PfadnavigationHomePolitikAuslandTransatlantische Beziehungen„Beleg dafür, dass es die Europäer ernst meinen“ – Der Ton im Umgang mit den USA verändert sichVeröffentlicht am 17.02.2026Lesedauer: 5 MinutenUS-Präsident Trump nutzt die Wirtschaftskraft der USA als Druckmittel gegen Europa. Der Bundeskanzler lässt eine Liste deutscher Produkte und Dienstleistungen erstellen, um im Ernstfall reagieren zu können.Die Instrumente, die US-Präsident Trump zur Aushöhlung der EU einsetzt, sind vielfältig. Entsprechend groß ist die Nervosität in den Hauptstädten. Europa bleibt nur ein Weg, um Trumps Aversion gegen multilaterale Prinzipien etwas entgegenzusetzen.Donald Trump ist nicht persönlich auf der Münchner Sicherheitskonferenz, aber er wird bei allen Diskussionen präsent sein. Mit US-Außenminister Marco Rubio ist in diesem Jahr einer der wenigen Vertreter des Weißen Hauses vor Ort, die einen respektvollen transatlantischen Dialog wertschätzen, seine Teilnahme gilt vielen als Geste der Entspannung. Aber Rubios zivilisierter Ton sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er uneingeschränkt hinter Trumps Europa-Politik steht. Nach seinem Auftritt auf der Sicherheitskonferenz reist Rubio nach Bratislava und Budapest, wo der Außenminister auf Regierungen trifft, die auf ähnliche Weise die EU kritisieren wie der US-Präsident. Zudem teilen die Regierungschefs von Ungarn und der Slowakei die Aversion der Trump-Unterstützer gegen weitere Hilfen für die Ukraine für ihren Kampf gegen Russland. In beiden Hauptstädten wolle Rubio „gemeinsame Sicherheitsinteressen“ festigen, hieß es im Vorfeld aus dem US-Außenministerium.Lesen Sie auchIn Amerikas neuer Nationaler Sicherheitsstrategie werden „Aktivitäten der Europäischen Union und anderer transnationaler Institutionen“ als eines der größten Probleme des Kontinents bezeichnet. Nach Trumps Äußerungen wäre ein Europa der Nationalstaaten der bessere Weg. Das lässt sich mit strategischen Interessen erklären. Als vereinter Block ist Europa geopolitisch mächtiger und könnte immer wieder zum Problem für die Ideologie „America First“ werden – einzelnen Staaten jedoch kann das Weiße Haus leichter seine Bedingungen aufzwingen.Bereits in der ersten Amtszeit machte Trump seine Geringschätzung für die EU deutlich. Er erfreute sich am Brexit, attackierte Brüssel als vermeintlich unfairen Wettbewerber und pflegte enge Kontakte zu EU-feindlichen Politikern. In seiner zweiten Amtszeit geht der US-Präsident zielgerichteter und oft auf brachiale Weise vor, besonders mit Blick auf die EU. Die Strafzölle sind nur ein Beispiel, wie er Europa in die Enge treibt.Lesen Sie auchZwar agiert die EU in Handelsfragen als Block, das macht ihre Stärke aus. Aber ihre Schwächen treten zutage, wenn Trumps Zölle Branchen und Produkte treffen, die für einzelne Länder besonders sensibel sind. Sei es die Autoindustrie in Deutschland, der Maschinenbau in Italien oder Frankreichs Exporthandel mit Champagner. Dann nämlich üben die Nationalstaaten Druck auf Brüssel aus, mit Zugeständnissen gegenüber Washington die Zölle abzumildern.Diese Politik des Teilens und Herrschens gegenüber Europa geht weit über Zölle hinaus. Washington unter Trump ignoriert Brüssel, wann immer das möglich ist. So luden Rubio und Vance Anfang Februar zu einem Gipfel ein, um eine neue Rohstoffallianz zu schmieden. Zusammen mit Ländern der EU, Lateinamerikas, Afrikas und Asiens wollen sich die USA gegen Chinas Macht auf dem Markt für knappe Rohstoffe und Seltene Erden stellen. Nach Informationen von WELT AM SONNTAG lud Washington aber zunächst nicht die EU-Kommission ein, sondern ging gezielt auf einzelne Staaten zu – mit dem Ziel, bilaterale Abkommen abzuschließen. Dabei hatte die EU erst im Dezember einen Aktionsplan zur Versorgung mit diesen Rohstoffen vorgelegt.Ein geeintes Europa als „Bedrohung“Auch für Trumps „Alternativ-UN“, das „Board of Peace“, wurden EU-Mitgliedstaaten einzeln angesprochen. Bulgarien und Ungarn waren sofort dabei. Länder wie Deutschland und Italien lehnten ab. Frankreichs deutliches „Nein“ zu dem Projekt hatte weitere Drohungen Trumps zur Folge, und zwar, die Strafzölle auf französischen Wein und Champagner weiter stark zu erhöhen.Verteidigungsminister Pete Hegseth versprach einzelnen Europäern, darunter Deutschland, jüngst eine besondere Behandlung. „Vorbildliche Verbündete, die sich engagieren, wie Israel, Südkorea, Polen, zunehmend auch Deutschland, die baltischen Staaten und andere, werden unsere besondere Gunst erhalten“, sagte Hegseth. Derweil finanziert das US-Außenministerium der „Financial Times“ zufolge rechtsgerichtete Institute und Gruppen in Europa, die das Ziel der „Make America Great Again“-Bewegung teilen: die Europäische Union kleinzumachen.Lesen Sie auchNächstes Beispiel: Grönland. Jene acht europäischen Länder, die sich solidarisch gegen Trumps Besitzansprüche stellten, darunter Deutschland, kassierten ebenso prompt Drohungen mit Strafzöllen. Zwar führte Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine vorläufige Einigung herbei. Doch das Thema dürfte wieder aufkommen. Eigentum sei für ihn „psychologisch notwendig, um erfolgreich zu sein“, erklärte Trump jüngst im Interview mit der „New York Times“. „Eigentum gibt einem etwas, das man nicht bekommt, wenn man nur über eine Pacht oder einen Vertrag spricht“, so Trump weiter.Unter den EU-Diplomaten in Washington ist Nervosität zu spüren. „Die Gefahr ist, dass am Ende doch Länder ausscheren aus der Solidarität mit Grönland. Etwa jene, die größere Zahlen von US-Truppen auf ihrem Boden stationiert haben“, warnt ein Diplomat. „Trump will die EU zerstören. Er nutzt jede Gelegenheit, um die Mitglieder gegeneinander auszuspielen.“Lesen Sie auchDieser Ansatz wird immer wieder in der Trump’schen Neuordnung der transatlantischen Beziehungen sichtbar. „Allianzen sind für den US-Präsidenten eine Bürde. Darum steht er auch nicht unbedingt zu ihnen, selbst im Fall der Nato, wo er laut Verträgen dazu verpflichtet ist“, sagt Phil Gordon, der unter Joe Biden stellvertretender nationaler Sicherheitsberater war und heute Experte ist bei der Denkfabrik Brookings. „Im Gegensatz zu früheren Regierungen – man kann sogar sagen: zu allen früheren Regierungen – sieht er ein geeintes Europa nicht als Partner der Vereinigten Staaten, sondern als Bedrohung.“Das Neueste an diesem Kapitel sei, dass Europa nicht mehr länger dem Glauben anhängen könne, „dass Trump für Europa da sein würde“, sagt Gordon. Während der gesamten ersten Trump-Regierung hätten die Europäer so getan, als würde am Ende alles in Ordnung gehen. Diese Hoffnung sei im zweiten Jahr der zweiten Präsidentschaft von Trump verflogen.Optimistischer beurteilt die Lage Constanze Stelzenmüller, die ebenfalls Analystin bei Brookings ist. Zwar höre auch sie von europäischen Vertretern Kommentare wie diesen: „Wir haben uns darauf vorbereitet, Europa ohne die USA zu verteidigen. Aber was, wenn wir für eine Verteidigung Europas gegen die USA planen müssen?“ Doch Grönland habe gezeigt, dass eine geeinte Europäische Union im Bündnis mit Großbritannien Wucht habe. Die Handelsabkommen mit Mercosur und Indien seien „Beleg dafür, dass es die Europäer dieses Mal ernst meinen“. Stelzenmüller erwartet, dass Europa „öffentlich so entgegenkommend wie möglich auftritt. Aber der Ton hat sich verändert.“ Das gilt für beide Seiten, wie sich auf der Münchner Sicherheitskonferenz zeigen dürfte.Stefanie Bolzen berichtet für WELT seit 2023 als US-Korrespondentin aus Washington, D.C. Zuvor war sie Korrespondentin in London und Brüssel.
Transatlantische Beziehungen: „Beleg dafür, dass es die Europäer ernst meinen“ – Der Ton im Umgang mit den USA verändert sich - WELT
Die Instrumente, die US-Präsident Trump zur Aushöhlung der EU einsetzt, sind vielfältig. Entsprechend groß ist die Nervosität in den Hauptstädten. Europa bleibt nur ein Weg, um Trumps Aversion gegen multilaterale Prinzipien etwas entgegenzusetzen.






