PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftArtikeltyp:MeinungOhne Zeitgeist MoralEine Kirche der guten Laune könnte die Antwort seinVeröffentlicht am 28.01.2026Lesedauer: 3 MinutenJesus-Kind mit Klingelbeutel in der katholischen Kirche St. Marien in ErlangenQuelle: Frédéric Schwilden/WELTGefrorenes Weihwasser, ein gut gelaunter Pfarrvikar aus Indien und ein Papst, der vom „orwellschen Beigeschmack“ spricht. Bei minus acht Grad in einer fränkischen Kirche denkt unser Autor über seine Erstkommunion, Ideologien und die Frage nach, wer heute eigentlich Moral predigt.Bei Minus acht Grad Celsius stehen wir vor verschlossenen Türen. Aber Katholiken in Mittelfranken lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Pfarrvikar Sunny John, ein gut gelaunter Mann aus Indien, der jetzt für Seelsorge und Gottesdienste in Erlangen zuständig ist und sich neben dem Geistlichen für Fotografie und Kunst interessiert, unterhält sich mit einigen Besuchern. Und dann kommt schon einer mit dem Schlüssel. Hat wohl jemand verschlafen oder vergessen. Wir gehen rein. Meine Frau, meine zwei Kinder und ich. Mein Sohn geht dieses Jahr zur Erstkommunion – und wir deswegen wieder öfter in die Kirche. In der Kirche sieht man den eigenen Atem. Und das Weihwasserbecken ist gefroren.Und wie ich auf der kalten Bank sitze und auf die lilafarbenen Kirchenfenster und das große von der Decke hängende Kreuz schaue, denke ich an meinen Kommunionsunterricht und die damit verbundenen Kirchenbesuche.Das war in Muggendorf in der Fränkischen Schweiz. Und ich sehe Pater Bonaventura vor mir, einen Berg von einem Mönch, wie er mit Emphase den Weihwasserwedel schwenkt, dass es nur so spritzt. Natürlich haben wir das Ding damals Klobürste genannt. Und ich denke daran, wie wir Kommunionkinder da oben standen und ich die ganze Zeit die Augen verdreht habe, weil ich das alles langweilig fand, beziehungsweise finden wollte. Und wie meine Mutter geschimpft hat und ich das Wochenende nicht Super Nintendo spielen durfte.Es passiert jeden Tag. Von Rechts. Von Links.Die Messe fängt an. An der Orgel sitzt ein bäriger Mann mit Bart. Wir bekreuzigen uns. Und der Gemeindereferent erzählt, dass wir heute die Taufe des Herrn (also die Taufe Jesu durch Johannes) und damit den Abschluss der Weihnachtszeit feiern. Und er fragt, ob sich noch jemand an seine Taufe erinnere. Er fragt, ob da auch der Himmel aufgegangen sei, wie das Dach in der Arena auf Schalke. Ob Gott heruntergerufen hätte. Und dann fragt er, woran man uns Christen erkennen könne. An einem Kreuz um den Hals? An anderen Äußerlichkeiten? Und dann sagt er – ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Wortlaut – man solle seinen Glauben nicht vor sich hertragen, sondern mit guter Laune und Freundlichkeit auf Menschen zugehen.Moral und Glauben vor sich hertragen, war jahrhundertelang das Ding der Kirchen. Aber darin sind jetzt andere besser, und sie sprechen vom Weltuntergang wie früher die Kirchen.Gerade hat Papst Leo XIV. in seiner Neujahrsansprache dem sogenannten Westen eine deftige Predigt reingezimmert. Er sprach davon, dass durch Ideologie Meinungs- und Gewissensfreiheit in westlichen Demokratien eingeschränkt werde. Er sprach vom „orwellschen Beigeschmack“, der die ausschließt, „die sich nicht den Ideologien anpassen.“ Und das stimmt. Es passiert jeden Tag. Von Rechts. Von Links. Von den Rändern. Von Volksparteien.Eine Kirche der guten Laune, die sich mit keinem Zeitgeist gemein macht, könnte die Antwort sein. Hallelujah.