PfadnavigationHomeWirtschaftDrohungen gegen EU-Staaten„Negativer Schock für die deutsche Wirtschaft“ – die Folgen von Trumps neuem HandelskriegVon Jan KlauthFreier US-Korrespondent mit Sitz in New YorkVeröffentlicht am 20.01.2026Lesedauer: 5 MinutenUS-Präsident Donald TrumpQuelle: picture alliance/dpa/AP/Julia Demaree NikhinsonDonald Trump droht mehreren Nato-Ländern mit Strafzöllen, die sich gegen seine Übernahmepläne wehren. Ökonomen zeichnen nun ein Szenario, bei dem Europa und insbesondere Deutschland mit voller Härte getroffen würden – und bei dem es gleichzeitig einen weiteren großen Verlierer gäbe.Seit diesem Wochenende ist klar: Donald Trump hat einen neuen Handelskrieg losgetreten. Nicht aber mit dem ewigen Rivalen China, sondern mit jenen Staaten, die selbst viele Republikaner weiterhin als „Verbündete“ bezeichnen: Die Nato-Länder, die sich weigern, die Grönland-Übernahmepläne des US-Präsidenten mitzutragen. Besonders im Fokus dabei: Deutschland, die führende Wirtschaftsnation des europäischen Kontinents. Die zusätzlichen geplanten Zölle von 10 Prozent machen der hiesigen Wirtschaft zu schaffen. Denn der US-Markt ist für die Exportnation Deutschland von entscheidender Bedeutung. Ökonomen zeichnen nun ein Szenario, bei dem Europa und insbesondere die Bundesrepublik mit voller Härte getroffen würden – und bei dem es gleichzeitig einen weiteren großen Verlierer gäbe: das amerikanische Volk.„Entgegen der Rhetorik der US-Regierung bleiben die Kosten der US-Strafzölle nicht an Exporteuren im Ausland hängen, sondern treffen die amerikanische Wirtschaft selbst“, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft. Ausländische Exporteure absorbierten im Jahr 2025 nur etwa vier Prozent der Zolllast, 96 Prozent wurden an US-Käufer weitergegeben, wie neue Forschungsergebnisse der Ökonomen zeigen. Lesen Sie auchFür die Studie hat das Forschungsteam über 25 Millionen Lieferungsdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen analysiert. „Die Zölle sind ein Eigentor“, so Hinz. „Die Amerikaner bezahlen die Rechnung.“ Schließlich wirkten die Zölle wie eine Konsumsteuer auf importierte Waren. Gleichzeitig sinken Vielfalt und Volumen der verfügbaren Güter. Trotzdem erzielten die Zölle auch den gewollten Effekt, Ländern wie Deutschland ökonomisch zu schaden. Vor gar „jahrelangen Belastungen“ warnt nun das Ifo-Institut angesichts der neuen Aufschläge, die Donald Trump plant. „Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft“, sagt Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.Lesen Sie auchDer Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hängen am Exportgeschäft in Richtung Amerika. Größte Verlierer von neuen Zöllen wären Flach zufolge die Autoindustrie, gefolgt von den Sektoren Elektronik und Optik, Maschinenbau, Metallerzeugnisse und Chemie. Die bereits verhängten Zölle dämpften dem Ifo-Institut zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein.Lesen Sie auchOb dieses Schreckensszenario noch abwendbar ist? Bis jetzt haben die Amerikaner ihre wüsten Drohungen nicht in die Tat umgesetzt – wohl als Druckmittel, um die Europäer zu Zugeständnissen zu zwingen. „Wir haben ja öfter gesehen, dass Donald Trump nicht jede Drohung umsetzt, die er in den Raum stellt“, gibt Samina Sultan, Ökonomin am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), zu Bedenken. Doch die Hoffnung auf eine Normalisierung der transatlantischen Handelsbeziehungen hätten durch erneute Zoll-Drohungen jedenfalls einen heftigen Rückschlag erlitten, sagt Helena Melnikov, Geschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Jetzt ist diplomatisches Geschick gefragt“, appelliert Melnikov. Die Spitzentreffen am Rande des derzeit stattfindenden Weltwirtschaftsforums in Davos bieten ihrer Einschätzung nach die Chance, eine Eskalation des aktuellen Konflikts abzuwenden. „Statt neue Handelshürden aufzubauen, sollten sich die wichtigsten Volkswirtschaften auf mehr Zusammenarbeit einigen“, so die Handelskammer-Chefin. „Dafür braucht es dringend eine Koalition der EU mit relevanten Partnern in Asien, Lateinamerika und Afrika, die sich gemeinsam gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen stellt.“Unzufriedenheit in den USA wächstTrübe Aussichten bietet auch die aktuelle Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zwar wird die Wachstumsdynamik in Deutschland für 2026 etwas positiver eingeschätzt als im Vorjahr. Doch diese Entwicklung spiegelt sich nicht in den Exportzahlen wider. Die deutschen Ausfuhren sind im vergangenen Jahr zurückgegangen.Einerseits, weil in China weniger deutsche Autos und Maschinen Made in Germany nachgefragt wurden. Andererseits, weil Trumps Zölle die Exporte in die USA zeitweise einbrechen ließen. Gingen 2024 noch deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro in das Land, lag der Wert im vergangenen November laut Statistischem Bundesamt um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau.Der nun zusätzliche drohende Aufschlag von 10 Prozent macht eine Trendwende umso schwerer, sind die USA doch noch vor China der wichtigste Handelspartner der Bundesrepublik. Waren und Dienstleistungen von rund 161 Milliarden Euro lieferten die Deutschen 2024 in das Land, für 2025 wird mit einem leichten Rückgang gerechnet. Bricht dieser Wert nun signifikant ein, droht Deutschland das vierte Stagnationsjahr in Folge – und der ökonomische Super-GAU wäre perfekt. Lesen Sie auch„Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle“, sagt Ökonom Hinz. „In den USA sehen sich Unternehmen durch die Zölle langfristig mit sinkenden Margen und Verbraucher mit höheren Preisen konfrontiert.“ Das wiederum konterkariert die Agenda des Präsidenten. „Ab Tag eins meiner Präsidentschaft sinken die Preise“, versprach der Kandidat Trump dem Volk vor der Wahl. Nach einem Jahr im Amt aber zeigt sich: Die Regierung kann dieses Versprechen nicht einlösen. Die Preise für Lebensmittel, Immobilien oder Kosmetika oder Gesundheitsdienstleistungen steigen weiter, anstatt zu sinken. Zwar sind einzelne Produkte, wie etwa Benzin tatsächlich günstiger geworden, bei den allermeisten Waren jedoch zahlen die Amerikaner mehr als vor einem Jahr, wie eine Auswertung des „Wall Street Journals“ zeigt. „Irgendjemand wird für die Zölle zahlen müssen“, prophezeite Notenbank-Chef Jerome Powell im vergangenen Herbst passenderweise.Der Unmut darüber, dass das Leben vieler Amerikaner nur noch über horrende Schulden finanzierbar ist, wächst. 2026 drohen in den USA nun weitere Preissteigerungen – entgegen stetigen Behauptungen des Präsidenten. Ob sich damit Wählerstimmen gewinnen lassen, werden dann die „Midterms“ im Spätherbst zeigen. Regelmäßige Erhebungen zeigen jedenfalls schon jetzt: Die schlechtesten Umfragewerte unter seinem Volk hat Donald Trump in puncto Wirtschaft. Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.
Donald Trumps neuer Handelskrieg: „Ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft“ - WELT
Donald Trump droht mehreren Nato-Ländern mit Strafzöllen, die sich gegen seine Übernahmepläne wehren. Ökonomen zeichnen nun ein Szenario, bei dem Europa und insbesondere Deutschland mit voller Härte getroffen würden – und bei dem es gleichzeitig einen weiteren großen Verlierer gäbe.









