PfadnavigationHomePolitikAuslandOlaf Scholz„Ich bin davon überzeugt, dass Putin seinen Angriff zwei Jahre vorher fest geplant hatte“Veröffentlicht am 13.01.2026Lesedauer: 3 MinutenOlaf Scholz ist überzeugt davon, dass Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits zwei Jahre vor dem Beginn des Überfalls fest geplant hatte. Das sagte der Ex-Kanzler bei einer Buchvorstellung in Berlin.Ex-Kanzler Olaf Scholz ist überzeugt, dass Wladimir Putin den Angriff auf die Ukraine lange im Voraus geplant hatte. Bei der Buchvorstellung „Das Versagen“ sagt Scholz: Moskau hätte seine Ziele ohne Krieg erreichen können – entschied sich aber bewusst dagegen.Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz geht davon aus, dass sich Kremlherrscher Wladimir Putin schon deutlich vor 2022 zum Angriffskrieg gegen die Ukraine entschlossen hat. „Ich bin heute fest davon überzeugt, dass Putin seinen Angriff zwei Jahre vorher fest geplant hatte und ihn weniges davon hat abbringen können“, sagte der SPD-Politiker in Berlin bei der Vorstellung des Buchs „Das Versagen“, einer kritischen Betrachtung der deutschen Russlandpolitik. Scholz vertrat die Ansicht, dass Putin ernsthafte Forderungen, wie eine Absage an einen Nato-Beitritt der Ukraine oder an die Stationierung weitreichender Raketen auf ukrainischem Territorium, auch ohne Waffengang hätte erreichen können. „Das hätte man alles ohne Krieg haben können und die Ukrainer hätten es gemacht am Ende und wir alle auch. Das heißt, er wollte den Krieg“, sagte Scholz. Tatsächlich ist bisher nicht öffentlich bekannt, ab wann Putin den Entschluss gefasst hatte für die Vollinvasion der Ukraine. Unklar ist auch, ob die Auffassung von Ex-Bundeskanzler Scholz auf Erkenntnisse des deutschen oder anderer westlicher Geheimdienste zurückgeht. Dass Putin grundsätzlich Anspruch erhob auf ukrainische Gebiete, war jedenfalls schon 2014 klar geworden, als russische Truppen erst in die Ostukraine und dann in der Krim einfielen.Lesen Sie auchViele Kreml-Experten gingen bisher davon aus, dass der erneute Anlauf zur Invasion der Ukraine während der Zeit der Corona-Isolation reifte. Damals soll Putin viele Bücher über die russische Geschichte gelesen haben, was seine Entschlossenheit bestärkt haben soll, das russische Imperium der Sowjetzeit wieder zu errichten. Schon 2005 hatte Putin den Zusammenbruch der Sowjetunion als „größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts“ bezeichnet.Faktisch sichtbar wurden die russischen Kriegsvorbereitungen jedoch erst im März und April 2021, als Russland begann, Truppen an der Grenze zur Ukraine zu massieren, unter dem Vorwand von Trainingsübungen. Im Juli desselben Jahres veröffentlichte Putin dann einen Essay über „die historische Einheit von Russen und Ukrainern“, in dem er argumentierte, dass beide Völker untrennbar verbunden und ein einziges Volk seien. Das war in gewisser Weise die ideologische Vorbereitung des russischen Angriffskrieges.Lesen Sie auchBis zum November 2021 war die Zahl der russischen Soldaten in der Grenzregion dann auf mehr als 100.000 gewachsen. Anfang Februar machte die damalige Biden-Regierung ihre Geheimdienstinformationen über einen unmittelbar bevorstehenden Angriff Russlands auf die Ukraine öffentlich – was in Russland, aber auch in Teilen der deutschen Öffentlichkeit Hohn und Spott hervorrief. Am 24. Februar 2022 begann Russland mit seiner Invasion und zeigte, dass die US-Regierung richtig gelegen und sich nur um einige wenige Tage verschätzt hatte.Waffenlieferungen verteidigtScholz verteidigte bei seinem Auftritt das zeitweise heftig umstrittene Tempo der deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine. „Ich halte die Diskussion für lächerlich, wenn ich das ganz offen sagen darf, weil sie mit der Tatsache, dass wir die realen Waffenlieferungen organisiert haben, wenig zu tun hat“, sagte Scholz.Stets sei abzuwägen gewesen, ob Deutschland sich im Gleichklang mit Partnern bewege und wie Russland reagiere. Es sei so gewesen, „dass man natürlich auch austesten musste, wie weit das gehen kann“.Lesen Sie auch„Denn es gibt ja kein Gesetzbuch über: Das ist der eine Schritt zu viel. Das kann man nirgendwo nachlesen und lernt man auch nicht an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, sondern das ist etwas, was man herausfinden muss“, sagte Scholz. Das Buch von Katja Gloger und Georg Mascolo analysiert die Russlandpolitik Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten. Die Autoren zeigen, wie Warnungen vor dem aggressiven Kurs des russischen Präsidenten vernachlässigt und weiter Hoffnung in eine Zusammenarbeit gesetzt wurde. Es wurde in Berlin vom Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, vorgestellt.dpa/cvb/clw
Olaf Scholz: „Ich bin davon überzeugt, dass Putin seinen Angriff zwei Jahre vorher fest geplant hatte“ - WELT
Ex-Kanzler Olaf Scholz ist überzeugt, dass Wladimir Putin den Angriff auf die Ukraine lange im Voraus geplant hatte. Bei der Buchvorstellung „Das Versagen“ sagt Scholz: Moskau hätte seine Ziele ohne Krieg erreichen können – entschied sich aber bewusst dagegen.






