dann immer spielen. Politiker sind „entsetzt und wütend“. Es werden Schweigeminuten angeordnet. Die Konservativen fordern härtere Strafen, das links-grüne Lager eine „gründliche Aufarbeitung und Konsequenzen“. Vertreter der Polizei und der Bahn verlangen Bodycams, Zweier-Streifen, mehr Personal, Notfallknöpfe. Vermutlich hätte nichts davon den Tod von Serkan C. verhindert. All das allein wird nichts bringen, damit wir sicherer leben können. Lesen Sie auchBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) schlägt jetzt vor, dass es „entschiedene Konsequenzen“ brauche, wenn Bahnpersonal, Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und andere Dienstleister angegriffen würden. Bravo. Und was ist mit dem Rest der Menschen? Braucht es zu deren Schutz keine „entschiedenen Konsequenzen“? Offenbar nicht. So kommen wir nicht weiter.Es wäre sinnvoll, dass wir uns das Grundproblem anschauen – und es als Problem mit akutem Handlungsbedarf akzeptieren. Immer mehr Menschen hierzulande haben eine zunehmend kurze Zündschnur. Kleinste Differenzen schlagen schneller als früher in rohe, tödliche Gewalt um.Dagegen können mehr Polizei, mehr Sicherheitskontrollen und verstärkte Teams helfen. Auch härte Strafen sind nötig. Aber man kann nicht jeden Waggon oder Bus bewachen. Und nicht jeden endlos wegsperren. Der Einsatz von Kameras in Zügen hat das Gewaltproblem nicht spürbar verkleinert, Waffenverbote auch nicht. Wer sich bewaffnen will, tut das. Und Serkan C. wurde mit bloßen Fäusten getötet. Wir sollten – neben den genannten Maßnahmen – die Wurzel der Verrohung und Gewaltbereitschaft in den Blick nehmen. Lesen Sie auchErstens: Ein erheblicher Teil der Gewalt im öffentlichen Raum geschieht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Niemand sollte mehr das Recht auf Betäubung im öffentlichen Raum haben. Die Cannabis-Freigabe gehört rückgängig gemacht, Alkoholkonsum, die Bierflasche im Zug, konsequent verboten. Zweitens: Es fängt mit kleinen Regelüberschreitungen an oder Beleidigungen, die ohne Konsequenzen bleiben und Enthemmung fördern. Entsprechende Fälle gehören angesprochen und geahndet. Schon in der Schule muss der Schwerpunkt darauf liegen, Respekt zu fördern. Zuletzt: Aggression speist sich oft aus Perspektivverlust, sozialer Entkopplung und dem Gefühl, nichts mehr verlieren zu können. Wer solche Anzeichen zeigt, sollte einen Lernprozess durchlaufen müssen, mit seinen Gefühlen umzugehen. Sicherheit entsteht nicht erst beim Zugriff, sondern lange davor. Und wenn all das nichts bringt: Ja, dann sind härtere Strafen das letzte Mittel.
Serkan C.: Härtere Strafen allein werden die Gewalt im öffentlichen Raum nicht eindämmen - WELT
Nach dem Tod von Serkan C. mangelt es nicht an Vorschlägen, was jetzt zu tun sei: härtere Strafen, mehr Personal, Bodycams. Aber vermutlich hätte nichts davon den Tod des Zugbegleiters verhindert.









