PfadnavigationHomeRegionalesHamburgRechtsanwalt Ingo Bott„Der Prozess implodiert geradezu“ – Verteidiger beantragt Einstellung des Block-VerfahrensVeröffentlicht am 30.01.2026Lesedauer: 2 MinutenRechtsanwalt Ingo Bott neben seiner Mandantin Christina BlockQuelle: AFP/MARCUS BRANDTDer Rechtsanwalt der Angeklagten Christina Block sieht keine Möglichkeit einer objektiven Wahrheitsfindung mehr. Zu viele Aktenbestandteile würden in den Medien auftauchen. Möglicherweise dauert der Prozess aber noch deutlich länger als geplant.Die Verteidigung der angeklagten Unternehmerin Christina Block hat die Einstellung des Verfahrens um die Entführung der Block-Kinder beantragt. Eine objektive Wahrheitsfindung sei nicht mehr möglich, sagte Anwalt Ingo Bott zum Auftakt des 33. Prozesstages im Landgericht Hamburg. Das sogenannte Block-Verfahren sei „einmalig“. Live-Ticker und Informationen aus den Akten, die sofort an die Presse weitergegeben würden, machten unbeeinflusste Zeugenaussagen unmöglich.Blocks Verteidiger stellte klar: „Es ist wichtig, dass Pressearbeit stattfindet.“ Die Presse mache nur ihren Job. „Sie nutzt den Spielraum, den man ihr gibt“, sagte Bott. Was ihn störe sei, dass Inhalte aus Akten und Aussagen sofort an Medien weitergeleitet würden, noch bevor sie in der Hauptverhandlung Thema seien. Zeugen passten sich der Medienberichterstattung an und stimmten sich untereinander ab, kritisierte Bott. Gerade die Aussagen der Zeugen aus Israel würden so zur „Gruppenarbeit“.Lesen Sie auchDie Live-Ticker mehrerer Medien habe es Zeugen ermöglicht, Aussagen anderer Zeugen unmittelbar vor der eigenen Befragung zu kennen, meinte der Verteidiger. Jeder Zeuge erhalte dadurch eine Art Anleitung, wie er die Wahrheit anpassen müsse. „Der Prozess implodiert geradezu“, sagte der Rechtsanwalt. Ein gerechtes Urteil sei nicht mehr möglich.Anklagebehörde: Keine Infos vorab an die Presse gegebenDie Staatsanwaltschaft betonte anschließend, die Anklagebehörde habe sich nicht an der Weiterleitung der Informationen beteiligt. Die Anwältin Gül Pinar, die einen der sechs Mitangeklagten verteidigt, bezweifelte das. Erst habe sie die Nebenklage verdächtigt, doch bestimmte Informationen könnten nur aus der „Sphäre“ der Staatsanwaltschaft kommen.Eine Entscheidung der Kammer zu dem Antrag steht noch aus. Ein anderer Verteidiger sagte, eine Möglichkeit sei, die Öffentlichkeit in bestimmten Prozessphasen auszuschließen.Termine noch bis zum Jahresende?Der Prozess könnte allerdings auch noch deutlich länger gehen als derzeit geplant. Eine Verteidigerin erklärte vor der Strafkammer, sie habe eine Anfrage beantworten sollen, ob die Verteidigung vom 1. Juli bis zum 31. Dezember dieses Jahres zur Verfügung stehe. Zugleich kritisierte Anwältin Gül Pinar, dass das Gericht es ablehne, das Verfahren gegen ihren nur wegen Beihilfe angeklagten Mandanten abzutrennen. Pinars Mandant soll als Geschäftsführer einer Hamburger Security-Firma dafür gesorgt haben, dass das Haus von Christina Block Anfang 2024, als die Kinder zu ihr zurückkamen, abgeschirmt wird. Die Verteidigerin hat erklärt, dass ihren Mandanten keine Schuld treffe. Der Prozess hatte am 11. Juli vergangenen Jahres begonnen. Bislang sind Termine bis Ende Juni angesetzt.jlau