PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungRassismus und SpracheAchtung! Wer „Schwarzfahrer“ sagt, könnte Menschen diskriminierenVeröffentlicht am 05.02.2026Lesedauer: 3 MinutenWELT-Autor Dennis Sand ordnet aktuelle Themen ein: Verdi-Streik im Nahverkehr, Kampagne gegen Müllermilch, Kritik an der Bildungsstätte Anne Frank und die Tourankündigung von Harry StylesAuf den Social-Media-Profilen der Bildungsstätte Anne Frank lernt man Dinge, die das eigene Weltbild infrage stellen. Etwa, dass man Schwarze mit dem Begriff „Schwarzfahren“ diskriminiere. Und auch, dass nicht bloß Frauen Opfer der Kölner Silvesternacht waren.Ja, das kann ganz schnell passieren. Da verbringt man ganz unbedarft nur ein klein wenig zu viel Zeit in sozialen Netzwerken, und wenn man das Smartphone dann aus der Hand nimmt, liegt gleich das gesamte Weltbild in Trümmern. Ist man wirklich der aufgeklärte, rational denkende Mensch, der man immer geglaubt hat zu sein? Oder ist man nicht doch bloß einfach nur ein – nun, sagen wir es klar: ein Rassist? Man hat plötzlich das Gefühl, zu wissen, dass man gar nichts mehr weiß. Aber Vorsicht! Hier fängt es ja schon an. Schwarz. Weiß. Heikles Thema.Zumindest dann, wenn man viel Zeit auf den Social-Media-Profilen der Bildungsstätte Anne Frank verbringt. Diese sollte man nicht mit dem offiziellen Anne-Frank-Zentrum verwechseln. Die Bildungsstätte Anne Frank ist eine in Frankfurt am Main ansässige Bildungseinrichtung, die sich mit „Antisemitismus, Rassismus & Menschenfeindlichkeit“ sowie mit weiteren, also ziemlich allen Formen von Diskriminierung befasst. Das ist an sich eine gute Sache, und man findet dort tatsächlich auch viele nützliche Informationen.Beim Durchscrollen der Social-Media-Profile lernt man allerdings auch Dinge, die das eigene Weltbild infrage stellen. Etwa, dass man bei der Nutzung des „Milch“-Emojis vorsichtig sein sollte, da es auch als rechtsradikales Dogwhistle genutzt werde, das die Überlegenheit der weißen Rasse symbolisiere. Oder dass die Kölner Silvesternacht „laut Migrationsforscher*innen“ gleich ein doppelter Exzess gewesen sei. Nicht nur ein Exzess sexueller Übergriffe gegenüber Frauen, sondern auch ein Exzess im Migrationsdiskurs. „Pauschalisierende Narrative über geflüchtete Männer halten sich spätestens seit Köln hartnäckig in der öffentlichen Debatte“, heißt es da.Man lernt außerdem, dass Begriffe wie „Schwarzfahren“ und „Schwarzarbeit“ als problematisch eingeordnet werden, da sich bestimmte Personengruppen durch ihre Verwendung diskriminiert fühlen könnten. Zwar weist die Bildungsstätte selbst zutreffend darauf hin, dass diese Begriffe etymologisch keinen rassistischen Ursprung haben und das metaphorische Präfixoid „schwarz“ historisch vielmehr mit „verborgen“ oder „nicht sichtbar“ zu übersetzen ist, gleichwohl wird argumentiert, selbst diese Bedeutungsdimension könne als diskriminierend gelesen werden, da die Schwarz-Weiß-Dichotomie eng mit einer Gut-Böse-Metaphorik verbunden sei. Und diese könne Menschen mit dunkler Hautfarbe eben verletzen.In der Humanmedizin kann es gefährlich werden, wenn jemand hypersensibilisiert ist. Das Immunsystem reagiert dann übersteigert auf eigentlich harmlose Stoffe, stuft sie fälschlich als Bedrohung ein und löst Abwehrreaktionen aus, die dem Körper selbst schaden. Im politischen Mainstream hingegen lässt sich mit einer solchen Überempfindlichkeit mitunter zunächst Aufmerksamkeit und schließlich auch eine Menge Geld mobilisieren. Auch die Bildungsstätte Anne Frank wird staatlich gefördert – mit öffentlichen Mitteln in Millionenhöhe.Die dort geleistete Arbeit ist grundsätzlich wichtig. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass ein gesellschaftliches Immunsystem, das übersteigert auf vermeintlich harmlose Begriffe reagiert, ebenfalls Abwehrreaktionen auslöst. Und diese schlagen sich derzeit sichtbar in den Umfragewerten jener Partei nieder, die die Bildungsstätte Anne Frank vor einigen Monaten öffentlich als Trägerin einer „menschenfeindlichen Ideologie“ bezeichnet hat. Vielleicht sollte man sich also langsam wieder an eine Desensibilisierung wagen. Dann bleibt das System wachsamer für die wahren Probleme.